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26.07.2016 | Informationsmanagement | Im Fokus | Onlineartikel

Digitale Souveränität und die digitale Öffentlichkeit

Autor:
Peter Bisa

 

In seiner Beitragsserie zur digitalen Souveränität fordert Peter Bisa, den Begriff der digitalen Souveränität auch um eine qualitative Dimension zu erweitern. Im letzten Teil der Serie analysiert er die gesellschaftliche, juristische und kulturelle Ebene.

Gesellschaftliche Ebene (Bildung, Nutzung)

Digitale Aufklärung und Bildung sind die Grundlage für einen souveränen und selbstbewussten Umgang mit der digitalen Technologie. Damit verknüpft ist auch die verstärkte Nutzung digitaler Angebote im Bildungsbereich. Es geht letztlich auch darum, den Umgang mit den Angeboten von Facebook, Google, Apple und Microsoft kompetent zu gestalten. Souveränität erhält in diesem Kontext eine neue Dimension: Nutzung der Chancen ja, jedoch gleichzeitig auch Wissen um die darin enthaltenen Risiken und souveräne Entscheidung darüber, nicht nur blindes Anwenden.

Digitale Medienkompetenz ist letztlich auch die Voraussetzung dafür, dass die Internetangebote, die der Staat im Rahmen von E-Government- und Open-Data-Strategien seinen Bürgerinnen und Bürgern zur Verfügung stellt, von diesen auch genutzt werden können. Dieses Angebot werden aber nur diejenigen nutzen, die sich souverän im Netz bewegen und sich dort sicher fühlen. Wie kann jedoch ein Angebot geschaffen werden, welches sich nicht auf einem globalen Hegemonieverständnis aufbaut, wie dies etwa indirekt von Eric Schmidt, dem Google-Verwaltungsratsvorsitzenden postuliert wird? 

Juristische Ebene (Datenschutz, Privatsphäre)

Das Internet wird heute von Daten angetrieben. Milliarden von Sensoren tauschen Daten miteinander aus, Milliarden von Menschen geben ihre Daten preis, um Informationen, Spiele und soziale Netzwerke nutzen zu können, ohne Geld dafür zahlen zu müssen. Es ist unbefriedigend, wenn Bürger und Aktivistengruppen von Politikern noch härtere Maßnahmen zum Schutz der Privatsphäre fordern, während sie selbst durch ihr Verhalten zeigen, dass sie diesen Schutz nicht wirklich ernst nehmen.

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Digitale Souveränität aus europäischer Perspektive

Friedrichsen:In der heutigen Zeit im Zuge der Globalisierung gibt es den Begriff der digitalen Souveränität. Inwieweit halten Sie diesen Begriff für akzeptabel? Ist er noch zeitgemäß?

Datenschutzgesetze in Zeiten globaler Vernetzung bedürfen neuer Lösungsansätze. Ist der alte Begriff der zu schützenden Daten vor dem Hintergrund der rasanten Technologien und der geänderten Einstellungs- und Verhaltensweisen noch sinnvoll oder bedarf es einer neuen Definition. Wie lassen sich Eigenverantwortung, staatliche Fürsorge und die Erkenntnisse aus der Digitalisierung sinnvoll verknüpfen?

Kulturelle (mediale) Ebene (Netzwerke, Informationsfluss, Psychologie des Handelns)

Die globale Netzwerkgesellschaft beruht auf den Netzwerken der digitalen Informations- und Kommunikationstechnologien. Diese vernetzen Menschen jenseits territorialer Grenzen und erlauben weltweite Kommunikation in Echtzeit. Das Netz der Netze hat zur Emergenz einer digitalen Öffentlichkeit geführt. In ihr setzen sich zusehends neue soziale Praxen der Kommunikation und der Arbeit durch. So erleben wir zurzeit den Übergang von der Massenkommunikation in der Informationsgesellschaft zur Massenselbstkommunikation in der Netzwerkgesellschaft.

Menschen mit gleichen Interessen arbeiten in sich selbstorganisierenden Netzwerken weltweit zusammen, um gemeinsam Projekte zu realisieren. Sie tragen ihr Fachwissen zu einer frei zugänglichen Enzyklopädie zusammen oder erstellen frei nutzbare Betriebssysteme und Programme. Die Zusammenarbeit in der Netzwerkgesellschaft beruht auf Offenheit, Freiwilligkeit und einer Kultur des Teilens. Diese neuen sozialen Praxen führen dazu, dass die Organisationsform des Netzwerkes hierarchisch-bürokratische Organisationformen zusehends verdrängen.

Peter Kruse sieht in dieser Entwicklung eine Machtverschiebung weg von den traditionellen Anbietern politischer und wirtschaftlicher Güter hin zu den Nachfragern. Mit den digitalen Informations- und Kommunikationstechnologien haben unzufriedene Bürger effiziente und effektive Mittel, um sich auszutauschen, zu organisieren und selbst initiativ zu werden.

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