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15.06.2016 | Industrie 4.0 | Im Fokus | Onlineartikel

Digitalisierung wird den Maschinenbau verwandeln

Autor:
Dieter Beste

Noch steht der Maschinenbau in Europa gut da: Die Unternehmen erwirtschafteten zwischen 2010 und 2014 durchschnittlich zehn Prozent Bruttoumsatzrendite (Ebit) und wuchsen jährlich um sieben Prozent. Absehbar werden jedoch drei Trends die Branche gewaltig herausfordern.

In den kommenden Jahren werden insbesondere drei Trends den Maschinenbau prägen, wie aus den Ergebnissen der Studie "How to succeed: Strategic options for European machinery" hervorgeht, die jetzt der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) und die Unternehmensberatung McKinsey & Company vorgelegt haben:

  • Die Wachstumschancen werden sich von den großen Schwellenmärkten wie China, Russland und Lateinamerika hin zu kleineren Märkten sowie von Hardware zu Software und Services verschieben.
  • Die Digitalisierung wird die Branche weiter verändern.
  • Maschinenbauer müssen flexibler werden, indem sie beispielsweise stärker mit Kunden und Wettbewerbern kooperieren und Digitalexperten an sich binden.

Der Weg ist noch weit

Neue Geschäftsmodelle, die auf Daten basieren, werden 2020 mehr als zehn Prozent zum Umsatz beitragen, so die Erwartung der befragten Maschinenbauer. Bisher sind es nur drei Prozent. Unternehmen erwarten durch die Digitalisierung im ersten Schritt eine Verbesserung ihrer Kostenposition um fünf bis zehn Prozentpunkte. Allerdings ist der Weg dahin noch weit: Erst ein Fünftel der befragen europäischen Unternehmen hat bereits neue Geschäftsmodelle aufgebaut, ein Drittel hat das Thema aktuell noch nicht im Fokus

Die Digitale Produktion ist eine Vorstufe zu einer langfristigen Wissensverarbeitung in allen Prozessen der Organisation und Technik. Die dafür notwendigen Konzepte folgen kognitiven Lerntheorien und bieten große Effizienzvorteile in allen Bereichen. Lernfähige Produktionen nutzen die Methoden der Lernfähigkeit zur Optimierung und zur Integration von Wissen und Erfahrung in das erweiterte System Produktion", schreiben Engelbert Westkämper und Carina Löffler im Kapitel "Zusammenfassung und Ausblick" ihres Buches "Strategien der Produktion - Technologien, Konzepte und Wege in die Praxis".

Jedes zweite Unternehmen geht davon aus, dass Expertise in der Softwareentwicklung in den kommenden fünf Jahren zu den wichtigsten Einstellungskriterien gehören wird. "Der Maschinenbau ist gut vorbereitet und stellt sich der Herausforderung Industrie 4.0. Entscheidend für den Erfolg sind aber auch gute politische Rahmenbedingungen wie eine lückenlose Breitbandinfrastruktur, Rechtssicherheit in Bezug auf Big Data und der Schutz geistigen Eigentums", sagt Thilo Brodtmann, VDMA-Hauptgeschäftsführer und Co-Autor der Studie.

Die Maschinenbauer rechnen damit, dass neue Werkstoffe und Verfahren (von 44 Prozent der Befragten genannt), die Digitalisierung (39 Prozent) und die flexible Anpassung an neue Marktbedingungen (45 Prozent) den größten Einfluss auf die Organisationsstruktur der Unternehmen haben werden. "Agilität – also die Fähigkeit, schnell auf Veränderungen zu reagieren – wird in Zukunft zu einem entscheidenden Wettbewerbsfaktor", resümiert McKinsey-Partnerin Herring.

Europa gut aufgestellt – Wettbewerber greifen an

Europa steht mit 26 Prozent der weltweiten Maschinenproduktion hinter China (38 Prozent) und vor den USA (14 Prozent). "Europas Stärken liegen in den hervorragend ausgebildeten Mitarbeitern und der daraus folgenden Produkt- und Servicequalität", erläutert Wolff van Sintern, Seniorpartner bei McKinsey und Co-Autor der Studie. Im Vergleich dazu punkten amerikanische Anbieter eher durch kreative Geschäftsmodelle und ständige Erneuerung. Chinesische Wettbewerber wiederum haben einen Kostenvorteil und führen neue Produkte schnell in den Markt ein.

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Der Export bleibt wichtiges Standbein der Branche: Europäische Unternehmen erzielen im Schnitt zwei Drittel ihres Umsatzes außerhalb des jeweiligen Heimatlandes. Größter Markt ist Europa, das für rund 60 Prozent der Umsätze steht. Gleichzeitig beschäftigen die Maschinenbauer immer noch drei Viertel ihrer Mitarbeiter in ihrem Heimatland. Aber: "Die Zeiten für Maschinenbauer werden anspruchsvoller", sagt Dorothee Herring, Partnerin bei McKinsey und Co-Autorin. "Durch die schwächeren Wachstumsaussichten insbesondere in China, Russland und Lateinamerika reicht es in Zukunft nicht mehr, mit dem Markt zu wachsen. Unternehmen müssen ihren Konkurrenten entweder Marktanteile abnehmen, neue Märkte wie beispielsweise die ASEAN-Staaten erobern oder ihre Angebote durch Services verbreitern." 

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