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Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

1. Einleitung

Das Internet hat in den letzten Jahren gesellschaftliche Veränderungsprozesse ausgelöst, die in ihrer Dramatik nur vergleichbar mit Epochenwechseln wie etwa der Industrialisierung zu sein scheinen. Die sozialwissenschaftliche Forschung reagiert darauf auf zweierlei Weise. Das Internet wird als Instrument zur Datengewinnung gebraucht und weitreichend kommerziell genutzt, z. B. in der Markt- und Meinungsforschung; diverse Monografien, Artikel und Konferenzen beschäftigen sich mit den methodologischen Implikationen der Neuen Medien und untersuchen beispielsweise, inwieweit das Antwortverhalten der Nutzer on- wie offline Unterschiede aufweist. Dagegen steht eine andere Linie der Sozialwissenschaften, die das Internet und die sich daraus reproduzierenden Kommunikationszusammenhänge als genuin soziologische Phänomene betrachtet und damit die Neuen Medien als Gegenstand und nicht als Instrument sozialwissenschaftlicher Forschung begreift. In diesem Fall wird dann die ganze Vielfalt internetbasierter Sozialräume erschlossen, seien es persönliche Webseiten, Chaträume, Multi User Dungeons (MUDs) oder Mailinglisten.
Maren Lübcke

2. Kommunikation als dauernder Reproduktionsprozess

Die Kommunikationstheorie von Niklas Luhmann ist zwar nur eine Komponente seiner komplexen, stark vernetzten Systemtheorie, sie hat aber im Gegensatz zu vielen anderen Theorien aus diesem Bereich einen universellen Charakter, da sie nicht für spezielle Kommunikationsformen konstruiert ist – sich also nicht nur beispielsweise auf massenmediale Kommunikation oder Interaktion bezieht –, sondern alle Arten von Kommunikationen mit ihr beschrieben werden können. Mit dieser Theorie vollzieht sich der linguistic turn der Geistes- und Kulturwissenschaften in den Sozialwissenschaften (vgl. Krämer 2001). Die Kommunikationstheorie Luhmanns dient der Fundierung von Interaktionen, von organisationalen Entscheidungen bis hin zum Umgang mit generalisierten Medien wie Macht oder Geld. Der seltsame Hybrid aus mündlicher und schriftlicher Kommunikation, dem wir in internetbasierten Foren begegnen, sollte also mit dem Theorieangebot der Systemtheorie beschreibbar sein.
Maren Lübcke

3. Kommunikation als interaktiver Prozess

Der Begriff der Interaktivität wird – in Abgrenzung zum allgemeinen Konzept Interaktion – im Kontext medial vermittelter Kommunikation angewandt und wurde dort insbesondere seit den 80er Jahren mit dem Aufkommen neuer „interaktiver“ Dienste, Medien oder Technologien eingeführt. Interaktivität dient in der Regel dazu, wahlweise die Besonderheit dieser Entwicklungen in Abgrenzung zu den klassischen Massenmedien herauszustellen oder einen Vergleich zwischen Interaktivität und Interaktion (computervermittelte vs. Face-to-Face-Kommunikation) anzustellen. Je nachdem, welche dieser beiden Perspektiven gewählt wird, fällt auch die Beurteilung anders aus. Im Vergleich zu Rundfunk, Fernsehen und den Printmedien wird die hohe Interaktivität beispielsweise von Webseiten geradezu angepriesen; außerhalb der Publizistik jedoch neigen Kommunikationsforscher dazu, die Situation der Interaktion als Benchmark zu nehmen. Dort fallen dann in den Schlussfolgerungen E-Mail oder Chatkonversationen, Online-Diskurse und Ähnliches weit hinter die Möglichkeiten der Face-to-Face-Kommunikation zurück, was den Grad an Interaktivität, Flexibilität, Spontaneität und Verständigungsmöglichkeiten betrifft.
Maren Lübcke

4. Kommunikation als relationaler Prozess

Thomas Malsch versucht, mit seiner Kommunikationstheorie ein Begriffsvokabular anzubieten, mit dem es möglich ist, sowohl kleinste Interaktionszusammenhänge zu beschreiben als auch Massenkommunikation zu erfassen, mit dem Ziel, „gesellschaftliche Verhältnisse als Kommunikationsverhältnisse zu dechiffrieren“ (Malsch 2005, 8). Ausgangspunkt seiner Theoriearbeit war die sozionische Forschung (vgl. Malsch 1998), bei der Soziologen mit Informatikern – insbesondere aus dem Gebiet der verteilten künstlichen Intelligenzforschung (VKI) – zusammenarbeiteten, um beide Disziplinen durch die Konzepte und Ideen der jeweils anderen zu erweitern. Dies bedeutet vor allem für die Informatiker, soziologische Konzepte und Theorien zum Bau robusterer und höher skalierbarer Agentensysteme zu nutzen (vgl. den Sammelband von Fischer et al. 2005), und für die Soziologen, Simulationswerkzeuge an die Hand zu bekommen, um soziologische Theorien testen zu können (vgl. Malsch/Schulz-Schaeffer 2007). Mit der Idee des Communication-Oriented Modeling (COM) von Thomas Malsch und Christoph Schlieder (Malsch/Schlieder 2004) wurde der VKI ein neues Paradigma als Alternative zu dem vorherrschenden Agent-Oriented Modeling (AOM) angeboten.
Maren Lübcke

