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26.05.2021 | Innovationsmanagement | Interview | Onlineartikel

"Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, um AI ready zu werden"

Autor:
Andrea Amerland
4 Min. Lesedauer
Interviewt wurden:
Dr. Vanessa Just

arbeitet als Geschäftsführerin an der Entwicklung von Anwendungsszenarien für KI im Steuerbereich und ist Vorstandsvorsitzende der juS.TECH AG.

Dr. Wiebke Fellner

ist Senior Projektmanagerin in der Mobilitäts- und Logistikbranche.

Technologischer und digitaler Wandel sind Treiber für Innovationen. Damit Unternehmen zukunftsfähig bleiben, muss das Innovationsmanagement rechtzeitig auf solche Entwicklungen reagieren. Wie das gelingt und wie Firmen AI ready werden, sagen Vanessa Just und Wiebke Fellner.

Springer Professional: Innovationsmanagement und Technologie sollten Ihrer Ansicht nach Hand in Hand gehen, um die Zukunftsfähigkeit von Unternehmen zu sichern. Wie identifizieren Unternehmen Game Changer für ihr Geschäftsmodell rechtzeitig?

Vanessa Just: Für uns ist es essentiell, dass weder das Innovationsmanagement noch die Technologie, einen isolierten Bereich im Unternehmen darstellen. Von der geeigneten Strategie hängt es künftig ab, ob ein Unternehmen erfolgreich ist. Beides ist vor allem auch ein universeller Ansatz, der sich quer durch alle Unternehmensbereiche zieht. Und durch crossfunktionale Teams lässt sich nicht nur die Digitalisierung vorantreiben, sondern auch entsprechende Game Changer für das Geschäftsmodell identifizieren. Agile Methoden, intrinsisch motivierte und engagierte Mitarbeiter mit Sach- und Fachverstand sowie Marktnähe und operativer Erfahrung sind ein wichtiger Erfolgsfaktor für eine frühzeitige Identifikation, Umsetzung und auch letztendlich eine gelungene Transformation.

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Welchen Einfluss hat der schnelle technologische Wandel auf das Innovationsmanagement?

Wiebke Fellner: Innovationsmanagement in Unternehmen stellt eine koordinierte Umsetzung von Ideen dar - von der Entwicklung, Planung, Realisation bis zur kontinuierlichen Steuerung. Der schnelle technologische Wandel ist dabei im engeren Sinne einerseits Ergebnis des Innovationsmanagements und gleichzeitig der größte Treiber für Innovationen. Er beschleunigt die Prozesse inklusive der Kommunikation im Innovationsmanagement. Typischerweise erfolgt dies innerhalb von Organisationen. Innovationsmanagement, das Cross Industry stattfindet, ermöglicht dank des technologischen Wandels einen digitalen Austausch. Dies setzt voraus, dass Unternehmen die Bereitschaft haben zu Open Innovation.

Wie sind Organisationen idealerweise aufgestellt, um schnell genug auf technische Veränderungen reagieren zu können?

Vanessa Just: Eine entsprechende Struktur ist wichtig, aber der erste wesentliche Schritt muss in den Köpfen der Organisation und der Mitarbeiter gemacht werden. Ein großes Thema ist Change Management und die Veränderungsbereitschaft für technischen Wandel, die idealerweise vor der Einführung neuer Technologien einsetzen. Es geht nicht ums bloße 'Technologisieren' oder darum, Prozesse eins zu eins abzubilden, sondern im Idealfall um eine vollumfängliche Leistungssteigerung durch Prozess- und Datenverbesserung mittels Technologie. Dafür sind Agilität, flache Hierarchien, eine grundsätzliche Technologieoffenheit  und -begeisterung des Unternehmens, aber auch eine entsprechende Unternehmens- und Führungskultur wichtig. Technische Veränderungen bedingen auch organisationale, sodass Mitarbeiter in ihrem lebenslangen Lernprozess begleitet und Kompetenzprofile geschult werden müssen, die es mitunter bisher noch nicht gibt.

Welche Managementstrategien und -fähigkeiten sind bei Führungskräften notwendig, um sich an rasche Veränderungen anzupassen?

Wiebke Fellner: Das variiert je nach Branche. Grundlegend ist festzustellen, dass Agilität in einer zunehmend globalen Welt immer wichtiger wird. Dabei müssen Unternehmen und Führungskräfte flexibel und kurzfristig auf sich verändernde Marktanforderungen reagieren, statt an starren Strukturen und Fünf-Jahresplänen festzuhalten. Dies erfordert eine kontinuierliche Marktbeobachtung aus Unternehmenssicht und eine kritische Selbstreflexion der Führungskräfte. Darüber hinaus gehören Offenheit, Neugier nach innovativen Lösungen und ein intrinsischer Drang nach Optimierung von Prozessen und Produkten dazu. Daneben braucht es ausgeprägte Kommunikationsfähigkeiten, gerade bei flachen Hierarchien. Dies geht einher mit dem Vertrauen in die Mitarbeiterkompetenz. Auch eine offene Fehlerkultur ist relevant, die es ermöglicht aus Fehltritten zu lernen. 

Eine Technologie, die Unternehmen auf dem Schirm haben sollten, ist Künstliche Intelligenz (KI). Wie werden Firmen AI-ready und in welchem zeitlichen Rahmen sollten sie es werden, um zukunftsfähig zu bleiben?

Vanessa Just: Der jeweilige Weg zur AI Readiness ist zumeist unternehmensindividell, aber als ein praktikables Vorgehen hat sich ein Stufenvorgehen herauskristallisiert: Feasibility Study, Use Case Scoping, Proof of Concept, Business Case-Evaluierung, Produktivbetrieb. Auf diese Weise können sich Unternehmen KI sukzessive annähern, wobei mit jedem umgesetzten Use Case, dem hoffentlich ein passender Business Case zugrunde liegt, der auf eine Gesamtstrategie einzahlt, das Vertrauen in die Technologie wächst. Aber KI ist nur ein Werkzeug, nicht der Allheilsbringer. AI Readiness herzustellen, ist ein steiniger Weg, der über Prozesse und Daten führt.

Jedoch ist der Mehrwert unbestreitbar. "Die beste Zeit, einen Baum zu pflanzen, war vor zwanzig Jahren. Die nächstbeste Zeit ist jetzt", heißt es. So drastisch ist es mit KI noch nicht, aber ich würde doch sagen, dass genau jetzt der richtige Zeitpunkt für Firmen ist, AI-ready zu werden. KI ist keine Grundlageforschung mehr, kein F&E-Projekt und keine Frage der technologischen Machbarkeit. Ihr Einsatz ist eine Frage der Use Cases, Daten und Prozesse, vielleicht auch ein Stück weit des Mutes, neue Technologiewege zu gehen und sollte in den Business Units angekommen sein.

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