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01.04.2020 | Immobilienmanagement | Kommentar | Onlineartikel

Glasfaser als Wettbewerbsvorteil in der Immobilienwirtschaft

Autor:
Christian Breidenbach-Kaack
5 Min. Lesedauer

Die Anforderungen an Büro- und Gewerbeimmobilien steigen. Dazu gehört auch eine sichere und schnelle Anbindung ans Internet. Schon alleine, um all die Daten zu verarbeiten, die das Gebäude selbst produziert.

Das sogenannte Internet of Things (IoT), also die drahtlose Vernetzung unterschiedlicher Geräte und Gegenstände über das Internet, erlebt einen rasanten Zuwachs. Nach Angaben des Statistikportals Statista werden im Jahr 2025 weltweit mehr als 75 Milliarden IoT-Geräte im Einsatz sein. Das entspräche einer Verfünffachung in nur zehn Jahren.

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Halbleiter

In der Elektrotechnik unterscheidet man zwischen aktiven und passiven elektronischen Bauelementen. Unter passiven Bauelementen versteht man elektrische Widerstände, Kondensatoren (bzw. Kapazitäten) und Spulen (bzw. Induktivitäten). Ihre elektrischen Eigenschaften sind zeitlich konstant und können bestenfalls durch das Verschieben mechanischer Elemente (z. B. regelbare Widerstände (= Potenziometer) und regelbare Kondensatoren) angepasst werden.

Auch für die deutsche Immobilienwirtschaft gewinnt das Internet of Things an Bedeutung. Im Zuge des Smart Home werden Gebäude bis ins kleinste Detail vernetzt. Internetfähige Kühlschränke, Jalousien und Fernseher gehören längst zum Alltag von Privatpersonen, und auch in Büro- und Gewerbeimmobilien hält das Thema Smart Home Einzug.

Glasfaser ist Voraussetzung für das Smart Home

So können zum Beispiel Heizungsanlagen erkennen, wie viele Menschen sich zu welcher Zeit in welchen Bereichen des Gebäudes aufhalten. Die notwendigen Daten stammen von der sensorgesteuerten Lichtanlage. Auf Basis der dadurch gesammelten Informationen werden anonymisierte Bewegungsprofile ermittelt: In welchen Bereichen des Büros halten sich zu welcher Tageszeit Mitarbeiter auf? Die Heizung kann gezielt darauf angepasst werden – das sorgt für Zufriedenheit bei den Mitarbeitern und reduziert die Betriebskosten. Auch mit Sensoren ausgestattete Aufzüge können dank Big Data erkennen, wann sie gewartet werden müssen.

Dies sind nur zwei Beispiele für die vielfältigen Anwendungsszenarien im Zuge des Smart Home. Doch so unterschiedlich die Einsatzmöglichkeiten sind, sie alle haben eines gemeinsam: Sie benötigen eine schnelle, stabile und sichere Internetverbindung. Und der Bedarf dafür wächst rasant: Allein im vergangenen Jahr haben die Forscher des ThreatLabZ-Teams pro Monat mehr als eine Milliarde Transaktionen von IoT-Geräten registriert. Das ist ein Anstieg von 1.500 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Bandbreite verdoppelt sich alle zwei Jahre

Das Beispiel IoT zeigt, wie wichtig eine flächendeckende Breitbandversorgung für die Zukunftsfähigkeit der deutschen Wirtschaft ist. Diese Erkenntnis ist nicht neu: Schon Anfang der 1980er-Jahre stellte der dänische Schriftsteller und IT-Experte Jakob Nielsen die Theorie auf, dass sich der Bedarf an Internet-Bandbreite alle zwei Jahre verdoppelt. Die nachfolgende Grafik zeigt, wie erstaunlich nah die tatsächlich gemessenen Bandbreiten (blaue Punkte) an der vor fast 40 Jahren prognostizierten Entwicklungslinie (in Rot) liegen.

