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04.08.2015 | Innovationsmanagement | Interview | Onlineartikel

"Die Auseinandersetzung mit Kunst erschließt neue Welten"

Wirtschaft und Kultur sollten miteinander kooperieren, fordert Springer-Autor Roland Geschwill im Interview. Denn nur Künstler können echtes kreatives Denken in Unternehmen in Gang setzen, so seine provokante These.

Springer für Professional: Design Thinking, Agiles Management, Scrum sind die Methoden, mit denen Manager derzeit ihre Mitarbeiter zu mehr Flexibilität und Ideenreichtum bringen wollen. Jetzt kommen Sie und sagen: Manager können Kreativität viel besser von Jazzmusikern lernen. Wie reagieren Manager darauf?

Roland Geschwill: Beides schließt sich zunächst nicht aus. Musik spielt als inspirierende Kraft im Kreativ-Prozess sogar eine große Rolle. Die Methoden, die sie ansprechen, greifen jedoch alle zu kurz. Es sind Methoden, die zur konkreten Problemlösung eingesetzt werden, nicht zur Persönlichkeitsbildung. Manager lernen jedoch heute schon von Künstlern mehr als in Scrum-Gruppen – und das auch noch nachhaltiger. 

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Können Sie dazu ein Beispiel geben?

Wenn Sie mit dem Pianisten Jens Thomas einmal ein Tagesseminar gemacht haben, werden Sie als Manager nie mehr in Ihrem Leben eine langweilige Präsentation machen. Wenn Sie mit einem von unseren Kunstmanager-Teams einmal Ihr neuestes Projekt besprochen haben, dann werden Sie anschließend in dem Projekt anders arbeiten. Der Spaß ist die Konfrontation von Kunst und Management. Sie lernen im Managementtraining und in ihrem Projekt-Typen kennen, die Kunst erfolgreich vermarkten. Da bleibt einiges hängen. Gleichzeitig ist diese Konfrontation nur etwas für Manager, die sich tatsächlich verändern wollen. 

Welche Vorteile bietet Ihr Ansatz im Vergleich zu anderen Kreativitäts- und Projektmanagement-Methoden?

Kreativitätstechniken stammen aus den 1950er Jahren. Im International Center for Studies in Creativity an der Buffalo State University New York wurden bahnbrechende Kreativitätsmethoden zur Produktion neuer Ideen entwickelt. Da kommt auch das Brainstorming her. Wenn Sie heute in einem Wirtschaftsunternehmen in Ihrem Team sagen: Jetzt machen wir ein Brainstorming, dann schauen Sie häufig in leere, wenig begeisterte Geschichten. Kunst bringt Sie auf neue Ideen, wie Sie Menschen begeistern können. Wir machen mit unseren Teams häufig Pecha-Kucha-Präsentationen. Diese Methode wurde von Kuratoren in der Kunst und Poetry Slams entwickelt. Wenn Sie Teams entwickeln wollen, dann müssen Sie mehr bieten als Kreativitätstechniken von 1950. In die Spitze des modernen Managements kommen Sie damit jedenfalls nicht. Das Buch „Der Rhythmus der Innovation“ stellt daher anhand von Geschichten des Experimentierens in Unternehmen vor, wie Manager von Künstlern gelernt haben.

Was wäre so eine konkrete Geschichte und was kann man daraus in Sachen Kreativität ableiten?

Nehmen wir die Firma Würth aus Künzelsau in Baden-Württemberg, den weltgrößten Schraubenhersteller. Da denkt man erst einmal an biedere sparsame Manager. Reinhold Würth hat schon sehr früh in seiner Karriere bildende Künstler privat besucht. Dabei habe er viel über deren Art zu denken und Bilder zu entwickeln erfahren: Wenn Sie malen, dann geraten Sie in Schaffenskrisen. Und gerade diese Krisen führen häufig zu etwas ganz Neuem. Künstler nutzen Krisen zur Entfaltung wichtiger Kreativität. Reinhold Würth hat diese Erfahrungen auf sein Unternehmen ausgedehnt, indem er Vernissagen in den Büros und Produktionsstätten des Unternehmens durchführte. Dort hingen dann Bilder, die provozierten, und das in einem Unternehmen, das normierte Schrauben verkauft. Diese Provokationen haben eine Unternehmenskultur geprägt: Bei Würth ist etwas los! Sie sehen: Die Auseinandersetzung mit Kunst erschließt neue Welten. Das sind richtige Denkschulen für Manager und Mitarbeiter. Das hat Reinhold Würth früh erkannt.

Zur Person
Dr. Roland Geschwill von der Denkwerkstatt für Manager hat mit der INtem®-Unternehmensgruppe die European Learning Academy gegründet. Die ELA bietet seit 2015 eine berufsbegleitende Premium-Qualifizierung zum professionellen Management-Berater an.

Die Hintergründe zu diesem Inhalt

2015 | OriginalPaper | Buchkapitel

Echtes kreatives Denken in Aktion

Quelle:
Der Rhythmus der Innovation

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