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21.09.2017 | Innovationsmanagement | Interview | Onlineartikel

"Wir wollen keine Ideen für die Schublade produzieren"

Autor:
Stefanie Hüthig
Interviewt wurde:
Franz Welter

ist Abteilungsdirektor (Vice President) Innovation & Digitalisierung bei der DZ BANK AG.

Banken haben entdeckt, dass sie aus innovativen neuen Ideen selbst Prototypen nach Fintech-Manier bis zur Marktreife entwickeln können. Franz Welter erklärt im Interview mit Springer Professional, wie die DZ Bank Trendscouting betreibt und Innovationen mit ihrem Innovation Lab gezielt voranbringt.

Springer Professional: Herr Welter, in Ihrer Funktion sind Sie unter anderem Chef des DZ Bank Innovation Lab. Wie ist es organisatorisch eingebunden?

Franz Welter: Das Innovation Lab ist nur eine der Maßnahmen, die wir haben. Innerhalb der genossenschaftlichen Finanzgruppe beziehungsweise der DZ Bank Gruppe haben wir ein dezentrales Innovationsmanagement. Das bedeutet, dass es innerhalb der einzelnen Bereiche der DZ Bank AG und ihrer Tochterunternehmen, beispielsweise der Bausparkasse Schwäbisch Hall und Union Investment, mehrere Innovationseinheiten gibt.

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Welche Funktion hat Ihre Einheit?

Unsere Abteilung fungiert wie eine Art Hub und ist auf Konzernstrategieebene implementiert. Ziele sind, eine Vernetzung zwischen den Innovationsteams der Konzernunternehmen herzustellen, um Transparenz zu schaffen, wer an welchen Projekten arbeitet, und insbesondere, um Rahmenbedingungen zu gestalten, damit Innovation noch besser entstehen kann. Wir arbeiten an der Innovationsfähigkeit der Organisation, aber sind nicht im Lead, wenn es um ein Geschäftsmodell, eine Produkt- oder Serviceentwicklung geht. Das läuft dezentral über die Fachbereiche.

Ihre Einheit behält also den Überblick und sortiert die Projekte?

Genau, aber nicht im Sinne einer Steuerungsinstanz, sondern als Hub. Dieser Begriff beschreibt die Dezentralität, das dezentrale Unternehmertum und das Mindset der DZ Bank Gruppe am besten. Vor diesem Hintergrund sehen wir unsere verschiedenen Projekte.

Welche sind das?

Erstens betreiben wir ein Trendscouting. Dafür arbeiten wir mit allen Innovationsmanagern der DZ Bank Gruppe zusammen, um Trends und Technologien aber auch veränderte Kundenbedürfnisse zu identifizieren und zu evaluieren. Zweitens gibt es ein umfangreiches Ideation-Programm, mit verschiedenen Angeboten zur Entwicklung innovativer Ideen. Von Design Thinking bis zum Hackathon. Drittens betreiben wir das Innovation Lab der DZ BANK Gruppe. Damit bieten wir unseren Tochterunternehmen eine Plattform an, auf der sie schnell, mit Kundenfeedback in Fintech-Manier – also mit Scrum und agilen Methoden – Prototypen entwickeln können. Und last but not least koordinieren wir verschiedene Kooperationen mit Acceleratoren und Inkubatoren – wie beispielsweise dem Tech Quartier in Frankfurt.

Wie läuft es ab, wenn eine Tochtergesellschaft über das Innovation Lab einen Prototypen entwickeln möchte?

Die Tochtergesellschaften oder Geschäftsbereiche bewerben sich bei uns. Der DZ-Konzernvorstand wählt dann drei bis vier Themen aus. Die Fachbereiche müssen zwei Commitments eingehen. Zum einen müssen sie Personal für drei Monate freistellen, mindestens den Product Owner und seinen Vertreter. Zum anderen müssen sie sich verpflichten, das Produkt bei einem guten Ergebnis und Kundenfeedback weiterzuentwickeln. Wir wollen keine Ideen für die Schublade produzieren. Gestartet sind wir vor rund einem Jahr und stehen gerade am Anfang des vierten Durchlaufs mit bisher 13 Teams.

Sie sprachen an, dass Sie mit Inkubatoren und Acceleratoren zusammenarbeiten. Mit welchen zum Beispiel?

Die Kooperation, beispielsweise mit dem Tech Quartier in Frankfurt am Main, managen wir. Dort sind wir einer der Premium-Sponsoren. Auch für die Kooperation mit Axel Springer Plug and Play, die wir hatten, waren wir zuständig. Oder für die Zusammenarbeit mit dem Spinlab der Handelshochschule Leipzig. Wir stellen den Hubs Mentoren zur Verfügung, die die Fintechs begleiten. Wenn wir ein spannendes Unternehmen sehen, stellen wir den Kontakt zu unseren entsprechenden Facheinheiten her, die, wenn ein Projekt entsteht, dafür verantwortlich sind.

An welchen Themen arbeiten Sie derzeit im Innovation Lab?

Die Themen sind bunt und reichen vom Retail- über das Firmenkunden- bis ins Kapitalmarktgeschäft. Live in der Public-Beta-Phase ist zum Beispiel der VR Finanzguide, ein smarter Assistent für Kleinst- und Gewerbetreibende. Er unterstützt unsere Kunden, indem er lästige Aufgaben, etwa Rechnungserstellung, Mahn- und Rechnungswesen, weitgehend automatisiert. Wir haben ihn in Kooperation mit einem Fintech entwickelt. Die Teams verlassen das Innovation Lab nach drei Monaten wieder und die Produkte werden in der Linie weiterentwickelt. Diese frühe Integration in die Fachbereiche sehen wir als erfolgsentscheidend an. So soll das Innovation Lab der DZ BANK Gruppe als Beschleuniger zu Beginn wirken und helfen, die Dinge, zum Beispiel durch Kundenfeedback, in die richtigen Bahnen zu leiten.

Wie geht es für Ihre Kollegen aus den Fachbereichen weiter, die an der Idee mitgearbeitet haben?

Die Mitarbeiter der DZ Bank, die das Thema im Lab fachlich verantwortet haben, gehen wieder zurück in die Linie, nehmen das Thema mit und entwickeln es dort weiter. Neben der Idee, die geboren wurde, dient das Innovation Lab also auch zur Personalentwicklung. Vielleicht haben einige davor einmal ein Seminar zum Projektmanagement besucht, aber die wenigsten haben drei Monate lang in Vollzeit in der Rolle eines Product Owners agil entwickelt. Die Kollegen können danach ihr Know-how als Multiplikatoren in die Fachbereiche transferieren.

Die DZ Bank Gruppe engagiert sich derzeit in 25 Kooperationen mit Fintechs. Dazu gehört auch die Zusammenarbeit ihrer Tochtergesellschaft, der Reisebank, mit dem Blockchain-Unternehmen Ripple. Welche Partnerschaften finden Sie darüber hinaus besonders interessant?

Spannend ist zum Beispiel, dass wir uns strategisch an Trustbills beteiligt haben. Es handelt sich dabei um eine Factoring-Plattform, insbesondere für kleinteilige Forderungen, die darüber verbrieft werden und handelbar sind. Aufgrund der geringen Losgrößen gibt es bisher noch keine entsprechende Lösung, aber für die Kunden der Volks- und Raiffeisenbanken dürfte das Angebot spannend sein. Es soll im vierten Quartal 2017 live gehen.

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