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15.03.2018 | Innovationsmanagement | Im Fokus | Onlineartikel

Innovativer durch Coworking?

Autor:
Annette Speck

Coworking liegt voll im Trend. Eine Studie des Fraunhofer IAO hat verschiedene Modelle analysiert und attestiert ihnen, innovationsfördernd zu sein. Eine Garantie gibt es dabei nicht, Risiken schon.

Laut Statistik existierten im Jahr 2007 weltweit gerade mal 14 Coworking Spaces. 2016 lag die Zahl bei über 11.000. Und für das Jahr 2020 werden mehr als 26.000 solch gemeinschaftlicher Arbeitsräume rund um den Globus prognostiziert (Quelle: Statista). Insbesondere Start-ups und Freelancer, die "irgendwas mit Digitalisierung" machen, agieren von Coworking Spaces aus.

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Raus aus der Unternehmensblase

Zunehmend entdecken aber auch etablierte Unternehmen diese Arbeitswelt für sich. Nicht zuletzt, weil Innovationen häufig nicht aus internen Entwicklungen hervorgehen. "Gesellschaftliche Trends, kulturelle Phänomene, politische Rahmenbedingungen, geänderte Kundenwünsche und ein herausforderndes Anwendungsumfeld sind oft Quelle und Ursprung neuer Entwicklungen", erklären Daniela Freudenthaler-Mayrhofer und Teresa Sposato in dem Fachbeitrag "Das externe Umfeld als Initiator" (Seite 155/156).

Doch das Coworking-Modell lockt Firmen nicht nur, um Inspiration zu tanken. Zuweilen geht es eher darum, Bürokosten zu sparen, wie Michael Kläsgen in der "Süddeutschen Zeitung" klarstellt und damit die hippen Bürohäuser ein Stück weit entzaubert. Denn längst sind neben individuellen Coworking-Initiativen international agierende Ketten wie WeWork, Mindspace oder Tech Hub entstanden, die das Gemeinschaftsbüro als Geschäftsmodell entdeckt haben: In zahlreichen Metropolen bieten sie flexible Arbeitsplatzinfrastruktur von Schreibtischen in offenen Großraumbüros über Einzelbüros bis zu Konferenzräumen an.

Digitale Nomaden prägen die Grundwerte

Wenngleich deutlich kommerzorientierter, docken auch diese Coworking-Filialisten an die Grundwerte ihrer Wegbereiter an: Kooperation/Austausch, Gemeinschaft, Nachhaltigkeit, Offenheit und Zugänglichkeit. Schließlich haben sie das Arbeitsmodell der digitalen Nomaden geprägt und machen es attraktiv und erfolgreich.

Dies bestätigt die Studie "Coworking – Innovationstreiber für Unternehmen" des Fraunhofer Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO, die sich mit den Potenzialen des Corporate Coworking für Unternehmen befasst. Insbesondere untersuchten die Forscher, inwieweit Coworking die Innovationsfähigkeit von Unternehmen unterstützen kann. Sie differenzieren dabei zwischen verschiedenen Coworking-Ausprägungen:

Modelle des Corporate Coworking 
  1. Coworking statt Home Office
  2. Temporäre Anmietung von Team- oder Projektflächen
  3. "Teil-Sabbatical" oder "Innovation Camp"
  4. Coworking mit Zulieferern, Dienstleistern oder Entwicklungspartnern
  5. "Ideenschmiede" - Betrieb eines eigenen Coworking Space, auch für Freelancer und Start-ups
  6. Coworking im Rahmen von Accelerator- oder Inkubator-Programmen
  7. Coworking Spaces als Entwicklungsdienstleister
  8. Interner Coworking Space innerhalb des Unternehmensstandortes
  9. Coworking im Verbund mit anderen Unternehmen

Zur Einschätzung der Chancen und Risiken der einzelnen Coworking-Modelle wurden Führungskräfte aus Firmen unterschiedlichster Größe online befragt.

Die Auswertung, die auf 95 Rücksendungen basiert, zeigt, dass jedes dieser Modelle seine eigenen, spezifischen Vor-­ und Nachteile hat. Als Pluspunkte wurden vielfach die Verbesserung der Innovationsfähigkeit, der Zugewinn von Know-how und eine höhere Flexibilität genannt. Zu den meistgenannten Risiken zählen höhere Kosten, die Verschlechterung der Informationssicherheit sowie die erschwerte Organisation der Zusammenarbeit.

Coworking-Modell auf Ziele abstimmen

Insgesamt sehen die meisten Befragten große Chancen, durch Corporate Coworking vielfältige strategische Wettbewerbsvorteile zu verwirklichen und bewerten die Chancen deutlich höher als die Risiken. "Corporate Coworking ist ein Zukunftsmodell für viele Unternehmen, insbesondere auch dann, wenn diese ihre Innovationskraft stärken wollen", resümiert Klaus-Peter Stiefel, einer der Studienautoren. Wesentlich sei, dass Corporate Coworking keine einheitliche Universallösung biete. Das Funktionieren von Corporate Coworking als Innovationstreiber resultiere aus der Wahl des geeignetsten Coworking-Modells. Unternehmen, die sich für Corporate Coworking interessieren, sollten sich in jedem Fall vorab über ihre konkreten Ziele klar werden. Um praktische Erfahrungen zu sammeln und Lernprozesse in Gang zu bringen, empfehlen die Studienautoren, Projektgruppen temporär in Coworking Spaces zu entsenden.

Wie unterschiedlich deren Ausrichtung sein kann, stellen Lucia Marchegiani und Gabriella Arcese in dem Buchkapitel "Collaborative Spaces and Coworking as Hybrid Workspaces: Friends or Foes of Learning and Innovation?" anhand einiger Beispiele vor (Seite 62 ff): So ist etwa das europäische Coworking-Netzwerk Talent Garden branchenübergreifend auf die Förderung digitaler Innovationen ausgerichtet. Der italienische Coworking Space Gottifredo fokussiert sich auf die Bereiche Media und Kunst in kulturellen, ökonomischen und technologischen Kontexten. Und das Coworking-Projekt I Love Mum in Rom richtet sich vorrangig an Eltern mit kleinen Kindern, für die außer einem Büroplatz auch Babysitter, Workshops und Eltern-Kind-Kurse angeboten werden.

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