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05.10.2013 | Informatik in Gesellschaft + Politik | Interview | Onlineartikel

Krankenkassen-IT: Tendenz zu großen Einheiten

Autor:
Peter Pagel
3 Min. Lesedauer

Auch gesetzliche Krankenkassen brauchen eine effiziente IT. Was auf den ersten Blick unproblematisch erscheint, weil doch in diesem Bereich vieles klar gesetzlich geregelt ist, erweist sich bei näherer Betrachtung als hochkomplex. WuM sprach mit Andreas Strausfeld, Geschäftsführer von Bitmarck, über dieses Geschäftsfeld.

Wie kommt man auf die Idee, in einen solch speziellen Markt einzusteigen?

Wir sind eine Ausgründung von gesetzlichen Krankenkassen. Die Bitmarck-Software ist eine Ausgründung des BKK Bundesverbandes, die Bitmarck-Beratung war mal die IT-Abteilung der Siemens Betriebskrankenkasse, die Bitmarck-Technik
war die IT-Einheit der heutigen DAK-Gesundheit. Das sind alles Ausgründungen von Krankenkassen, von Körperschaften des öffentlichen Rechts, die dann aus Effizienzerwägungen zusammengefasst wurden. Insbesondere auch die DAK-Gesundheit hat das damals vorangetrieben. Die haben sich gefragt, warum sie für teures Geld eine eigene Kernapplikation entwickeln sollen? Das muss man eigentlich standardisiert am Markt kaufen können. Gleichzeitig wollte man aber die konkrete Ausgestaltung der Software weiter mitgestalten. Daher ist die DAK-Gesundheit auf die Betriebs-und Innungskrankenkassen zugegangen, um eine gemeinsame Lösung zu finden. Das hat funktioniert. Heute sind unsere Gesellschafter auch unsere Kunden.

Wird IT in diesem Umfeld hauptsächlich als eine Möglichkeit zur Kostenersparnis gesehen? Oder wird sie als etwas gesehen, womit man Chancen hat, auch Dinge weiterzuentwickeln?

Der Wunsch nach konsequenter Kostenersparnis und gleichzeitiger Steigerung der Leistungsfähigkeit unserer Kunden ist das Spannungsfeld, in dem wir uns bewegen. Wir haben dabei die Maßgaben aus dem Sozialgesetzbuch zu berücksichtigen. In diesem ist festgelegt, wie alle Krankenkassen Leistungen gewähren, wie sie Beiträge einziehen, wie sie versichern müssen und so weiter. Das ist das Kerngeschäft der Krankenkassen. Hierfür müssen wir die gesetzlichen Regelungen in unseren Lösungen abbilden und zwar in einer Weise, die gleichermaßen für die rund 14 000 Mitarbeiter einer DAK-Gesundheit wie auch für die 27 Mitarbeiter einer kleinen BKK nutzbar ist. Hier können wir durch Standardisierung Synergien schaffen und die IT-Kosten aller Kassen nachhaltig senken. Auf der anderen Seite betrachtet heute jede Kasse ihre IT in Teilen auch als Differenzierungsfaktor im Wettbewerb. Wo wir über den GKV-Kern hinausgehen, wünschen Kunden durchaus individuelle Lösungen. Diese kaufen sie am Markt ein und realisieren mit diesen individuelle Konzepte und Geschäftsmodelle. Da will die eine Kassenart auch nicht von der anderen profitieren, da will sich auch keiner was von anderen aufzwingen lassen. In diesem Bereich kommen wir mit der Standardisierung und den damit verbundenen Kostenersparnissen durch die IT an Grenzen.

Geht es aber nicht insgesamt in Richtung einer einheitlichen gesetzlichen Krankenkasse, wenn sich die Kassen wegen der Vorgaben ohnehin kaum unterscheiden dürfen?

Es gibt durchaus politische Parteien in diesem Land, die sich gut vorstellen können, mit einer einzigen gesetzlichen Krankenkasse oder einer Bürgerversicherung auszukommen. Ich glaube, dass die Zeit dafür noch nicht reif ist. Aber die Tendenz zu großen Einheiten wird sich sicher fortsetzen. Nicht zuletzt mit Blick auf mögliche Merger haben wir bei 21c|ng eine flexible Architektur gewählt. Denn wenn zwei Einheiten zusammengehen, müssen Prozesse und Datenbestände zusammengebracht werden. Dies ist mit einer Integrationsarchitektur wesentlich einfacher, als wenn versucht wird, alles auf einmal in einer Fusion zu vereinheitlichen. Einer der großen Bitmarck-Kunden versichert circa vier Millionen Menschen. Diese Kasse ist aus vier Einzelkassen entstanden. Es ist eine Herkules-Aufgabe für die Kassenführung, diesen Merger zu bewältigen. Wenn wir dann noch mit einem neuen System dazukommen, ist diese Komplexität fast nicht mehr beherrschbar. In dem Fall hilft uns die Schichtarchitektur dabei, die Prozess-Standardisierung auf eine Plattform zu bringen und damit die Arbeit an allen Standorten gleich zu gestalten. Von dieser Möglichkeit werden auch weitere Kassen profitieren.

Das vollständige Interview finden Sie hier: "Die Tendenz zu großen Einheiten wird sich fortsetzen."

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