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Über dieses Buch

ler Innovation? Welche Akteure agieren als Vermittler zwischen den Kontextbedin­ gungen und der Institutionalisierung von Quotenverfahren in einer Partei? Durch welche diskursiven Prozesse und welche gezielten Handlungen findet diese Ver­ mittlung statt? (2) Wie lässt sich der untersuchte Prozess institutioneller Innovation unter insti­ tutionentheoretischer Perspektive darstellen? Wie ändern sich verschiedene Pro­ zessdimensionen im Verlauf einer erfolgreichen institutionellen Innovation? In wel­ cher Weise wirken sich die charakteristischen Merkmale der politischen Sphäre auf den Prozess aus? Welche Schwellen sind bei der Entwicklung von der Forderung nach Quotierung bis hin zu ihrem habitualisierten Vollzug zu überwinden? Welche Bedingungen ermöglichen oder erschweren es jeweils, die einzelnen Schwellen zu überwinden? Unter welchen Bedingungen stagniert der Institutionalisierungsprozess oder entwickelt sich rückläufig? Können - unter zu bestimmenden Bedingunge- einzelne Schwellen ausgelassen oder in der Reihenfolge verändert werden, sind also verschiedene Prozessverläufe möglich? Welche Auswirkungen haben bestimmte Prozessverläufe in einer Partei auf die späteren Möglichkeiten anderer Parteien, Quotenverfahren zu institutionalisieren? Aus der Darlegung der Forschungsperspektive und der Formulierung dieser Fragen ergibt sich auch, welche Zielsetzungen mit der vorliegenden Untersuchung nicht verfolgt werden. Einige der möglichen Erwartungen, die bei der Lektüre der Arbeit enttäuscht würden, sollen kurz genannt werden. Erstens zielt die Arbeit nicht darauf ab, die untersuchten Länder oder die unter­ suchten Parteien zu beschreiben. Eine systematische Deskription von Geschichte und Charakteristika der Länder und Parteien ginge am Forschungsinteresse vorbei und würde zudem den Rahmen der Arbeit sprengen. Lediglich Merkmale von Län­ dern und Parteien, die für die Argumentation wichtig sind, werden erläutert.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Empirischer Untersuchungsbereich, theoretische Perspektive und methodische Überlegungen

1. Einführung

Zusammenfassung
Im Frühjahr 2000 wurde mit Angela Merkel zum ersten Mal eine Frau Vorsitzende einer der großen bundesdeutschen Parteien. Ihre Partei, die CDU Deutschlands, hatte erst dreieinhalb Jahre vorher, nach sehr kontroverser Diskussion und einem fehlgeschlagenen Versuch, eine Frauenquote in ihre Satzung eingeführt. Nach der vielbeachteten Wahl Merkels zur Parteivorsitzenden und einiger weiterer Frauen in den Bundesvorstand schlug Bernhard Vogel vor, die Quotenregelung auslaufen zu lassen.
Katharina Inhetveen

2. Gegenstand, Forschungsinteresse und methodisches Vorgehen

Zusammenfassung
Die politische Beteiligung von Frauen wird seit den siebziger Jahren in der Öffentlichkeit und den politischen Parteien umfassend diskutiert. Spätestens seit 1986 gilt Norwegen als eines der Länder, in denen die Partizipation von Frauen in der Politik am stärksten entwickelt ist. In diesem Jahr bildete die Ministerpräsidentin Gro Harlem Brundtland ihre sogenannte „Frauenregierung“, in der Frauen knapp die Hälfte der Ministerposten besetzten. Auch alle späteren Regierungen orientierten sich an einem Mindestwert von 40 Prozent Frauen. Im nationalen Parlament Norwegens, dem Storting, stieg der Frauenanteil von 9,3 Prozent zu Beginn der siebziger Jahre bis auf den bisherigen Höchstwert von 39,4 Prozent in der Wahlperiode 1993–1997 (vgl. Bergqvist u.a. (Hg.) 1999: 277). Mit weiblichen Vorsitzenden in der Mehrzahl der Parlamentsparteien erreichten Frauen eine hohe Sichtbarkeit im politischen Leben (vgl. Skjeie 1998: 183).
Katharina Inhetveen

