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07.07.2015 | Innovationsmanagement | Interview | Onlineartikel

"Neue Produkte werden oft auf Heimatmärkten entwickelt"

Autor:
Andrea Amerland
3:30 Min. Lesedauer

Wie kann der Mittelstand seine Innovationskraft steigern? Unter anderem mit einer klugen Personalpolitik, einer innovationsorientierten Unternehmenskultur oder Open Innovation, so die Springer-Autoren Matthias Nolden und Martin Kaschny.

Springer für Professionals: Die Innovationsfätigkeit des deutschen Mittelstands hat im dritten Jahr in Folge nachgelassen, insbesondere bei den Produktinnovationen, so der KfW-Innovationsbericht Mittelstand 2014. Die Studie sieht den Hauptgrund in der schlechten wirtschaftlichen Entwicklung Europas. Welche Rolle spielt die Wirtschaftspolitik beim Thema Innovationen?

Matthias Nolden und Martin Kaschny: Politik generell – also nicht nur die Wirtschaftspolitik – setzt  Impulse für Innovation. Dies wird unter anderem im Rahmen der Energiewende versucht. Viel wichtiger ist aber, dass günstige Rahmenbedingen für Innovationen gesetzt werden. Dies kann z.B. mit Hilfe der Bildungspolitik gesehen. Auch die Schaffung eines innovationsfreundlichen Klimas ist wichtig: Neue Produkte werden oft auf Heimatmärkten entwickelt, die offen gegenüber Neuerungen sind. Typische Beispiele sind die Innovationen im Bereich Automobil bei uns in Deutschland oder bei der Fotografie im Land der Hobbyfotografen Japan. Leider werden in Deutschland – wie etwa bei der Gentechnologie, der Nano-Technologie oder dem Fracking – neue Technologien immer mehr als Gefahr und nicht mehr als Chance verstanden.

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Einen wesentlichen Erfolgstreiber für Innovationen im Mittelstand sehen Sie in qualifiziertem Personal. Wie sieht eine innovationsorientierte Personalstrategie aus und wie wird sie idealerweise im Unternehmen implementiert?

Innovative Unternehmen benötigen innovative Strategien. Grundvoraussetzung ist, dass die Unternehmensstrategie innovationsorientiert aufgesetzt wird. Dies muss sich auch in der Personalstrategie fortsetzen, indem diese einen starken Innovationsbezug aufweist. D.h., die Strategien müssen aufeinander aufbauen und miteinander verknüpft sein, um erfolgreich zu sein.

Wichtige Aspekte, auf die besonders geachtet werden sollen, sind das Recruiting von innovativen Mitarbeitern, die Personalbindung, die Personalentwicklung und letztendlich auch die Berücksichtigung des demografischen Wandels. Konkret sichtbar kann dies beispielsweise bei der Weiterbildung oder der Anerkennung neuer Ideen werden.

Bei den Mitarbeitern ist wichtig, dass sie sich nicht nur mit ihrem Fachgebiet auseinandersetzen, sondern ebenso mit betrieblichen und marktbezogenen Inhalten, die für das Unternehmen relevant sind. Langfristig bedeutet dies auch, dass alle Mitarbeiter  verinnerlicht haben „Wir sind ein innovatives Unternehmen“. 

Wie steht es mit den Methoden aus? Sind Open Innovation, Wikis oder Social Media zur Ideengenerierung in den KMU bereits angekommen?

Viele Ideen und Verbesserungsvorschläge entstehen bei KMU immer noch dadurch, dass flache Hierarchien und enge Kontakte zur Geschäftsführung und den Kunden bestehen. Durch den direkten Austausch werden neue Ideen diskutiert und die Umsetzung oft spontan entschieden. Hier sind KMU, gerade in Bezug auf die Schnelligkeit bei der Entscheidung klar gegenüber Konzernen im Vorteil.

Allerdings geschieht dies oft auf Kosten von objektiven Bewertungen der Ideen und der Ausschöpfung aller Möglichkeiten zur Generierung von neuen Ideen. Werkzeuge zur Unterstützung der Ideengenerierung, wie Social Media oder der Einsatz von Wikis sind derzeit bei KMU noch nicht so weit verbreitet.

Auch wird oft noch von der gemeinsamen Umsetzung von Ideen mittels Open Innovation zurückgeschreckt. Hier besteht die Unsicherheit, was mit solchen Ideen passiert, wenn „Fremde“ mitarbeiten. Dabei gibt es durchaus positive Beispiele, die auch in unserem Buch "Innovationsmanagement im Mittelstand" aufgezeigt werden.

Wie müssen Unternehmen organisiert sein, wie muss die Unternehmenskultur beschaffen sein, dass sie Innovationen fördert und nicht behindert?

Bei kleineren Unternehmen bieten sich im Kontext von Produkt- und/oder Dienstleistungsinnovationen oftmals temporäre projektorientierte Strukturen an, die anschließend in eine Linienfunktion transferiert werden können. Bei größeren KMU, die national sowie international bereits an mehreren Standorten mit eigenen und/oder zugekauften Niederlassungen bzw. Partnerfirmen agieren, haben sich u. a. unternehmensstrukturelle Veränderungen hin zu verrichtungs- bzw. prozessorientierten Business Units als förderlich erwiesen.

Auch eine verstärkte Ausrichtung auf standardisierte und modularisierte Produktprogramme oder Dienstleistungsportfolios kann für eine innovationsförderliche Organisationsstruktur dienlich sein. Kundenindividuelle Wünsche werden durch dieses „Baukastenprinzip“ kostengünstig erfüllbar, ohne dabei Standardisierungsvorteile wie Effizienz und Zuverlässigkeit aufgeben zu müssen.

Bei der Unternehmenskultur ist zu beachten, dass diese aus wichtigen Unterkulturen besteht: der Kreativitäts-, der Fehler-, der Lern- oder der Diskussionskultur. Hier gibt es einige Faktoren, die diese innovationsbegünstigend beeinflussen: ausgeprägtes Verantwortungsbewusstsein für Beschäftige und regionales Umfeld, hohe Akzeptanz der Unternehmensleitung und geringe Fluktuation aufgrund von gewachsenen sozialen Beziehungen sowie Loyalität zwischen Geschäftsführung und Mitarbeitern.

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