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07.03.2019 | Industrie 4.0 | Im Fokus | Onlineartikel

Automatisierung wird zu kompliziert gedacht

Autor:
Michaela Paefgen-Laß

Wenige Unternehmen verstehen es, mit intelligenter Prozessautomation Kosten zu senken. Operative Verbesserungen sind die Automatisierungsschwerpunkte. Das Potenzial einfacher Anwendungen wird verschenkt.
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Artificial intelligence (AI) kombiniert mit Robotic process automation (RPA) ist nach Ansicht der Springer-Autoren Manfred Schmitz, Christoph Stummer und Michael Gerke in den kommenden Jahren der Türöffner zu einem milliardenschweren Markt. Technology is becoming increasingly sophisticated and offers enterprises a way to integrate systems, rapidly scale and deliver complex services securely, and adapt business processes with greater control, schreiben die Autoren in "Smart Automation as Enabler of Digitalization?" (Seite 351). 

Smarte Automation ermögliche den Unternehmen unbegrenzte Möglichkeiten, um Produktivität zu erhöhen und Wachstum zu steigern, sind sich die Autoren sicher. Der Management- und IT-Berater Capgemini hat untersucht, wie gereift Unternehmen weltweit mit der Automatisierung umgehen. Wie geschickt sie ihre Chancen ergreifen. Das Fazit: Es wird noch zu viel an der Oberfläche gewerkelt.

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Hinter dem Pilotprojekt ist Schluss

Weltweit gaben für die Studie "Reshaping the Future - Unlocking automation's untapped value" 705 Führungskräfte aus Unternehmen mit mehr als 500 US-Dollar Umsatz Auskunft über Automatisierungsgrad und Anwendungen ihrer Organisation - über Geschäftsbereiche, Funktionsebenen und Ländergrenzen hinweg, darunter 101 Interviewpartner aus Deutschland. Von den Unternehmen, die sich mit der Automatisierung beschäftigen, wagt sich demnach nur knapp ein Fünftel (16 Prozent) über einzelne Pilotanwendungen hinaus. In Deutschland wird der Schnitt um ein Prozent getoppt (17 Prozent). Im Spitzenland USA beschäftigen sich 26 Prozent in erweiterterer Form mit der Automatisierung, in Frankreich 21 Prozent. 

Erstaunlich konservativ sind die "Begehrlichkeiten", die mit den neuen technischen Möglichkeiten gestillt werden sollen. Bei 43 Prozent der Befragten wird die Automatisierung zur Qualitätssteigerung eingesetzt, 23 Prozent zielen auf zusätzliche Umsätze. Unter den Technologien, mit denen sich die Unternehmen beschäftigen oder die sie bereits einsetzen, hat die regelbasierte Automation (ITPA/RPA) mit 71 Prozent die Nase vorn. Es folgen die AI-Technologien Natural Language Processing (NLP) mit 47 Prozent, Computer Vision (CV) mit 30 Prozent und Machine Learning (ML) mit 18 Prozent. Vor allem der Einzelhandel (54 Prozent) profitiert von der AI-Technologie NLP wie sie in Amazons Alexa verwirklicht ist. In der industriellen Fertigung spielen ITPA und RPA die größte Rolle (84 Prozent). 

Schnelle Projekterfolge sind weniger begehrt

Die Umfrage überrascht mit der Erkenntnis, dass nur 32 Prozent der befragten Unternehmen auf vergleichsweise einfache Automatisierungsvorhaben mit Quick Wins setzen. Darunter fallen etwa HR Compliance und Reporting, der Abgleich von Buchhaltungsdaten, Anti-Betrugschecks oder die vorausschauende Wartung. Dagegen konzentrieren sich 36 Prozent auf individuelle und hoch komplexe Implementierungen in den Bereichen Dateneigabe und Datenspeicherung. Diese weisen erstens kaum Einsparpotenzial auf. Und zweitens kollidieren sie mit dem Mangel an qualifizierten Mitarbeitern, über den mehr als die Hälfte aller Unternehmen (57 Prozent) klagt. 

Follow the quick win delivery methodology, lautet einer von 15 Schlüsselfaktoren, die die Springer-Autoren Soumendra Mohanty und Sachin Vyas den Unternehmen, die sich auf den Weg zur Intelligenten Prozessautomation befinden, mitgeben (Seite 139). Erfolge, sind sich die Autoren sicher, werden sich mit kleinen Projekten, die verfeinert werden können, schneller einstellen als mit komplexen und schwer zu stemmenden Vorhaben. Follow an iterative process of fine-tuning the solution through build-test-deploy procedure. Außerdem, so ihr Rat, muss das Unternehmen von der Spitze zur Basis auf allen Ebenen für einen Kulturwandel vorbereitet werden. 

Wie der Kulturwandel in Unternehmen gelingt (Seite 137)
Managers need to be trained to oversee processes in which robots and human work together.
Employees need to be trained to adopt Agile methods, especially when they have to match the speed of machines.
Executives need to be trained to establish clear guidelines around segregation of responsibility between human and machines.
The company at an overall level needs to establish new communication channels to manage the employees’ concerns around job loss and launch new programs to introduce new jobs (EQ skills, new technology skills).

Unternehmen, die automatisieren, lassen erhebliches Potenzial ungenutzt, so kommentiert Volker Darius von Capgemini die Ergebnisse der Studie. Es brauche eine Führung, die mit der Technik und den zuständigen Fachbereichen von Tag eins an gemeinsam gestalte und die Ideen der Mitarbeiter berücksichtige. "Es geht weniger um eine Technologie, als um eine grundlegende Transformation des Geschäfts und betrifft also in hohem Maße den Menschen."

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