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17.11.2016 | Industrie 4.0 | Im Fokus | Onlineartikel

Kompetenzentwicklung für die Industrie 4.0

Autor:
Dieter Beste

Wie kann Weiterbildung für die Industrie 4.0 effektiv organisiert werden? Die Deutsche Akademie der Technikwissenschaften (acatech) fordert jetzt hierzu in einem Positionspapier eine nationale Bildungsoffensive Industrie 4.0.

Am 16. und 17. November fand in Saarbrücken der diesjährige Nationale IT-Gipfel unter dem Motto "Lernen und Handeln in der digitalen Welt" statt. Aus diesem Anlass hat die Deutsche Akademie der Technikwissenschaften (acatech) ein Positionspapier vorgestellt. Die Akademie warnt vor einer doppelten digitalen Kluft: Diese öffne sich einerseits zwischen hoch- und niedrigqualifizierten Beschäftigten und andererseits zwischen großen und kleineren Unternehmen. Deutschland brauche deshalb eine "nationale Bildungsoffensive Industrie 4.0". 

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Während hoch qualifizierte Arbeitskräfte begehrt sind, sind ungelernte und niedrig qualifizierte Tätigkeiten gefährdet. Zugleich bleiben viele kleinere und mittlere Unternehmen hinter den großen zurück. Zu diesem Ergebnis kommen Umfragen, auf deren Basis acatech nun Handlungsempfehlungen zur Weiterbildung in der Industrie 4.0 für Unternehmen, Politik und Bildungsanbieter formuliert hat. Derzeit, so die Autoren des Positionspapiers, bieten lediglich 23,1 Prozent der befragten Unternehmen spezifische Aus- und Weiterbildungsprogramme für Industrie 4.0 an. Dabei seien große Unternehmen mit 30,6 Prozent wesentlich besser aufgestellt als kleine und mittlere, von denen nur 17,8 Prozent solche Programme anbieten. acatech-Präsident Henning Kagermann: "Die Weiterbildung für die Industrie 4.0 ist eine vordringliche Führungsaufgabe – und sie erfordert vorwettbewerbliche Kooperation. Nur gemeinsam etablieren große und kleinere Unternehmen innovative Ökosysteme." 

Mitarbeiter müssen neue Qualifikationen erwerben

Anlässlich der Übergabe des acatech-Positionspapiers sagte Bundesbildungsministerin Johanna Wanka in Saarbrücken: "Die Digitalisierung verändert die Arbeitswelt: Es entstehen neue, flexible Produktionsabläufe. Das Management muss Abschied nehmen von der Feinsteuerung von Organisationsabläufen, die Mitarbeiter müssen neue Qualifikationen erwerben." Mit der Programmlinie "Zukunft der Arbeit" will das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) technologische und soziale Innovation gleichermaßen voranbringen. Hier werden Pilotanwendungen in Unternehmen gefördert, um neue und praxisgerechte Modelle der Qualifizierung, Gesundheitsprävention, Arbeitsgestaltung und -organisation zu finden. Zugleich, so Wanka, beschreite das BMBF mit der "Initiative Berufsbildung 4.0" neue Wege in der Modernisierung der Ausbildungsberufe.

Weiterbildung on the job

Die Deutsche Akademie für Technikwissenschaften empfiehlt nun den Aufbau einer neutralen Bildungsplattform, die Qualifizierungsangebote unternehmensübergreifend bündelt. Generell sollten Träger und Anbieter der beruflichen Bildung ihre Aus- und Weiterbildungsangebote aufeinander abstimmen und inhaltlich in Richtung Industrie 4.0 modernisieren, heißt es in dem acatech-Positionspapier. Zugleich sollten Unternehmen die Kompetenzentwicklung im Arbeitsalltag ermöglichen. Digital gestützt könnten Inhalte passgenau zugeschnitten und individuell vermittelt werden. Und digitale Assistenten könnten Belegschaften direkt on the job unterstützen. 

Neue, digitale Weiterbildungsformate gesucht

Der digitale Wandel zur Industrie 4.0 erfordert also nicht nur Weiterbildung, er erleichtert sie auch. "Eine erfolgreiche Qualifizierung lässt sich nicht allein über traditionelle Aus- und Weiterbildungsformate wie beispielsweise Präsenzveranstaltungen erreichen, sondern sollte durch neue, digitale Formate ergänzt werden", kommentierte in Saarbrücken Reiner Anderl, TU Darmstadt und Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats der "Plattform Industrie 4.0". Deren Entstehungsgeschichte zeichnet übrigens Springer-Autor Ulrich Sendler in "Industrie 4.0 grenzenlos" ab Seite 53 nach. 

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