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11.07.2018 | Industrie 4.0 | Im Fokus | Onlineartikel

Scheuklappen beim Thema Automatisierung

Autor:
Gabi Böttcher

Marketing-Verantwortliche unterschätzen häufig den positiven Einfluss von Automatisierung auf ihre Effizienz. Dabei könnten Mitarbeiter mit einer besseren Arbeitsorganisation ihre Leistung erhöhen.

Obwohl ihre Arbeitsbelastung zunimmt, der Arbeitsalltag weiterhin von Routine-Aufgaben dominiert ist und sie die Probleme, die durch Automatisierung behoben werden könnten, durchaus wahrnehmen, stehen Marketing-Verantwortliche dem Thema Prozessautomatisierung zögerlich gegenüber. Das ergab der Digital Work Report 2018, der vom Arbeitsmanagement-Experten Wrike in Auftrag gegeben wurde.

Für die Studie wurden Marketing-Verantwortliche in Deutschland, Großbritannien und Frankreich zu ihrer persönlichen Arbeitsbelastung und Produktivität sowie zum Stand der Automatisierung in ihrem Unternehmen befragt. Die Ergebnisse zeigen, dass sich das Arbeitspensum für Mitarbeiter im Vergleich zum Vorjahr erhöht hat. Auch bei den typischen Auswirkungen dieser Belastung wie Stress, Wochenendarbeit oder Überstunden wurde ein Anstieg registriert.

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IT als Treiber der digitalen Transformation

Die Digitalisierung transformiert die Arbeitswelt in vieler Hinsicht: Arbeitsplätze werden zunehmend mobil und flexibel, Arbeitsprozesse durch Algorithmen gesteuert, Roboter sind die neuen „Kollegen“ in der Industrie und im Dienstleistungssektor.


Für Wilhelm Bauer und Josephine Hofmann geht es bei der Automatisierung von Prozessen letztlich immer um die Frage, "welche Arten menschlicher Arbeitstätigkeiten auf den Rechner bzw. den Roboter übertragen werden, in welcher Ausschließlichkeit bzw. Arbeitsteiligkeit dies erfolgt, ob sich dadurch Möglichkeiten der Entlastung oder eben auch der Substitution von Arbeit ergeben", wie die Springer-Autoren im Kapitel "Arbeit, IT und Digitalisierung" des Buchs "Arbeit 4.0 – Digitalisierung, IT und Arbeit" betonen (Seite 4). Dabei komme es unter anderem "auf die konkrete Ausgestaltung des Technologieeinsatzes an".

Im Gegensatz zu früher, wo es hieß, dass Jobs mit niedrigen Löhnen und vor allem für gering Qualifizierte wegfallen würden, da sie automatisiert oder in Niedriglohnländer verlagert werden, ist laut Bauer und Hofmann in der aktuellen Diskussion zur Digitalisierung die These präsent, "dass zunehmend Tätigkeiten im mittleren Qualifikationsbereich, vor allem solche mit hohem Routineanteil, automatisiert werden können" (Seite 8).

Hoher Anteil an Routinearbeit im Marketing

Im Marketing, das ergibt der aktuelle Digital Work Report, nimmt Routinearbeit viel Raum ein: 97 Prozent der Marketing-Verantwortlichen geben an, dass Teile ihres täglichen Arbeitspensums monoton oder Routine sind. Mehr als die Hälfte (56 Prozent) der Befragten geben an, zwischen 25 und 75 Prozent mehr Leistung erbringen zu können, wenn ihnen Routineaufgaben abgenommen werden würden. Allerdings erkennen sie offenbar die naheliegende Lösung nicht: Marketing-Fachkräfte setzen wenig Hoffnung in Prozessautomatisierung, wenn es um die Erleichterung ihres Arbeitsalltags geht. So sind nur 41 Prozent der Befragten der Meinung, dass Technologie zur Unterstützung bei Routineaufgaben ihrem Unternehmen einen Wettbewerbsvorteil bringen würde.

Eine Vergleichsstudie aus den USA zeigt, dass US-Bürger dem Thema Automatisierung deutlich positiver gegenüberstehen: Hier gaben bei der gleichen Frage 75 Prozent an, dass ihr Unternehmen durch Automatisierungstechnologien einen Wettbewerbsvorteil erlange. Gefragt nach dem persönlichen Benefit wurde mehrheitlich (55 Prozent) geantwortet: "Automatisierung nimmt meinem Team Routine-Aufgaben und weniger anspruchsvolle Arbeit ab." Der Zusammenhang von Automatisierung und einer Erleichterung für den Arbeitsalltag wird in den USA also offensichtlich deutlicher wahrgenommen.

Verzerrte Wahrnehmung bei Marketern

Marketing-Verantwortliche unterschätzen die Auswirkungen von Prozessautomatisierung auf ihr Arbeitspensum. Entsprechend zaghaft antworten Marketing-Mitarbeiter in der Digital-Work-Befragung, wenn sie konkrete Prozesse oder Aufgaben benennen sollen, die sie gerne in den nächsten ein bis zwei Jahren automatisieren würden: Fast jeder Dritte (29 Prozent) ist mit dem Status quo zufrieden und würde keine seiner Aufgaben automatisieren wollen. Bemerkenswert ist, dass Marketing-Fachkräfte durchaus Probleme erkennen, die sie an der effizienten und guten Ausführung ihrer Aufgaben hindern – die sich aber durch Automatisierung beheben ließen.

Die Springer-Autoren Bauer und Hofmann plädieren dafür, dass das Prinzip des "lebenslangen Lernens" eine neue Dringlichkeit erhält, um die Kompetenzentwicklung in der Arbeitswelt 4.0 mit den damit verbundenen Herausforderungen voranzutreiben. Dabei liegt nach ihrer Erkenntnis die Verantwortlichkeit auf mehreren Schultern: 

  • "bei den Mitarbeitenden selbst, die an ihrer eigenen ,Employability‘ aktiv arbeiten müssen und Lernen als Veränderungschance begreifen müssen, 
  • an den Unternehmen, die insbesondere entwicklungsförderliche Arbeitsumgebungen und Entwicklungspfade bereitstellen müssen, sowie
  • bei den Führungskräften, die sich zunehmend als Entwicklungsbegleiter und Ermöglicher ihrer Mitarbeitenden für Veränderung definieren sollten und dies auch als wesentlichen Teil der eigenen Führungsaufgabe interpretieren müssen".

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