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16.05.2018 | Innovationsmanagement | Im Fokus | Onlineartikel

KMU zögern bei tiefgreifender Digitalisierung

Autor:
Johanna Leitherer

Der digitale Wandel wirkt sich auf die gesamte Wertschöpfungskette aus. Viele kleine und mittelständische Unternehmen haben das nicht vollends erkannt, weshalb sie sich oft nur auf die Optimierung einzelner interner Prozesse konzentrieren.

Kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) gelten als besonders stark bei Neuentwicklungen. Wenn es darum geht, Innovationen im eigenen Unternehmen einzuführen, glänzen KMU aber nur bedingt durch Agilität. Auch die Kosten, die bei der Investition in neue Technologien und Anwendungen anfallen, schrecken viele mittelständische Entscheider ab. Im Vergleich mit kapitalstarken Großunternehmen oder agilen Start-ups wirkt die digitale Transformation im deutschen Mittelstand deshalb behäbig und wird nur auf ausgewählten Gebieten vorangetrieben.

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Digitalisierung als Wegbereiter für effizientere Wertschöpfungsnetzwerke

Im digitalen Zeitalter wird eine stärkere Vernetzung der Unternehmen über die Funktionssowie Organisationsgrenzen hinweg intensiver denn je diskutiert. Dies lässt erwarten, dass dem Supply Chain Management (SCM) sowie der Logistik als klassische Schnittstellenfunktionen eine wachsende Bedeutung zuteilwerden wird und sich die traditionellen Rollen grundlegend verändern werden.


Einer aktuellen Studie des Bonner Instituts für Mittelstandsforschung (IfM) zufolge setzt mehr als ein Drittel der KMU auf Enterprise Resource Planning (ERP), um den Datenaustausch zwischen den einzelnen Sachabteilungen zu erleichtern. Mit Zulieferern und Abnehmern stehen immerhin noch 28 Prozent der befragten Unternehmen in digitalem Kontakt. 46 Prozent verlassen sich zudem auf ein digitales Customer-Relationship-Management (CRM) zur Kundendatenverwaltung. Kleine und mittelständische Unternehmen investieren folglich vor allem dann in die Digitalisierung, wenn diese interne Prozesse vereinfacht und Möglichkeiten zur Kosteneinsparung verspricht.

Transformation der Wertschöpfungskette

"Zwar liegen die Unternehmen damit richtig, dass mit der Digitalisierung von Geschäftsprozessen signifikante Kostenvorteile einhergehen, allerdings greift diese Auffassung auf Dauer zu kurz. Denn neben diesen Kostenreduktionen ist es auf lange Sicht vor allem die Transformation der Wertschöpfungskette und die digitale Vernetzung innerhalb und außerhalb des Unternehmens, die die Wettbewerbsfähigkeit aufrechterhalten kann", stellen die Springer-Autoren Christian Leyh, Katja Bley und Marko Ott im Buchkapitel "Chancen und Risiken der Digitalisierung – Befragungen ausgewählter KMU" fest (Seite 35).

Zu diesem Schluss kommt auch das IfM. Denn obwohl deutsche KMU in Sachen Digitalisierung anteilsmäßig über dem EU-Durchschnitt liegen, beobachten die Studienautoren, dass wichtige Chancen innerhalb der Wertschöpfung ungenutzt bleiben. So hat die Mehrheit der befragten Unternehmen beispielsweise noch keinen wirtschaftlichen Nutzen aus ihrem Customer Relationship Management-System (CRM) gezogen: Lediglich fünf Prozent werten gesammelte Kundeninformationen auch aus. Ebenfalls widersprüchlich bewegen sich KMU im Internet. Fast alle verfügen mittlerweile über eine Webseite und mehr als die Hälfte shoppt online. Jedoch nutzt gerade einmal ein Fünftel der Mittelständler das Web auch selbst als Absatzkanal.

Hindernisse überbrücken

Kleine und mittelständische Unternehmen tun sich demnach schwer, wertschöpfende und unterstützende Prozesse gleichermaßen zu digitalisieren. Laut den Springer-Autoren Leyh, Bley und Ott wird das Potenzial moderner Informations- und Kommunikationstechnik "insbesondere in den Bereichen integrierter Anwendungssoftware, Unterstützung von Produktion und Logistik sowie Nutzung von Cloud-Diensten" noch nicht ausgeschöpft (Seite 49). 

Doch was genau hindert die Mittelständler daran, in digitale Innovationen mutiger zu investieren? Ein Springer-Autorenteam ist dieser Frage im Buchkapitel "Innovationshemmnisse für kleine und mittlere Unternehmen" auf den Grund gegangen. Eine Untersuchung brachte dabei sechs entscheidende Faktoren zutage, die die Modernisierung des Betriebs hemmen (Seite 297): 

  • wahrgenommenes Ungleichgewicht von Risiken und Chancen
  • fehlende Kompatibilität mit dem täglichen Arbeitsablauf
  • fehlende Anpassung an individuelle Geschäftsprozesse
  • Komplexität bei Infrastrukturinvestitionen
  • mangelndes IT-Wissen
  • Kosten für die Einrichtung

Unbegründete Sorgen

Vor allem das Investitionsrisiko, dem kleine und mittelständische Betriebe im Gegensatz zu Großunternehmen besonders ausgesetzt sind, kann auch laut den Experten des IfM als Erklärung für die Digitalisierungsscheu der KMU herangezogen werden. Dass viele Umfrageteilnehmer ihre Zurückhaltung allerdings mit Sorgen vor beispielsweise Cyber-Spionage begründen, können die Studienautoren nicht nachvollziehen. Denn besonders Cloud-Computing stellt angesichts zertifizierter und damit sicherer Anbieter kein Vabanquespiel dar, wie KMU oftmals fürchten. 

Eine zukunftsweisende Digitalstrategie steht und fällt also auch mit dem Know-how. KMU sind gut beraten, ihre Wissenslücken aktiv zu schließen, indem sie sich fachkundige Berater ins Haus holen oder sogar einen Chief Digital Officer (CDO) einstellen. Dieser plant und steuert die digitale Transformation des Unternehmens systematisch. Digitalisierung ist damit eine Frage der Expertise, der Einstellung, und nicht zuletzt der richtigen Budgetverteilung.

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