Vergleichende Analysen

3. Länderspezifische Bedingungen für institutionelle Innovation

Zusammenfassung
Hohe Institutionalisierung ist in der hier zugrundegelegten theoretischen Perspektive eng mit Selbstverständlichkeit verknüpft. Handelnde empfinden institutionalisierte Handlungsmuster als „normal“ oder „natürlich“. Um sie zu reproduzieren, ist kein strategisches Handeln und damit auch keine explizite Thematisierung nötig. Wie Jepperson (1991: 147, 160) betont, geht Selbstverständlichkeit nicht notwendigerweise damit einher, dass etwas unbewusst ist oder nicht bedacht wird. Es gibt Handlungsmuster, die bewusst und gleichzeitig selbstverständlich sind. Wenn allerdings Handlungsmuster bestehen, ohne dass sie thematisiert werden beziehungsweise bewusst sind, deutet das auf ihre Selbstverständlichkeit hin. Je schwächer dagegen ein Handlungsmuster institutionalisiert ist, desto mehr hängt seine Reproduktion von expliziten Begründungen und damit Thematisierung ab (vgl. Nedelmann 1995: 17f., 20). Wird ein Handlungsmuster vollzogen, aber nicht thematisiert, lässt dies auf hohe Institutionalisierung schließen. Um von der Thematisierung eines Handlungsmusters auf seine schwache Institutionalisierung schließen zu können, sind dagegen weitere Indikatoren nötig.
Katharina Inhetveen

4. Parteienvergleich

Zusammenfassung
Einzelne Parteien haben ihre eigene Geschichte, unterschiedliche Traditionen, organisatorische Charakteristika, vorherrschende Deutungsmuster und Handlungsroutinen (vgl. Hirsch 1997: 1718). Für ein bestimmtes Vorhaben institutioneller Innovation bieten sie daher auch innerhalb eines Parteiensystems je unterschiedliche Voraussetzungen. Dies hat spezifische Unterschiede in den Verläufen von Institutionalisierungsprozessen zur Folge. Quotenverfahren wurden in einzelnen Parteien zu je verschiedenen Zeiten — wenn überhaupt — eingeführt und in unterschiedlichem Ausmaß umgesetzt und institutionalisiert (für einen knappen Überblick über die Geschichte von Quotenregelungen in den 13 untersuchten Parteien sei auf den Anhang verwiesen).
Katharina Inhetveen

Der Prozess institutioneller Innovation

5. Dimensionen des Prozesses institutioneller Innovation

Zusammenfassung
In dem nun folgenden synthetischen Teil der Arbeit werden die Ergebnisse der vergleichenden Fallanalysen sowie weitere Befunde aus dem Material zu einem Prozessmodell institutioneller Innovation integriert. Das Modell identifiziert vier Schwellen oder „critical junctures“ (vgl. Lipset/Rokkan 1967: 47) im Verlauf geplanter Institutionalisierung. Diese Hürden bilden die Übergänge zwischen den einzelnen Phasen des Prozesses. In jeder Phase müssen bestimmte Bedingungen erfüllt werden, um die nächste Schwelle zu überwinden; dem wirken jeweils spezifische Hindernisse entgegen.
Katharina Inhetveen

6. Erste Schwelle: Die Innovationsforderung als Konfliktgegenstand

Zusammenfassung
Um eine institutionelle Innovation in Gang zu bringen, muss in einer politischen Partei die Neuerung explizit vorgeschlagen und innerparteilich auf breiter Basis diskutiert und gefordert werden. Solange nur Außenseiter eine Forderung vertreten, wird sie nicht in Satzung und Handlungsweise der Partei Eingang finden. Die erste Hürde für institutionelle Innovation in politischen Parteien besteht somit darin, die gewünschte Neuerung zu einem Konfliktobjekt der innerparteilichen Diskussion zu machen. Der zentrale Indikator dafür, dass diese Hürde überwunden und die Forderung zum umfassend diskutierten Thema geworden ist, ist ein Antrag bei einem Parteitag, die angestrebte Handlungsweise als Vorschrift in die Parteisatzung aufzunehmen. Die im Folgenden behandelte erste Phase institutioneller Innovation, in der die Forderung nach Innovation zum innerparteilichen Konfliktgegenstand wird, verläuft somit bis zur Antragstellung.
Katharina Inhetveen

