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14.09.2020 | Immobilienwirtschaft | Nachricht | Onlineartikel

Corona bremst Anstieg der Immobilienpreise nicht

Autor:
Angelika Breinich-Schilly
2:30 Min. Lesedauer

Die Pandemie und ihre Folgen haben in der Wirtschaft gewütet und Unternehmen an den Rand der Existenz getrieben. Fast unbeeindruckt zeigt sich dagegen der Immobilienmarkt. Von einer Preisblase will das DIW Berlin aber nicht sprechen.

Der Preisanstieg für Eigentumswohnungen ist laut dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin im zweiten Quartal mit einem Plus von 3,3 Prozent gegenüber dem Jahresbeginn (3,2 Prozent) stabil. "Insgesamt geht der Preisaufschwung auf dem Immobilienmarkt damit in sein zehntes Jahr und hat mittlerweile so gut wie alle Regionen in Deutschland erfasst. Die Corona-Krise spiegelt sich somit nicht in einer Beruhigung des Immobilienmarktgeschehens wider", heißt es im Wochenbericht des Instituts.

"Zumindest für die Banken- und Finanzmarktstabilität ist es eine gute Nachricht, dass die Corona-Krise und die mit ihr verbundenen realwirtschaftlichen Verwerfungen bisher nicht für Turbulenzen auf den Immobilien- und Wohnungsmärkten in Deutschland gesorgt haben", sagt DIW-Konjunkturchef Claus Michelsen.

Steigende Mietpreise mindern den Konsum

Sorgen bereite aktuell mehr die weiterhin steigenden Mietpreise, die auch geringverdienende Haushalte trotz möglicher Kurzarbeit oder wegfallender Einkommen bezahlen müssen. "Damit dürfte die Mietbelastungsquote, also der Anteil der Miete am verfügbaren Einkommen, steigen und die Konsummöglichkeiten einschränken. Die ohnehin schon angespannte Wohnungsmarktsituation wird so zumindest für Teile der Bevölkerung noch einmal problematischer", so Michelsen.

Dass der Immobilienmarkt bislang noch fast ungeschoren aus der Krise gekommen ist, führt das DIW auch auf auf staatliche Transferzahlungen wie Kurzarbeitergeld oder einen erleichterten Zugang zu Wohngeld zurück. Zum anderen beruhten die steigenden Immobilienpreise nicht "flächendeckend auf Wertphantasien und Spekulation". Gleichwohl verdichteten sich die Zeichen, dass die Wohnungspreise in einigen Städten und Marktsegmenten nicht mehr allein durch die Mietentwicklung und niedrige Zinsen zu erklären sind. Die Wirtschaftskrise könne vor allem dort die Preise "ins Wanken bringen", obwohl das Vertrauen der Investoren "bislang offenbar aber noch nicht nachhaltig durch die Corona-Pandemie erschüttert" worden sei, heißt es.

Keine exzessiven Spekulationen auf breiter Front

Michelsen und sein DIW-Kollege Konstantin Kholodilin haben mit einem statistischen Verfahren auf regionaler Ebene und für zahlreiche Marktsegmente analysiert, ob Immobilienpreise exponentiell steigen und damit eine spekulative Überbewertung andeuten. Mit ihren Berechnungen auf Basis von Daten des Immobilienverbandes Deutschland lässt sich nachweisen, dass es in besonders wachstumstarken Regionen und Metropolen für Häuser und Wohnungen sowie für Baugrund explosive Preismuster gibt. 

Das gelte aber meist nicht für das Verhältnis von Kaufpreisen und Mieten. Die Forscher ermittelten, dass auch Indikatoren wie die Entwicklung der Kreditvergabe eher gegen eine spekulativ getriebene Preisblase sprechen. "Exzessive spekulative Prozesse auf breiter Front sind also nicht erkennbar, auch wenn die Entwicklung in Teilmärkten Sorge bereitet", so Kholodilin.

Zweite Infektionswelle birgt große Gefahren für den Immobilienmarkt

Die Lage könnte sich allerdings mit einer erneuten Infektionswelle und einem weiteren Rückgang der Wirtschaftsleistung ändern: "Auch ohne eine große Immobilienpreisblase könnte es dann zu deutlichen Wertkorrekturen und Kreditausfällen kommen", warnt Michelsen. Deshalb plädiert der Ökonom dafür, den eingeschlagenen Weg der Hilfspakete und Einkommensstabilisierung nicht zu verlassen.

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