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02.10.2019 | Industrie 4.0 | Im Fokus | Onlineartikel

Process Mining reift zur Schlüsseltechnologie

Autor:
Dieter Beste

Die bei der digitalen Abwicklung aller Abläufe in einem Unternehmen anfallende Datenfülle eröffnet die Chance, Kundenbeziehungen, Firmenkontakte oder interne Prozesse nachhaltig zu verbessern. Doch wie lässt sich dieser Datenschatz heben?

Unternehmen hinterlassen bei jeder Transaktion mit Kunden oder Lieferanten unzählige Informationen in den im Hintergrund laufenden IT-Systemen – die sogenannten Event-Logs. Bei der Bestellung von Waren, der Fertigung von Produkten oder der Bearbeitung von Serviceanfragen werden diese Informationen standardmäßig gespeichert. Bislang fehlten technischen Mittel, um dieses Potenzial in den Unternehmen vollständig auszuschöpfen. Seit 2011 schickt sich ein Gründerteam aus München – als studentisches Start-Up aus der TU München heraus gegründet – eine für diese Aufgaben passende Softwarelösung zu entwickeln. Mit ihrem Unternehmen Celonis konnten sie sich innerhalb weniger Jahre zum weltweiten Marktführer und Vorreiter der digitalen Transformation entwickeln. Ihr Projekt "Process Mining – Schlüsseltechnologie für die Zukunft der Arbeit und Wertschöpfung in Unternehmen" wurde von der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) für den Deutschen Zukunftspreis vorgeschlagen, dessen Endausscheidung am 27. November 2019 stattfindet.

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Praktische Anwendung von Process-Mining

Wie und wofür kann Process-Mining praktisch verwendet werden? In den folgenden Abschnitten werden die wesentlichen Anwendungsgebiete aufgezeigt. 

Die Technologie der drei Nominierten macht verborgene Datenschätze nutzbar – als digitale Ressource für die Optimierung von Betriebsabläufen. Wie das genau geht? "Wir digitalisieren die Optimierung von Unternehmen, etwas, was vorher ein manueller Prozess war", sagt Alexander Rinke. Traditionell habe man sich hierfür Unternehmensberater ins Haus geholt, die Interviews mit den Mitarbeitern führten, um sich etwa ein Bild davon zu machen, wie lange ein Prozess dauert. Wir greifen die digitalen Fußspuren in den Abläufen auf und analysieren, wie wir diese verbessern können.

Martin Klenk, Bastian Nominacher und Alexander Rinke – die Gründer von Celonis – nutzen spezielle Algorithmen für ihr Process Mining, um die Prozesse einer Organisation und deren tatsächlichen Ablauf in Echtzeit zu visualisieren. So können nach Angaben der Entwickler Schwachstellen schnell aufgedeckt, Prozesse optimiert und Kosten gesenkt werden. Nutzer der Software würden beispielsweise informiert, wo es zu Lieferverzögerungen kommt, warum die Lagerbestände zu hoch sind, wieso Bestellungen zu lange dauern, wie kündigungswillige Kunden doch gehalten werden können oder ob regulatorische Vorgaben bei Transaktionen erfüllt werden.

Technisch gesehen werden die Daten (beim Process Mining) aus den Bestandssystemen "herausgesogen" und danach automatisiert visualisiert, natürlich auch mit allen damit verbundenen Abweichungen oder Medienbrüchen. Diese Methodik erkennt quasi, welcher Artikel zu welchem Zeitpunkt in welchem Status … vorhanden war. Man erkennt, wenn sich Werte wie Preise oder Termine verändert haben, bis hin zur "Durchlaufzeit" im Prozess, also beispielsweise, wie lange sich der Artikel im Status Bestellung oder im Status Wareneingang befand oder wie lange er auf die Rechnung "gewartet" hat. Christoph Groß, Roland Pfennig: "Digitalisierung in Industrie, Handel und Logistik", Seite 228.

Den Kunden von Celonis steht die Technologie in der Intelligent Business Cloud (IBC) zur Verfügung. Hierbei handelt es sich nach Unternehmensangaben nicht nur um eine webbasierte Analyseplattform, sondern ein operatives System. Es lernt beständig hinzu und kann proaktiv in Prozesse eingreifen und Verbesserungsvorschläge machen, wenn diese nicht optimal laufen. Mit Hilfe von Machine Learning und Künstlicher Intelligenz erkennt die IBC beispielsweise, wenn ein Lieferant sich verspätet und schlägt dem zuständigen Mitarbeiter in der Einkaufsabteilung direkt Alternativen vor.

Nachhaltiges Wirtschaften

Die drei Nominierten entwickelten Process Mining in ihrem Unternehmen Celonis zu einer breit nutzbaren und globalen Schlüsseltechnologie, die neue Industriestandards für Prozesstransparenz, Agilität und proaktive Prozessverbesserungen setzt – all das ist Voraussetzung für eine Nominierung zum Deutschen Zukunftspreis. Es geht aber nicht nur um Einsparungen und Effizienzsteigerungen bei Unternehmen: Mit ihrer Technologie möchten die Entwickler noch viel erreichen. Die Erkenntnisse aus der Software könnten nämlich auch verwendet werden, um nachhaltiger zu wirtschaften, um zum Beispiel Emissionen und Ressourcen in Produktionsprozessen einzusparen.

Schnelles Wachstum

Inzwischen nutzen mehr als 200.000 Anwender in über 600 Unternehmen und 20 Industrien weltweit die Technologie von Celonis. Zu den Kunden zählen unter anderem ABB, Airbus, Bayer, BMW, Edeka, Innogy, Siemens, und Vodafone, aber auch zahlreiche Mittelständler wie zum Beispiel Schukat electronic. Mit einem Wachstum von jährlich 200 Prozent und derzeit mehr als 700 Mitarbeitern an zehn Standorten weltweit zählt Celonis zu den am schnellsten wachsenden IT-Unternehmen der Welt.

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