7. Zweite Schwelle: Einführung einer formalen Regelung

Zusammenfassung
In der Mehrzahl der Fälle, in denen Quotenverfahren umgesetzt werden, geschieht dies auf der Grundlage einer Satzungsvorschrift. Dies weist allgemein darauf hin, dass institutionelle Innovation in formalen Organisationen in der Regel über die Einführung einer Rechtsnorm erfolgt. Formale Parteibeschlüsse und insbesondere die Parteisatzung dienen dazu, verbindliche Handlungsnormen festzuschreiben. So wird angestrebt, die erwünschte Handlungsweise zunächst entstehen zu lassen, was erst ihre Verfestigung ermöglicht.
Katharina Inhetveen

8. Dritte Schwelle: Umsetzung des formalen Beschlusses

Zusammenfassung
Eine formale Quotenvorschrift gewährleistet noch keine tatsächliche Quotierung, dies machen die Erfahrungen von Politikerinnen und Politikern deutlich. Eine Satzungsvorschrift hat nicht automatisch Geltung. Damit sie handlungsrelevant wird, müssen weitere Bedingungen erfüllt werden.88 Wie die untersuchten Fälle zeigen, ist eine Satzungsvorschrift oft eine notwendige, jedoch keine hinreichende Bedingung dafür, dass Quotierung stattfindet. Formal beschlossene Handlungsvorschriften müssen implementiert und ihre Umsetzung aufrechterhalten werden.89
Katharina Inhetveen

9. Vierte Schwelle: Der Übergang zur Selbstverständlichkeit

Zusammenfassung
Wie die Institutionenliteratur mehrfach betont, hat die bloße Zahl der Wiederholungen bereits den Effekt, dass eine Handlung als „normal“ wahrgenommen wird. Wird sie oft genug vollzogen oder erlebt, dann wird sie zu einem Handlungsmuster, das die Beteiligten erwarten und auf das sie selbst zurückgreifen:
„Alles menschliche Tun ist dem Gesetz der Gewöhnung unterworfen. Jede Handlung, die man häufig wiederholt, verfestigt sich zu einem Modell, welches unter Einsparung von Kraft reproduziert werden kann und dabei vom Handelnden als Modell aufgefaßt wird“ (Berger/Luckmann 1980: 56).
Katharina Inhetveen

Schluss

10. Zusammenfassung und zentrale Ergebnisse

Zusammenfassung
Die vorliegende Arbeit untersucht die geplante Institutionalisierung geschlechtsbezogener Quotenregelungen in politischen Parteien. Die Materialbasis besteht aus über 60 Leitfadeninterviews mit deutschen und norwegischen Parlamentsabgeordneten und mehreren Mitarbeiterinnen norwegischer Parteien und Ministerien sowie zahlreichen Dokumenten. In vergleichender Vorgehensweise wird zunächst analysiert, inwieweit die verschiedenen Parlamentsparteien in Deutschland und Norwegen Quotenverfahren institutionalisiert haben. Die festgestellten Unterschiede werden auf bestimmte Merkmale der nationalen Kontexte einerseits und der jeweiligen Parteien andererseits zurückgeführt. Dabei wird insbesondere die Bedeutung verschiedener kultureller Deutungsmuster, Akteursformationen und Parteiorganisationen aufgezeigt. An die Ergebnisse der länder- und parteienvergleichenden Analyse anschließend, wird am Fall der Quotierung ein mehrdimensionales Schwellenmodell institutioneller Innovation entworfen. Die Bedingungen, unter denen die vier Schwellen des modellierten Prozesses überschritten und Quotenverfahren institutionalisiert werden können, werden untersucht. Ihre Institutionalisierung ist gleichwohl nicht irreversibel, und es werden Faktoren diskutiert, die ihre Stabilität beeinflussen und einer Deinstitutionalisierung Vorschub leisten können.
Katharina Inhetveen

Backmatter

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