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16.10.2017 | Innovationsmanagement | Im Fokus | Onlineartikel

Wird die IT von der Digitalisierung überrumpelt?

Autor:
Michaela Paefgen-Laß

Den digitalen Wandel haben sich die meisten Unternehmen auf die Agenda geschrieben. Aber Manager trauen weder ihrer IT eine erfolgreiche Transformation zu, noch haben CIOs Lösungen für IT-Setups parat. 

Langsam, wenig innovativ und bürokratisch: IT-Abteilungen in Unternehmen werden eher als verkrustete Dienstleister, denn als mutige Erneuerer wahrgenommen. Doch genau das wird von ihnen im wachsenden Maße erwartet. Sie sollen Unternehmen technologisch auf Vordermann, ihnen also den großen Digitalisierungsschub, bringen, flexibel sein, geschäftsorientiert agieren und selbstverständlich kaum Kosten verursachen. 

Einer Fachabteilung, deren Chefs selbst zugeben müssen, bei der Suche nach dem passenden Setup im Dunklen zu tappen, wird so ein Drahtseilakt zugemutet, vor dem offenbar nur die Schockstarre rettet. Doch wer auf die ultimative Lösung wartet, anstatt die Digitalisierung als moving target zu begreifen, wird bald den Anschluss verpasst haben, warnen Experten des Fraunhofer-Institus für angewandte Informationstechnik (FIT).

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Auf Digitalisierungslösungen warten lähmt

Welche Herausforderungen muss die IT im digitalen Wandel meistern können, was sind die Eigenschaften eines idealen IT-Setups und wie lässt sich das erreichen? CIOs international agierender Unternehmen und rund 140 internationale Führungskräfte berichteten der Projektgruppe Wirtschaftsinformatik des Fraunhofer-Instituts und der Unternehmensberatung A.T. Kearney in Interviews und Onlinebefragungen wie sich ihre IT dem Digitalisierungstrend stellt. Die Studie "Designing IT-Setups in the Digital Age" zeigt, zwar verfügen die meisten Unternehmen (70 Prozent) über eine digitale Agenda, scheitern aber an der Umsetzung, weil das Streben nach einer perfekten Lösung den Entwicklungsprozess blockiert und das digitale Selbstbewusstein hadert. Die Unsicherheiten sind groß:

  • 67 Prozent der Befragten glauben, dass ihre IT den Anforderungen an ein digitales Unternehmen nicht genügt.
  • 60 Prozent glauben, dass ihre IT-Setups dem Wettbewerb nicht standhalten können.
  • 43 Prozent befürchten, dass Wettbewerber ihnen bei den disruptiven Technologien voraus sind, weniger als 13 Prozent beobachten aber die Digitalisierung des Wettbewerbs.
  • 40 Prozent bezeichnen sich selbst als digital beginners, 27 Prozent als digital derniers.
  • 66 Prozent halten Labs nicht mehr für die richtige Herangehensweise.
  • 77 Prozent wollen die Trennung zwischen Business und IT aufheben.
  • 44 Prozent der Führungskräfte und 28 Prozent der CIOs sind für eine modular aufgebaute IT mit einer Verschmelzung der digitalen Ökosysteme. 

IT in Ökosysteme integrieren

Business und IT müssen stärker miteinander verschmelzen, so das Fazit der Studienautoren. Konzepte von Solution-Teams, die eine Ende-zu-Ende-Verantwortung für alle Beteiligten voraussetzen, halten sie für besser geeignet als Vorschläge, die zwar schnelle Ergebnisse lieferten, aber schwer integrierbar seien. Ein funktionierendes Business-IT-Alignment ist auch nach Ansicht der Springer-Autoren Nils Urbach und Frederik Ahlemann Ziel und und kontinuierliche Herausforderung bei der Entwicklung der Unternehmens-IT. Von klassischen service-orientierten Aufgaben wie Infrastukturbetrieb und Anwendungsentwicklung muss eine gestalterisch wirkende IT sich allmählich lösen und stattdessen anfangen, mit den Fachbereichen Innovationen zu entwickeln und verwirklichen. "Konzepte wie Co-Location, IT-Innovationsmanagement und Facharchitekturmanagement können als Vorboten einer 'neuen IT' verstanden werden, die die bloße Rolle des IT-Dienstleisters verlässt und als Berater, Enabler und Innovator tätig wird", schreiben die Autoren (Seite 26).  IT-Lösungen sollen also künftig dort entstehen können, wo sie benötigt werden: in den Fachabteilungen. Wie aber definiert sich die IT nach der Verschmelzung mit den Ökosystemen?

Schatten-IT als Chance

Dass mit voranschreitender Digitalisierung und den immer bequemer zu handhabenden Tools, jeder Fachbereich seine IT-Lösungen einfach selbst in die Hand nehmen kann, ist gelebte Praxis und hat die Unternehmens-IT allmählich zu einer Schatten-IT werden lassen. Risiken, die die individuelle Datenverarbeitung hinsichtlich Cyber-Security und Compliance mit sich bringt, lassen sich laut Urbach und Ahlemann nur durch Reorganisation und Aufgabenteilung von IT und Business umgehen. Die Schatten-IT wird legalisiert und als Chance verstanden. Als Transitionsmodell ist die Organisationsform Co-Location denkbar. Die in die Fachbereiche eingebetteten, aber disziplinarisch der IT-Organisation unterstellten Mitarbeiter fungieren dann vor Ort als "Demand Manager, fachliche Applikationsverantwortliche, Architekten oder Business Analysten, zum Teil aber auch als Softwareentwickler in agilen Softwareentwicklungsprojekten direkt auf der Fachseite" (Seite 74).

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