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13.05.2016 | Industrie 4.0 | Im Fokus | Onlineartikel

Ohne Fehlerkultur keine smarte Produktion

Autor:
Michaela Paefgen-Laß
3 Min. Lesedauer

Deutschland investiert mehr den je in Forschung und Entwicklung, aber der Mittelstand zaudert bei der Digitalisierung und verpasst Zukunftsmärkte. Fehlt es am Mut zum Fehler?

Es ist ein ordentlicher Batzen Geld, den die Bundesregierung in die Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeit des Landes investiert. Noch im Februar hatte die unabhängige Expertenkommission Forschung und Entwicklung (EFI) angemahnt, dass deutsche Unternehmen bei der Digitalisierung bestenfalls Mittelmaß seien, sich mit Big Data schwer täten und den zukunftsträchtigsten Markt der Automation, die Servicerobotik, verschliefen.

In Forschung und Entwicklung bei steigendem Wettbewerbsdruck den Anschluss zu halten ist also Deutschlands Hausaufgabe. Dafür brachten Staat und Wirtschaft dem jetzt vorgelegten "Bundesbericht für Forschung und Entwicklung" (BUFI) zufolge im Jahr 2014 rund 84 Milliarden Euro auf. Mit ihrer High-Tech-Strategie setzt die Bundesregierung künftig Prioritäten und legt ihre Förderschwerpunkte auf Schlüsseltechnologien für die Digitalisierung von Wirtschaft und Gesellschaft. Welche Vorteile kann sich die produzierende Industrie vom digitalen Wandel erhoffen?

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Ich irre, also bin ich, schrieb Augustinus, und Benjamin Franklin war der Meinung, die Geschichte der menschlichen Irrtümer sei interessanter als diejenige ihrer Erfindungen; doch wenn wir uns irren und Fehler machen, ärgern wir uns und fühlen uns pe

Mit dem Markt vernetzt

Man kann das deutsche Marketingschlagwort "Industrie 4.0" zitieren oder internationaler mit den Begriffen 'Smart Factory", 'Internet of Things' oder 'Business Digitalization' hantieren. Gemeint ist bei allen, die digital zwischen Markt und Anbieter vernetzte Produktion-auf-Nachfrage. Ziel ist, das absolute Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage, die so genannte Nulldistanz herzustellen. Das funktioniert in der Industrie aber nur, wenn sich Produzenten von standardisierten Losgrößen verabschieden um künftig flexibel und individuell auf Kundenwunsch zu produzieren. In der Frage, ob die Industrie 4.0 - Hype oder Revolution ist, favorisiert Springer-Autor Armin Roth eine dritte Variante: Die unter Industrie 4.0 subsumierten Konzepte seien die logische Weiterführung alter Konzepte aus Automation, Computer Integrated Manufacturing oder Lean Management (Seite 6).  

Vor diesem Hintergrund ist Industrie 4.0 eher als eine Evolution statt eine Revolution einzustufen. Zu einer Revolution wird sie allerdings für diejenigen Unternehmen, die diese Entwicklungen und die sich daraus ergebenden Marktveränderungen unterschätzen. " (Armin Roth)

Mit Fehlern zum Erfolg

Erfolgskritisch für die digitale Evolution sind die Konsequenz mit der sie vorangetrieben wird sowie der Umgang des Unternehmens mit Fehlern während des Transformationsprozesses. Die Digitalisierung braucht kreative und mutige Persönlichkeiten, so das Resümee der branchenübergreifenden Umfrage "Human Resources in der digitalen Transformation" von Metaberatung unter 100 Führungskräften deutscher Wirtschaftsunternehmen.

Von Ihnen forderten 73 Prozent mehr Freiraum für Innovation und Kreativität. Für die Schaffung einer Kultur der Fehlertoleranz sprachen sich 63 Prozent aus und 60 Prozent beklagten eine mangelnde Risikobereitschaft, die zu überwinden sei. Wenn Digitalisierung gelingen soll, muss also auch an einer Unternehmenskultur gearbeitet werden, die Fehler und Scheitern als notwendige Prozessschritte nicht nur akzeptiert, sondern fördert.

"Scheitern ist nicht vermeidbar" und "Scheitern ist facettenreich", beschreibt Springer-Autor Sebastian Kunert das "Scheitern in organisationalen Veränderungen". Es komme nicht darauf an Fehlschläge zu vermeiden, sondern sie gezielt von Beginn an einzuplanen. Die große Kunst bestehe darin, das Scheitern anzunehmen um daraus zu lernen. "Ein zu seltenes wie auch ein zu häufiges Scheitern sollte als Zeichen gedeutet werden, dass eine Organisation aus dem Gleichgewicht geraten ist." (Seite 197)

Von der Industrie 4.0 profitieren Unternehmen in den Bereichen Produktion, Mitarbeiter und Strategie durch (Roth, Seite 7/8):
Individualisierung
  • Berücksichtigung individueller Kundenwünsche durch digitales Engineering
  • Rentable Produktion von Kleinstmengen 

Flexibilisierung

  • Schnellere Reaktion auf Kundenanfragen
  • Verkürzte Entwicklungszeiten
  • Flexible Reaktion auf Veränderungen
Produktivitätssteigerung
  • Resourceneffektivität und -effizienz
  • Predictive Maintanance
  • Simulation der Geschäftsprozesse
Einsatzfähigkeit der Mitarbeiter
  • Demokraphieorientierte Arbeitsgestaltung
  • Visuelle, qualitätssichernde Systeme wie intelligente Assistenzsysteme
  • Job-Enrichment und -Enlargement durch aktuelles Informations- und Trainingsmaterial
Erweiterung des Geschäftsmodells
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  • Entwicklung vom Produktanbieter zum Lösungsanbieter


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