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31.07.2017 | Industrie 4.0 | Interview | Onlineartikel

"Strategisches Denken gefragt"

Autor:
Dr. Elena Winter
Interviewt wurde:
Prof. Dr. Thomas Bauernhansl

ist Leiter des Fraunhofer-Instituts für Produktionstechnik und Automatisierung IPA in Stuttgart und des Instituts für Industrielle Fertigung und Fabrikbetrieb IFF der Universität Stuttgart.

Im Interview spricht Springer-Autor Thomas Bauernhansl darüber, wie Unternehmen in der Industrie 4.0 ihre Kompetenzen nutzen und ausbauen können sowie über die Arbeitswelt in der Zukunft.

Springer Professional: Die Industrie 4.0 krempelt in diesen Jahren die Produktion um. Welches sind Herausforderungen der Digitalisierung und wie können Unternehmen sie meistern?

Prof. Dr. Thomas Bauernhansl: Als Erstes brauchen Unternehmen eine Idee davon, wie ein Geschäftsmodell im Rahmen von Industrie 4.0 aussehen kann. Über Hard- und Softwaremodule und eine geeignete Plattform gilt es, die Möglichkeiten hierfür bereitzustellen. Ansätze wie agile Entwicklung und Minimum Viable Product Konzepte – also Konzepte, die minimal funktionsfähig sind – helfen dabei, die eigenen Technologien parallel zu den Kunden und zum Markt weiterzuentwickeln. Unternehmen sollten auch die eigene Organisation "mitnehmen": Wenn zum Beispiel der Vertrieb jahrelang Maschinenkomponenten verkauft hat, muss er erst einmal in die Lage versetzt werden, dem Kunden nun plattformbasierte Dienste zu vermitteln. Ein weiteres Thema wird die Infrastruktur der Betriebe sein: Hier ist es wichtig, Zugänge zu der Fülle an Daten strukturell überhaupt erst zu ermöglichen, vor allem durch ausreichende Bandbreiten. Zugleich gilt es, mit den Daten effektiv zu arbeiten. Dabei geht der Schritt vom Zeitalter der vernetzten IOT-Systeme in das der autonomen Systeme. Unternehmen müssen sich zudem überlegen, wie sie mithilfe der Digitalisierung eine engere Kundenbindung schaffen und neue Dienstleistungen anbieten. Sie sollten dabei mehr zusammenarbeiten und gemeinsam Technologien und Plattformen entwickeln. Nur für sich haben sie zu wenig Marktmacht und unter Umständen das Nachsehen gegenüber den US-Giganten.

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Welche neuen Anforderungen stellen sich in der Automatisierung der Produktion? Und wie wird sich in diesem Zusammenhang vor allem die Mensch-Roboter-Kooperation entwickeln?

In den nächsten Jahren werden Roboter kognitive Fähigkeiten erhalten, um komplexe Prozesse überwachen und intelligent analysieren zu können. Sie werden mithilfe des maschinellen Lernens fähig sein, auch in ungeplanten oder unbekannten Situationen eigenständig zu entscheiden. Die Autonomie zu erhöhen, ist das Ziel, das aktuell mit Entwicklungen in der sogenannten kognitiven Robotik angestrebt wird: Roboter sollen das Wahrnehmen, Erkennen und darauf abgestimmte Handeln umsetzen können. Dabei nimmt das System über seine Sensorik etwas wahr. Diese Sensorik verarbeitet Daten und leitet daraus eine passende Reaktion ab. Im Produktionsumfeld können Anwender damit flexibel und wirtschaftlich auf die steigenden Anforderungen durch kurze Produktlebenszyklen und steigende Varianten reagieren. Erst kognitive Funktionen machen es möglich, dass Roboter das Produktionsumfeld verlassen können und als Serviceroboter Teil von Dienstleistungen im gewerblichen oder privaten Umfeld werden. Hier sind in den letzten 20 Jahren viele neue Einsatzgebiete entstanden, vor allem in der Landwirtschaft, Logistik, Medizin und Rehabilitation.

Über die Zukunft der Arbeit im Zeitalter von Industrie 4.0 wird viel diskutiert. Was ist Ihre Prognose: Welche Kompetenzen werden in Zukunft besonders gefragt sein?

Der Mensch entwirft und gestaltet das Produkt – das werden Roboter nie tun können. Die Aufgaben der Mitarbeiter verändern sich: von der operativen Planung und Steuerung der Tätigkeiten hin zu mehr strategischen Tätigkeiten, dem Kontextmanagement. Dazu brauchen Unternehmen hoch qualifizierte Menschen. Vor allem Facharbeiter und IT-Experten werden gefragt sein. Weiterhin braucht es aber auch Spezialisten etwa für Sensorik, komplette Maschinen, Fertigungsstätten, Informatik und neue Geschäftsmodelle. Diese sollten ein tieferes Verständnis für ihre angrenzenden Disziplinen haben, als es heute der Fall ist.

Inwiefern müssen Unternehmen ihre Weiterbildungskonzepte neu formulieren, um Mitarbeiter angemessen auf die Entwicklungen in der Industrie 4.0 vorzubereiten?

In der Industrie 4.0 lässt sich Fortbildung glücklicherweise integrieren. Klassische Präsenzausbildung wird ersetzt durch Ad-hoc-Ausbildung am Arbeitsplatz. Die neuen Technologien können Mitarbeitern vor Ort sehr schnell Wissen zur Verfügung stellen und sie beim Lernen unterstützen. Und das sogar noch angepasst an die Lerngeschwindigkeit des Einzelnen! Beispielsweise durch eingeblendete Zusatzinformationen am Bedien-Display mit Zugang zu Internetdiensten, auf denen Lern-Videos ablaufen. So kann man sich Skills an einer Maschine aneignen.

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Quelle:
Handbuch Industrie 4.0 Bd.1

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