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11.04.2019 | Industrie 4.0 | Kolumne | Onlineartikel

Neuausrichtung der Supply-Chain in der Industrie 4.0

Autor:
Rainer Bröcher

Der Stahlverarbeiter Schäfer Werke und die Online-Fertigungsplattform fabrikado.com gehen eine strategische Kooperation mit dem Ziel ein, im Sinne von Industrie 4.0 die Supply-Chain für Kunden und Lieferanten von Metall- und Kunststoffbauteilen zu automatisieren.


Klassische Geschäftsmodelle geraten in der Industrie 4.0 immer mehr unter Druck. "Nur" die Hardware zu liefern, hebt Unternehmen nicht mehr vom Mitbewerb ab. Durch die Digitalisierung verändern sich über alle Branchen hinweg alteingesessene Arbeitsweisen und -mechanismen. Kunden fordern heute zum Beispiel zunehmend Produkte in Losgröße 1 zu den Kosten einer Serienfertigung. Unternehmen sehen sich hier vor großen Herausforderungen, es bieten sich aber immense Potenziale, die es zu nutzen gilt. Zu den Vorteilen kleiner Losgrößen zählen auf Kundenseite beispielsweise eine große Flexibilität in der Supply-Chain sowie verkürzte Auftragsdurchlaufzeiten. Allerdings bedarf die steigende Komplexität auf Produzentenseite einer optimierten Koordination sowie eines automatisierten, intelligenten Prozessmanagements, extrem schnellen Reaktionszeiten und einer konsequenten Digitalisierungsstrategie.

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2019 | OriginalPaper | Buchkapitel

Supply Chain Evaluation in the Manufacturing Industry

This chapter explains the relationship between the supply chain and the export-oriented manufacturing industry. Similarly, we discuss how this relationship has an effect on the ability of companies to remain competitive domestically and …


Für eine gute Geschäftsentwicklung, Zukunftsfähigkeit und damit allgemein für das Fortbestehen des Unternehmens sind daher komplexe, vorausschauende Analysen mit besonderem Fokus auf sich abzeichnende Trends und Entwicklungen der weltweiten Märkte essenziell geworden. Auf der Suche nach nachhaltigen Ansätzen, wie das Unternehmen Schäfer Werke derzeitige Geschäftsmodelle erweitern, ergänzen oder neue Märkte erschließen kann, stellt sich zunächst die Frage: Wie und mit welchem Geschäftsmodell können wir die Prozesse unserer Kunden verschlanken?

Wohin geht der Markt

Es ist notwendig, Prozesse zu verstehen, um sie zu optimieren und es ist notwendig Bedürfnisse zu erkennen, um Möglichkeiten aufzudecken. Das geht nur, wenn man den Kunden ins Zentrum der Überlegungen stellt, Ideen entwickelt und diese mit dem Kunden validiert. Eine Herangehensweise, die in unserer Organisation neu gelernt werden musste. Nicht der primäre Blick auf die eigene Fertigung führt zum Erfolg, sondern das Verständnis für die Optimierung von Prozessen.

In unserem Fall zeigten Analysen ein für uns ideales Geschäftsmodell auf: die Prozessoptimierung beim Einkauf von industriellen Bauteilen. Dass gute Ideen aber nicht immer ganz neu sind, zeigte uns das noch junge Start-Up aus Balingen. Die Plattform fabrikado.com arbeitete bereits mit einem idealen technischen und strategischen Gerüst und war 2016 online gegangen. Daher stand für uns eine entscheidende Frage im Fokus: Selbst entwickeln, dabei aber wertvolle Zeit verlieren oder in die bereits vorhandene Lösung investieren.

Eines stand für uns schnell fest: Mit den strategischen aber teilweise sehr starren Arbeitsmodellen eines großen mittelständigen Industrieunternehmens ließe sich ein Erfolgskonzept wie dieses nur schwer umsetzen. Das wäre nur mit einem extrem agilen Projektmanagement zu bewältigen. Denn der Faktor Zeit wurde von uns als einer der Top "Fokus Points" bewertet. Das Start-Up war uns in Sachen Agilität und extrem kurzen Entscheidungszyklen alleine aufgrund seiner Größe um Einiges voraus. 

Mit strategischer Partnerschaft zur Lösung

Und so war die Antwort im Fall fabrikado.com eindeutig: Die vorhandene Lösung war bereits bis ins Detail ausgereift und entsprach exakt dem, was wir als best practice bezeichnen. Das Start-Up ist eine 2016 gegründete, Cloud-basierte Internetplattform mit Sofortkalkulation. Es optimiert Prozesse bei der Bestellung, Produktion und Lieferung von Industriebauteilen auf Kunden- und Lieferantenseite. Das Herz ist ein intelligenter Algorithmus, dessen Basis den gesamten Supply-Chain-Prozess auf ein Minimum reduziert und mittels der KI-Methode Machine Learning permanent die Logik der Plattform an die volatilen Anforderungen des Marktes anpasst. Die Beteiligung ist im Rahmen unserer Digitalisierungsstrategie eine wichtige Investition in die Zukunft. Wir glauben an das Geschäftsmodell des Start-Ups und können von unserer Seite Marktzugänge schaffen, die für junge Start-Ups oft schwer zu öffnen sind. Parallel profitieren und lernen wir von den agilen Prozessen und neuen Methoden von fabrikado.com.

Fazit

Gelernte Prozesse müssen permanent bewertet und teilweise neu gedacht werden. Hier spielt das Thema Digitalisierung sicherlich eine Rolle, der Prozess des Umdenkens, Querdenkens, Verwerfens und Neuentwickelns ist aber kein neuer. Erfolgreiche Unternehmen sollten sich im Zeitalter von Industrie 4.0 nie strickt dem Gedanken der Disruption unterwerfen. Disruption ist nicht immer die Voraussetzung für erfolgreiches Handeln, kann es aber sein. Das hängt stark vom Geschäftsmodell und den wirtschaftlichen wie kulturellen Voraussetzungen ab. Vielmehr ist es die Öffnung nach Außen und die geschickte Nutzung neuer technologischer Entwicklungen, das Streben nach differenziertem Expertenwissen und der berühmte Blick über den Tellerrand, den jedes Unternehmen für sich nutzen muss. Und ja, dies hat auch immer einen Einfluss auf die Kultur und Entwicklung eines Business. Nicht alle klassischen Prozesse müssen verworfen werden und nicht jeder vermeintlich analoge Arbeitsschritt hat nach der digitalen Transformation seine Daseinsberechtigung verloren. Allerdings können all jene etablierten Geschäftsmodelle erweitert werden. Erweitert um die Möglichkeiten, die Industrie 4.0 und Automatisierung bieten. In unserem Fall bedeutete das die strategische Partnerschaft mit Experten wie fabrikado.com. Das Rennen um die digitale Vorherrschaft im Zeitalter der vierten industriellen Revolution gewinnt, wer digitale Produktionsprozesse intelligent vernetzt.

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