5. Zur Systematischen Analyse von Kommunikationsprozessen: Eine Modellentwicklung

Die theoretische Frage, wie Kommunikationsprozesse sich erfolgreich reproduzieren, wie diese Prozesse also zur Stabilität gelangen, führt zu der Frage, wie sich kommunikativer Anschluss vollzieht. Zur Beantwortung wurde zunächst das Anschlussproblem bei Niklas Luhmann herausgearbeitet und gezeigt, dass sich die Begriffe der Theorie sozialer Systeme auf internetbasierte kommunikationszusammenhänge anwenden lassen.
Maren Lübcke

6. Literaturstudie der Matrix

Die folgende Literaturstudie dient dazu, Hypothesen zum kommunikativen Anschluss in Online-Foren aus der existierenden Literatur zu gewinnen und nachzuweisen, dass die im vorherigen Kapitel entwickelte Matrix dazu es ermöglicht, einen Überblick über die bestehende Forschung zu geben und vorliegende Arbeiten in einen systematischen Zusammenhang zu stellen. Dies ist notwendig, da die gegenwärtige Forschungslage eher durch Unübersichtlichkeit gekennzeichnet ist. Es wird empirisch und auch theoretisch viel über Online-Foren gearbeitet, die meisten Artikel fokussieren aber auf ein oder zwei Aspekte. So wird von den Nutzer-Drop-out-Raten gesprochen, ohne diese jedoch in einem Zusammenhang z. B. zu Themen- oder Beitragsentwicklung zu stellen. Auch werden häufig Umfragen unter den Forennutzern durchgeführt und damit mehr die Wahrnehmung der Teilnehmer erhoben, als die Strukturen in den Foren selbst zu erfassen.
Maren Lübcke

7. Empirische Umsetzung

Im Folgenden wird die zuvor entwickelte Matrix auf ein Fallbeispiel angewandt. Damit sollen zum einen die aus der Literatur entwickelten Annahmen zum Anschluss überprüft werden. Dies ist notwendig, da diesen Annahmen die unterschiedlichsten Online-Diskussionen zugrunde liegen; eine Adaption für einen einzigen Fall soll zeigen, ob die in den verschiedenen Rekonstruktionsebenen gewonnen Zusammenhänge auch gemeinsam vorkommen. Zum anderen soll einmal ein Diskurs in Gänze durch dieses Verfahren beschrieben werden, um noch einmal die Komplexität solcher Prozesse darzustellen. Für die über die Literaturanalyse festgestellten Lücken werden vor allem ergänzende Analysen im Bereich der Rekonstruktionsebene Thread vorgenommen. Die praktische Anwendung der Matrix soll methodische Besonderheiten zum Vorschein bringen, die es bei der Untersuchung von Online-Diskursen zu beachten gilt. Dazu wird das ausgewählte Beispiel entlang der Rekonstruktionsebenen der Matrix beschrieben, wobei auf jede Analyseebene Bezug genommen wird.
Maren Lübcke

8. Schlussbetrachtung

In den letzten Jahren konnte ein gestiegenes Interesse an Online-Foren in allen gesellschaftlichen Funktionsbereichen festgestellt werden. Sie werden beispielsweise in der Wirtschaft als neues Instrumentarium sowohl des Kundenbeziehungsmanagements als auch der Organisation und der Vernetzung des Supplychainmanagement eingesetzt. Darüber hinaus verspricht sich die Politik eine neue Form der politischen Partizipation und Bürgerbeteiligung. Doch die Erfolge sind gemischt. Lebendige, dynamische Kommunikationsprozesse, die sich durch eine bemerkenswerte Stabilität auszeichnen, sind ebenso beobachtbar wie Flamewars und Schließungen solcher Kommunikationsräume. Die vorliegende Arbeit ist der Frage nachgegangen, wie sich die Kommunikation in solchen Foren reproduziert, um durch die Beantwortung dieser Frage Indikatoren für eine Steuerung dieser Prozesse zu gewinnen. Zu diesem Zweck wurde aus den theoretischen Überlegungen ein Beobachtungsinstrument entwickelt, das eine systematische Untersuchung von Online-Diskussionen erlaubt.
Maren Lübcke

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