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14.05.2020 | Industrie 4.0 | Im Fokus | Onlineartikel

Mensch-Maschine-Teams sind die Zukunft

Autor:
Dr. Sylvia Trage
4:30 Min. Lesedauer

Wie die Zusammenarbeit von Mensch und Maschine gestaltet wird, ist ein Führungsproblem, aber auch eine ethische und rechtliche Frage. Es gilt, Ängste abzubauen und Grauzonen bei Entscheidungsfindung sowie Datenschutz zu regeln, so Gastautorin Sylvia Trage.
 

Die Ansprüche an Innovationen von Unternehmen werden immer größer, Herausforderungen komplexer. Eine Vielzahl von Unternehmen hat bereits erkannt, dass es sich lohnt, die Kompetenzen, das Know-how und die verschiedenen Perspektiven der Mitarbeitenden konsequent zusammenzubringen, um ein bestmögliches Ergebnis zu erzielen. 

Die Mitarbeiter profitieren voneinander, wenn sie mit unterschiedlichen Kollegen und Teams arbeiten und so nicht nur ihre Skills, sondern auch ihre Erfahrungen ergänzen können. Das erfordert allerdings eine ständige Lernbereitschaft von allen Beteiligten, sich auf neue Situationen einzulassen. Trotzdem nehmen die Mitarbeiter diese spannende Aufgabe immer wieder an – auch in dem Wissen, dass zusammen mit den neuen Kollegen ein besseres Resultat erarbeitet werden kann.

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Zusammenarbeit zwischen Mensch und Maschine

Dieses Vorgehen ist in vielen Unternehmen bereits angekommen und akzeptiert. Anders sieht das allerdings aus, wenn es um die Zusammenarbeit zwischen Mensch und Maschine geht, die in Zukunft immer stärker eintreten wird. Ein Teil des Teams ist dann womöglich ein Roboter. Doch nach wie vor sind viele Menschen gegenüber Robotern und KI skeptisch oder stehen diesen sogar ängstlich gegenüber. 

Neben der Fremdartigkeit und der vermeintlichen Unberechenbarkeit autonom handelnder Maschinen, fürchten viele Arbeitnehmer, eines Tages von diesen Technologien ersetzt zu werden. Diese negative Einstellung gegenüber Maschinen gilt es zu überwinden. Psychologen und Forschungsinstitute beschäftigen sich bereits umfassend mit dieser Thematik und entwickeln derzeit einige Ansatzpunkte, um die genannten Berührungsängste zu mindern. Es wird beispielsweise erforscht, welche Signale und Verhaltensmuster dazu führen, dass ein Roboter vom Menschen besonders gut verstanden wird.

Daher gilt es, den steigenden Anforderungen der Digitalisierung nachhaltig, ethisch und erfolgreich gerecht zu werden. Denn eine konstruktive Verknüpfung von menschlicher und Künstlicher Intelligenz (KI) bestimmt die Zukunft. Die Menschen sind in diesem Team die letzte Instanz sowie rechtlicher und humaner Entscheidungsträger, denn wenn es um individuelle, schnelle und fachspezifische Entscheidungen geht, kann keine Maschine oder künstliche Intelligenz das erfahrene Fachpersonal ersetzen.

Rechtliche Grauzone bei Entscheidungsfindung und Datenschutz

Doch auch wenn den Mitarbeitern eine klare Rolle zukommt, die nicht vom Roboter abgelöst werden kann, sodass die Angst vor Jobverlust nicht notwendig ist, bleibt diese Konstellation immer noch herausfordernd. Obwohl Roboter bereits in vielen Bereichen des Arbeitslebens eingesetzt werden, existieren noch einige rechtliche Grauzonen. Diese bestehen vor allem im Bereich der Funktionsweise im Sinne der Entscheidungsfindung und der resultierenden Handlungen und des Datenschutzes.

KI kann den Menschen entlasten, doch wenn Entscheidungen auf Basis fehlerhafter Daten getroffen werden, zum Beispiel bei der Vorauswahl für einen Bewerberprozess, bei dem KI nur mit männlichen Bildern trainiert wird, oder künstliche Intelligenz zur vollständigen Überwachung eingesetzt wird, dann kann der Technologieeinsatz das Leben der Menschen massiv beeinträchtigen. Daher ist zu diskutieren, wie ein ethischer Umgang mit KI auszusehen hat. Es bedarf vertrauenswürdiger KI-Technologien, welche in ihrer Funktionsweise nicht gesetzeswidrig handeln, deren Entscheidungen mit ethischen Prinzipien vereinbar sind und deren Verwendung datenschutzkonform ist.

Mensch-Maschine-Interaktion in der Produktionsergonomie

Wie erfolgreiche Verknüpfung aussehen kann, zeigen Beispiele aus dem Bereich der Produktionsergonomie. Neue, ergonomische Konzepte unterstützen die Arbeitssicherheit und führen zu einer wesentlichen Verbesserung der Verfügbarkeit, Zuverlässigkeit und Produktivität, denn krankheitsbedingte Ausfälle können vermieden und berufstypische Krankheitsbilder reduziert werden. Beispielhaft hierfür sind Exoskelette, die wie eine Art Stützanzug angezogen werden und unter anderem beim Tragen von Lasten oder dem Verrichten von Arbeiten über Kopf eingesetzt werden. Zur aktiven Unterstützung des Mitarbeiters können sie sogar mit Antrieben ausgestattet sein.

Während deutsche Automobilhersteller erste Testphasen abgeschlossen haben und Exoskelette bereits in der Produktion einsetzen, entdecken immer mehr Unternehmen die Vorteile der maschinellen Unterstützung. So hat aktuell der Flughafen Stuttgart eine Testphase begonnen, die die Mitarbeiter beim Heben von Koffern unterstützen soll. 

Risikomanagement rund um Künstliche Intelligenz

Die Entwicklung von KI geht also rasant voran – der Mensch darf sich dieser Entwicklung nicht verschließen. Es gilt, einen gesellschaftlichen sowie technisch robusten Rahmen im Umgang mit KI zu schaffen, sodass das Risiko möglicher unbeabsichtigter Konsequenzen minimiert wird. Zum einen soll durch die Verwendung von KI-Wachstum in der Industrie ermöglicht werden, um weiterhin wettbewerbsfähig im internationalen Vergleich zu bleiben. Zum anderen muss sichergestellt sein, dass die Rechte und Interessen von Privatpersonen sowie die der Zivilgesellschaft gewahrt bleiben. Zur Vermeidung von Fehlern sollten KI-Systeme vor ihrem Einsatz getestet werden. Es gilt zu überprüfen, ob Personengruppen benachteiligt werden oder Datensätze fehlerbehaftet sind. Ebenfalls bedarf es eines fundierten gesellschaftlichen Dialogs im Umgang mit KI sowie einer Förderung zur Weiterbildung der Menschen auf diesem Gebiet. An dieser Stelle ist der Gesetzgeber gefragt zu handeln.

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