Trotzdem ist Deutschland in Sachen Breitbandversorgung international nur Mittelmaß. Ein Grund dafür ist, dass hierzulande viel zu lange an dem bestehenden Kupfernetz festgehalten wurde. Der dadurch verpasste Ausbau einer flächendeckenden Glasfaserinfrastruktur entwickelt sich immer mehr zu einem Standortnachteil. Denn Kupferkabel stoßen mit ihren maximalen Übertragungsraten von etwa 250 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) schon heute an ihre technologischen Grenzen. Hinzu kommt, dass sich alle an einem Konzentrator angeschlossenen Nutzer dessen Bandbreite teilen müssen. In Hochzeiten wird die Übertragungsgeschwindigkeit dadurch deutlich reduziert. Außerdem können Kupferkabel in Sende- und Empfangsrichtung nicht die gleiche Geschwindigkeit bereitstellen, was den zunehmenden Austausch von Daten mit der Cloud in Echtzeit schwierig macht. Selbst Koaxialkabel, die zum Beispiel für den TV-Anschluss verwendet werden, ermöglichen in der Praxis lediglich Bandbreiten von 1.000 Mbit/s, die darüber hinaus nicht für alle Nutzer zur selben Zeit zur Verfügung steht. Schon in absehbarer Zeit werden auch sie den Bedarf nicht mehr decken können.

Gerade Immobilienunternehmen sind daher gut beraten, rechtzeitig auf Glasfaser zu setzen. Denn zum einen sind sie energieeffizienter und benötigen 85 Prozent weniger Energie als Kupferkabel. Viel wichtiger ist jedoch, dass sie mit derzeitigen Übertragungsraten von bis zu 100.000 Mbit/s (= 100 Gigabit/s) und mehr Voraussetzung für eine zukunftsfähige IT-Infrastruktur sind. In Laboren wie dem Nokia Bell Labs konnten bereits im Jahr 2009 100 Petabit/s (100 Pbit/s = 100.000 Terabit/s = 100.000.000 Gigabit/s) übertragen werden. Daher ist die Glasfaser für die kommenden Jahrzehnte zukunftssicher. Das hat im Übrigen auch die Bundesregierung erkannt. Ende März hat sie einen Gesetzesentwurf verabschiedet, wonach jeder Wohnungseigentümer in einem Mehrfamilienhaus ein Recht auf einen Glasfaseranschluss hat. "Nachrichtenübertragung mittels Glasfasern" ist auch die Betitelung eines Abschnitts des Kapitels "Halbleiter" im Springer-Fachbuch "Materialien der Elektronik und Energietechnik" (Seite 88).  

5G-Empfang in Gebäuden benötigt Glasfaser

Was für Privatpersonen gilt, gilt erst recht für Unternehmen: Egal ob im Dienstleistungssektor oder im verarbeitenden Gewerbe – Unternehmen stellen schon heute hohe Anforderungen an einen leistungsfähigen und zuverlässigen Internetanschluss. Neben dem Austausch von Daten zum Beispiel über Cloud-Server spielt auch das Thema Sicherheit eine wichtige Rolle: Denn gerade das eingangs beschriebene Internet der Dinge wird immer häufiger Zielscheibe von Cyber-Kriminellen. Mit sogenannten DDoS-Attacken (DDoS = Distributed Denial of Services) nutzen sie die Rechenleistung selbst kleinster IoT-Geräte aus, um über sie massenweise Anfragen an das Firmennetzwerk zu starten. Eine IT-Infrastruktur, die ohnehin an den Kapazitätsgrenzen arbeitet, ist kaum in der Lage, diesen Angriffen standzuhalten.

An Glasfaser führt daher kein Weg vorbei. Daran ändert auch der viel diskutierte 5G-Ausbau nichts, im Gegenteil. Denn moderne Immobilien verfügen über Fenster und Türen mit einer Glasfüllung, die zugunsten der Energieeinsparverordnung die Wärmestrahlung (Infrarot) reflektiert. Die Folge: Mehr als 99 Prozent der auftreffenden elektromagnetischen Wellen des 5G-Signals werden reflektiert. Dies verhindert einen einwandfreien 5G-Empfang innerhalb moderner Gebäude. Deshalb werden schon bald Indoor-Antennen notwendig sein, die die 5G-Signale über Glasfaserleitungen zu den Mobilfunkunternehmen übertragen und so den Mobilfunkempfang innerhalb moderner Gebäude sicherstellen.

Investitionen in diesen Bereich zahlen sich daher in mehrfacher Hinsicht aus. Das gilt in besonderem Maße für Anbieter von Büro- und Gewerbeimmobilien. Denn ein modernes Glasfasernetz ist ein echter Wettbewerbsvorteil bei der Suche nach potenziellen Mietern. Darüber hinaus erfüllen Glasfaserleitungen die Anforderungen der Zukunft an Schnelligkeit, Sicherheit und Zuverlässigkeit. Für den Miet- und den Zeitwert von Immobilien sind sie damit von elementarer Bedeutung.

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