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08.08.2019 | Innovationsmanagement | Im Fokus | Onlineartikel

Deutsche Unternehmen schwächeln bei Innovationen

Autor:
Andrea Amerland

Im Mittelstand sinkt die Innovatorenquote und insgesamt fehlt es bei der Entwicklung neuer Produkte und Geschäftsmodelle in deutschen Unternehmen an Konsequenz. Dabei kann das Innovationsmanagement bereits mit kleineren Kniffen besser werden.

Nach Auffassung von Beratern und manchen Wissenschaftlern gibt es zwei zentrale Prozesse in Unternehmen, die es zu beherrschen gilt. Die Durchführung des bestehenden Geschäfts und die Generierung von Neugeschäft. Würden Unternehmen nicht innovieren, würde das bestehende Geschäft durch verbesserte Produkte der Wettbewerber oder technologische Umbrüche bedroht. Es gilt, durch eigene Produkte, Dienstleistungen und neue Geschäftsmodelle Wettbewerbsvorteile zu erlangen und den Wert des Unternehmens zu steigern."

Produktideen zu entwickeln und neue Geschäftsfelder zu erschließen, ist für Unternehmen lebenserhaltend, zeigt dieses Zitat aus dem Buchkapitel Innovationsmanagement 4.0. Die Springer-Autoren Rainer Völker, Andreas Friesenhahn und Dominik Seefeld definieren Innovationsmanagement darin als "die Planung, Steuerung, Organisation und die Führung dieses Prozesses des Neugeschäfts." (Seite 211) Innovationsmanagement ist funktionsbereichsübergreifend und liegt nicht allein in den Händen einer Abteilung. Vielmehr seien Forschung und Entwicklung, Marketing, Vertrieb, Produktion oder Einkauf in den Prozess eingebunden beziehungsweise davon tangiert.  

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Mittelstand bringt weniger Innovationen hervor

Doch gerade bei dieser wichtigen Säule für wirtschaftliche Resilienz schwächeln deutsche Unternehmen, so der aktuellste KfW-Innovationsbericht für die Jahre 2015/2017, für den mit einer Datenbasis von bis zu 15.000 Unternehmen pro Jahr Mittelständler analysiert werden. Laut Studie ist die Innovatorenquote im Mittelstand um vier Prozentpunkte auf 23 Prozent gesunken. Dieser Rückgang sei allein auf die negative Entwicklung bei den Produktinnovatoren, also der Zahl neuer oder verbesserter Produkte, zurückzuführen. 

Ihr Anteil erreicht mit 15 Prozent den niedrigsten Wert seit der Aufnahme des KfW-Mittelstandspanels im Jahr 2002. Insgesamt haben sich die Investitionen in Neuheiten in mittleren und kleineren Unternehmen (KMU) auf rund 30 Milliarden Euro verringert. Lediglich auf dem Gebiet der Prozessinnovationen zeigt sich – wohl aufgrund der Digitalisierung – ein positiver Trend (17 Prozent).

Erfolgsfaktoren Innovationsmanagement im digitalen Zeitalter

Doch es reicht nicht, nur Prozesse und administrative Aufgaben zu automatisieren. Unternehmen müssen auch Antworten auf disruptive Veränderungen, Digitalisierung und immer dynamischere Märkte finden, schreiben Völker, Friesenhahn und Seefeld und definieren Erfolgsfaktoren für das Innovationsmanagement im digitalen Zeitalter (Seite 222 f.):

  • Der Trend geht zu Geschäftsmodellen anstelle von Produkten und Dienstleistungen. Zum Beispiel kommt man bei Konzernen wie IBM immer stärker davon ab, in engen Produkt- oder Serviceentwicklungsprozessen zu denken. Dabei erlangen rein digitale Geschäftsmodelle zunehmend Bedeutung. 
  • Unternehmensumwelt und Partner gewinnen an Stellenwert. Via Open-Innovation-Ansätze gilt es, Ideen von außen aufzunehmen oder durch externe Partner umsetzen zu lassen. 
  • Agile Methoden halten verstärkt Einzug in die Produktentwicklung.
  • Die Digitalisierung wird für das Innovationsmanagement immer wichtiger. Viele Produkte oder Dienstleistungen sind ohne IT als Enabler nicht mehr denkbar. Wikis zum Wissensmanagement von Forschung und Entwicklung unterstützen im Innovationsprozess.
  • Eine Unternehmenskultur, die Innovation fördert, sollte in Unternehmen implementiert werden.

Daten- und Plattforminnovationen sowie Strategie fehlen

Doch obwohl Unternehmen die Bedeutung einer funktionierenden Innovationskultur erkannt haben (84 Prozent), sind sie bei der Umsetzung nicht konsequent genug, hat die Studie "Innovationskultur in deutschen Unternehmen: Halbherzige Initiativen oder ambitioniert in die Zukunft?" der Unternehmensberatung Axxcon unter 200 Entscheidern ermittelt. 

So haben weniger als ein Drittel der Unternehmen ihre Innovationsstrategie vorab klar definiert. 68 Prozent der Befragten geben sogar an, dass sich Ziele erst im Innovationsprozess entwickelten. Die Axxcon-Studie bestätigt Ergebnisse des Kfw-Innovationsberichts: Während die meisten Unternehmen sich auf Prozess- und Produkt-Innovationen konzentrieren (89 beziehungsweise 73 Prozent), werden Daten-Innovationen (54 Prozent) und Plattform-Innovationen (39 Prozent) eher vernachlässigt.

Digitale Innovationen kundengetrieben entwickeln

Gerade letztere digitale Innovationen erfolgen immer öfter kundengetrieben, schreiben die Springer-Autoren Michael Kolloch und Fabian Reck in einem Buchkapitel zum Thema und stellen ihr sogenanntes 5A-Modell als Technik oder Werkzeug vor, das Unternehmen beim betrieblichen Innovationsmanagement Hilfestellung bieten soll. Das Modell versucht, die positiven Effekte von Innovationsprozessen abzubilden, in die Kunden aktiv integriert sind und die Auswirkungen kundengetriebener Innovationen auf die Digitalisierungsbemühungen von Unternehmen abzubilden. Bei den 5 As handelt es sich um die Faktoren beziehungsweise Nutzenvorteile, die sich aus der Einbindung von Kunden ergeben. Sie lauten Akzeptanz, Attraktivität, Affektion, Aktualität und Anpassung. (Seite 130 ff.) 

So werde durch Aktualität bei einer kundengetriebenen Innovation die Chance einer erfolgreichen digitalen Transformation von Unternehmen erhöht oder sogar die Anpassungsfähigkeit des Unternehmens gesteigert. Die Kundenintegration vertieft aber auch die emotionale Bindung vom Endnutzer zum Unternehmen im Sinne einer Affektion (Wohlwollen, Neigung). Darüber hinaus stärke Attraktivität die eigene Marke und steigere das Bedürfnis beim Kunden, Produkte und Dienstleistungen des Unternehmens zu erwerben oder in Anspruch zu nehmen. Es spricht also einiges dafür, Produkte und Services kundenzentriert beziehungsweise -getrieben zu entwickeln.

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