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16.08.2019 | Innovationsmanagement | Im Fokus | Onlineartikel

Ohne Datenschutz keine digitalen Geschäftsmodelle

Autor:
Dr. Philip Kempermann

Der strategische Einsatz von Daten entscheidet im digitalen Zeitalter über den Unternehmenserfolg. Für Data Driven Businesses gilt allerdings, den Datenschutz früh in das Geschäftsmodell zu integrieren, um dieses Potenzial auch ausschöpfen zu können, so Gastautor Philip Kempermann.

Vor rund einem Jahr wurde mit der EU-weiten Datenschutzgrundverordnung ein Meilenstein in puncto Datenschutz erreicht. In der Zwischenzeit sind deren Vorgaben in den meisten Unternehmen längst implementiert. Doch damit ist es nicht getan: Die Umsetzung der DSGVO ist und war lediglich der Anfang und nicht das Ende beim Datenschutz. Denn der Datenstrom wächst stetig; gleichzeitig stellt sich die Frage, wie eine Kommerzialisierung der Daten vor dem aktuellen rechtlichen Hintergrund möglich ist. Denn richtig eingesetzt können Daten einen enormen wirtschaftlichen Mehrwert bieten – für, aber auch über das eigene Unternehmen hinaus. 

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Attraktive Kooperationen bei digitale Geschäftsmodellen

Daten ermöglichen nicht nur die stärkere Steuerung von Strategie und die Überwachung von Abläufen. Sie können, wenn sie als eigenes Geschäftsmodell oder zentraler Bestandteil dessen eingesetzt werden, die Wertschöpfungskette lukrativ erweitern. Ein Beispielprodukt aus der Praxis kann etwa bevorstehende Wasserschäden anhand von Daten frühzeitig erkennen und das Wasser automatisch abstellen. Doch diese gesammelten Daten schützen nicht nur den Kunden, sondern bieten auch dritten Unternehmen aus anderen Branchen, wie beispielsweise Versicherern, wertvolle Informationen. So eröffnen sich bei Berücksichtigung der Kundeninteressen für Hersteller ganz neue Möglichkeiten ihrer Wertschöpfung. Laterale Kooperationen schaffen neue Potenziale für Wirtschaft und Gesellschaft. Damit werden Daten zur Leitwährung, die entsprechend geschützt werden muss.

Art der Daten entscheidet über Kommerzialisierung

Inwieweit Daten für digitale Geschäftsmodelle in Frage kommen, hängt von der Art der Daten ab. Solange die gesammelten Daten nicht personenbezogen sind, ist die Nutzung meist ohne größere Einschränkungen möglich. Nicht personenbezogen bedeutet auch, dass personenbezogene Quelldaten entsprechend anonymisiert sein müssen, um eine Rückkopplung zu verhindern. Dementsprechend müssen die Metadaten überprüft und bereinigt werden. Ansonsten sind nicht personenbezogene Daten immer kommerzialisierbar und können in verschiedenen Geschäftsmodellen verwendet werden.

Wenn die Datensätze hingegen personenbezogene Informationen beinhalten, also Daten, die Personen eindeutig identifizieren, ist die Beurteilung der Verwendungsmöglichkeiten wesentlich komplexer und muss rechtlich stets individuell nach Zweck und Rechtsgrundlage geprüft werden. Darüber hinaus können nur im Vorfeld festgelegte Daten verwendet werden. Wenn überhaupt. Sprich: Die Unternehmen müssen ihre Kunden über die Nutzung ihrer Daten im Voraus detailliert aufklären, einschließlich der Nutzungsdauer einer eventuellen Weiterverwendung oder Weitergabe der Daten an Dritte. 

Wenn die Daten aus einem Vertragsverhältnis mit dem Kunden stammen, muss auch festgelegt werden, was nach Vertragsende mit den personenbezogenen Daten passiert – besonders in Hinblick auf die Übermittlung an andere Unternehmen. In manchen Fällen muss auch eine Einwilligung des Kunden eingeholt werden. Dann muss vorzeitig geplant werden, was passiert, wenn der Kunde die Einwilligung nicht erteilt oder widerruft.

Datenschutz strategisch implementieren

Datengetriebene Geschäftsmodelle werden mit zunehmender Digitalisierung immer entscheidender für den Erfolg eines Unternehmens. Dabei gilt es, die mehrwertstiftenden Daten gezielt zu ermitteln und nicht nur Daten um der Daten Willen zu erheben. Grundfragen, wie die Art der Daten und die Zwecke ihrer Nutzung, müssen so früh wie möglich geplant werden. Zudem müssen die Vorschriften der Datenschutzgesetze bereits bei der Produktentwicklung berücksichtigt werden, um eine rechtlich vertretbare Grundlage zu schaffen. Dabei ist die Unterstützung aus der Rechtsabteilung unerlässlich, um Risiken oder gar Gesetzesverstöße zu verhindern. Wer internationale Geschäfte betreibt, sollte auch internationale Rechtsordnungen berücksichtigen; allein in Europa gibt es 27 nationale Ausführungsgesetze zur Umsetzung der DSGVO.

Drei Kernfragen bei der Entwicklung digitaler Produkte

Um das Potenzial von digitalen Produkten ausschöpfen zu können, müssen sich Unternehmen drei Kernfragen stellen:

  1. Handelt es sich bei den Daten um personenbezogene oder nicht personenbezogene Daten?
  2. Inwieweit werden die Daten intern genutzt oder von Dritten verwertet?
  3. Wie sieht die geographische Ausbreitung aus?

Je früher Unternehmen diese Fragen beantworten, desto gezielter können sie ihre Strategie nach ihren Zielen ausrichten. Denn Fakt ist: Daten sind ein wichtiger Wegweiser in die Zukunft. Um diesen Weg erfolgreich zu beschreiten bedarf es jedoch nicht nur Mut und Innovationsgeist, sondern auch Verantwortung und Schutz für die erhobenen Daten.

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