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26.08.2019 | Industrie 4.0 | Im Fokus | Onlineartikel

CDOs - Digitale Missionare ohne Ziel

Autor:
Anne Steinbach

Sie sind die jüngste Gattung unter den Führungspositionen mit einem C im Namen, die CDOs, die Chief Digital Officers. In den meisten Unternehmen ist sogar noch die erste Generation von ihnen im Amt. Eine Studie zeigt, wie CDOs in Unternehmen angekommen sind oder auch nicht.
 

Für die Studie "CDO Decoded: The First Wave of CDOs Speaks" standen 107 CDOs aus 20 Ländern bereit. Ziel war es, ihre Erwartungen und Erfahrungen herauszustellen und die Maßnahmen zu ermitteln, die Führungskräfte ergreifen sollten, um die digitale Transformation in ihren Organisationen zu beschleunigen. 

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Die Hauptergebnisse der Studie:

  • Untersuchungen haben ergeben, dass die Mehrheit der digitalen Führungskräfte (54 Prozent) mehr Zeit mit der Organisation der digitalen Strategie verbringt, als mit der tatsächlichen Umsetzung.
  • 64 Prozent der CDOs glauben, dass ihr CEO über die Veränderungen in der Branche informiert ist, aber nur 40 Prozent glauben, dass dies für CFOs zutrifft.
  • Die Funktion könnte den Weg ebenen, auf denen CDOs zu CEOs werden.

Was sind CDOs?

Die heutigen CDOs sind eine Gruppe von Pionieren. 84 Prozent von ihnen sind die ersten, die eine CDO-Rolle in ihrer Organisation innehaben und 65 Prozent sind seit höchstens drei Jahren in der Funktion. Der CDO ist eine Führungsrolle, 63 Prozent berichten direkt an den CEO. 

Laut der Springer-Autoren Ulrich und Lehmann soll der CDO "im Wesentlichen den digitalen Wandel des Unternehmens vollziehen (Konzeption und Umsetzung der Digitalstrategie; Koordination, Priorisierung und Überwachung digitaler Initiativen und Projekte). Zusätzlich soll er einen Kultur- und Mentalitätswandel innerhalb der Organisation herbeiführen und die Entwicklung innovativer digitaler Produkte, Dienstleistungen und Geschäftsmodelle vorantreiben."

CDO-Aufgaben meist schwamming

Die Studie zeigt allerdings, dass es kein gemeinsames Verständnis für die Rolle und die Verantwortlichkeiten eines CDO gibt. Obwohl die Berichtslinien und Hauptverantwortlichkeiten sehr unterschiedlich sind, eint diese Gruppe ihr Pionierstatus, denn die überwiegende Mehrheit ist die erste Generation, die diese Rolle in ihrer Organisation innehat. 

Der Großteil von ihnen war sich einig: Bisher nutzen sie ihre Arbeitszeit für ganz andere Aufgaben, als eigentlich gedacht. 54 Prozent der Befragten gab an, mehr Zeit in die Organisation der Digitalstrategie zu stecken, als diese tatsächlich umzusetzen. Gerade einmal zehn Prozent der CDOs sind auch wirklich dafür verantwortlich, die Firmenkultur des eigenen Unternehmens zu verändern. 

"Organisationen und, wie sich herausstellt, CDOs versuchen immer noch selbst herauszufinden, was es bedeutet, CDO zu sein", sagte Lindsay Trout, Global Digital Practice Leader bei Egon Zehnder. "Es ist jedoch klar, dass die Erfahrungen dieser ersten Generation die Richtung der Unternehmen in der Zukunft bestimmen werden."

Die Herausforderungen der Kultur verändern sich

Dazu kommt, dass auch die Unternehmenskultur in den jeweiligen Unternehmen noch zu verstaubt für eine CDO-Rolle ist. 80 Prozent der Befragten gaben an, dass die Entwicklung der Unternehmenskultur "schwieriger" beziehungsweise "viel schwieriger" war als erwartet. Dabei wurde das Executive Commitment und die Unternehmenskultur von 58 Prozent der CDOs als die beiden wichtigsten Faktoren für die Erreichung der digitalen Transformation genannt. Doch für 68 Prozent sind es vor allem die fehlende Integration von Daten und das Silo-Denken in den Unternehmen, die einer digitalen Transformation und Veränderung der internen Kultur im Weg stehen. 

CDO als Teil der C-Suite

Als Ergebnis der Studie wird herausgestellt, dass es wichtig ist, eine C-Hierarchie aufzubauen. Die sogenannte C-Suite beschreibt die oberste Hierarchie-Ebene eines Unternehmens. Dabei steht das C für Chief und nimmt damit Bezug auf internationale Stellenbezeichnungen von Führungspositionen. Der CEO muss sicherstellen, dass die C-Suite, einschließlich des CFO sowie anderer Profit- und Loss-Führungskräfte, die CDO-Rolle versteht und Investitionen in die digitale Transformation unterstützt.

Außerdem ist es wichtig, dem CDO die Freiheit zu geben, ein starkes Team aufzubauen. Viele CDOs bilden Teams, die eine Kombination aus neuen Talenten und Fachwissen darstellen. Das unterstreichen auch Wolfgang Becker und Oliver Schmid im Buchkapitel "Rolle des Chief Digital Officer (CDO) im Rahmen der digitalen Transformation von Unternehmen" aus dem Buch "Geschäftsmodelle in der digitalen Welt" und erklären Folgendes:

"Die Studie zeigt, dass die Hauptverantwortung der digitalen Transformation oftmals beim CDO liegt. Sie zeigt aber auch, dass die digitale Transformation nicht von einer einzelnen Person allein realisiert werden kann – selbst wenn es der CDO ist. Die Zusammenarbeit und das Zusammenspiel innerhalb des Unternehmens ist entscheidend, denn alle Mitarbeiter und Top-Management Team-Mitglieder im Unternehmen sind für die erfolgreiche Umsetzung der digitalen Transformation verantwortlich. Der CDO hingegen steuert und bündelt die Ideen sämtlicher Beteiligter im Unternehmen und definiert basierend auf dessen Vorstellungen eine gesamthafte Digitalstrategie" (Seite 373)

Weiterhin empfiehlt Egon Zehnder, dass der CDO das Recht haben muss, eigene Benchmarks zu entwickeln und zu verwenden und das auch in Teilen des Geschäfts, für die er nicht verantwortlich ist.

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