Interesse für Mathematik wecken – Talente fördern
Vielfältige Angebote für Schülerinnen und Schüler
- 2024
- Buch
- Herausgegeben von
- Stephanie Schiemann
- Verlag
- Springer Berlin Heidelberg
Über dieses Buch
In dem vorliegenden Buch trägt die Herausgeberin ihre vielfältigen Erfahrungen und Kontakte bzgl. der mathematischen Fördermöglichkeiten für Schülerinnen und Schüler innerhalb und außerhalb des Schulunterrichts zusammen. Zahlreiche aktiv Verantwortliche stellen ein breites Spektrum an mathematischen Angeboten, Förderprojekten und Mathematik-Wettbewerben vor. Zudem kommen ehemalige Teilnehmende sowie mathematische Koryphäen zu Wort. Sie beantworten Fragen der Herausgeberin zu ihrem persönlichen, mathematischen Werdegang: ihrer Förderung, Ausbildung und ihrem jetzigen Wirkungsfeld. Pädagogische und psychologische Aspekte umrahmen die Erfahrungen.
Inhaltsverzeichnis
-
Frontmatter
-
Pädagogische und psychologische Aspekte
-
Frontmatter
-
1. Begabte und leistungsfähige Schülerinnen und Schüler im regulären Mathematikunterricht fördern
Volker UlmZusammenfassungMathematikunterricht ist für alle Schülerinnen und Schüler gleichermaßen da. Er zielt darauf ab, dass alle Kinder und Jugendlichen ihre mathematikbezogenen Potenziale bestmöglich entwickeln. Dies gilt insbesondere auch für mathematisch besonders begabte Schülerinnen und Schüler. Sie verbringen in der Regel über ihre gesamte Schulzeit hinweg mehrere Stunden pro Woche im Mathematikunterricht und diese Zeit gilt es, möglichst optimal zu nutzen. In diesem Sinne gibt der vorliegende Beitrag Impulse, den regulären Mathematikunterricht als wesentlichen Ort zur Begabtenförderung zu sehen und entsprechend zu gestalten (neben außerunterrichtlichen Förderangeboten wie etwa Wettbewerben, Enrichment-Kursen, Korrespondenzzirkeln, Ferienseminaren oder dem Schülerstudium). -
2. Was sollte und was kann Hochbegabtenförderung im Bereich der Mathematik leisten? – Unsere Antwort: Das „Hamburger Modell“
Karl Kießwetter, Marianne Nolte, Kirsten Pamperien, Stephanie SchiemannZusammenfassungDas „Hamburger Modell“ wurde 1981/82 interdisziplinär von Mitgliedern der Fachbereiche Psychologie, Mathematik und Erziehungswissenschaft der Universität Hamburg konzipiert und wird seit 1983 unverändert in Hamburg und seit 1984 im benachbarten Teil von Niedersachsen mit leichten ländlichen Modifikationen praktiziert. Nimmt man das nun schon über viele Jahre beobachtbare, unverändert engagierte und langfristige Mitwirken der Teilnehmenden, aber auch der Betreuenden, und deren Reife- und Entwicklungsprozesse in den beteiligten und gewollt selbstorganisierenden Systemen als Maßstab, so liefert dieses „Hamburger Modell“ eine sehr gute und vor allem eine zukunftsträchtige, da die unvermeidbare Komplexität von Realität hinreichend berücksichtigende, Antwort auf die Eingangsfrage. In diesem Artikel werden langjährige Beobachtungen, konzeptionelle Überlegungen und die daraus sich ergebenden Anstöße zur Theoriebildung über Hochbegabung im Bereich der Mathematik angerissen. -
3. Was hat eigentlich mathematische Talentförderung mit Mädchenfreundschaften und modernen Arbeitsmethoden zu tun?
Susanne Bär, Katharina Drope, Anja Victorine Hartmann, Claudia Roggenkamp, Wiebke Wolkenhauer, Stephanie SchiemannZusammenfassungFünf Teilnehmerinnen Susanne Bär (SB), Dr. Katharina Drope (KD), Dr. Anja Victorine Hartmann (AH), Claudia Roggenkamp (CR) und Wiebke Wolkenhauer (WW) der allerersten Hamburger Talentsuche, die sich im Sommer 1983 bei den Mathe-Samstagen kennenlernten, sind bis heute miteinander in Kontakt und teilweise nach wie vor gut miteinander befreundet. In diesem Gespräch mit Stephanie Schiemann (StS) reflektieren sie gemeinsam darüber, wie sie seinerzeit zur Talentsuche Mathematik gekommen sind, welche Rolle ihre Begabungen in ihrem schulischen und privaten Umfeld spielten, was die samstäglichen Mathetreffen für sie als Teenagerinnen bedeuteten und was sie für ihr Leben und für ihre eigenen Kinder daraus mitgenommen haben. In aller Kürze: eine Gemeinschaft von Gleichgesinnten, gemeinsamer Humor und Diversität, Problemlösungskompetenz und Teamarbeit und nicht zuletzt die Erkenntnis, dass (messbare) Begabung allein niemanden im Leben weiterbringt – und schon gar nicht glücklich macht. -
4. Mathematik ist PriMa – Begabtenförderung in der Grundschule und darüber hinaus
Marianne Nolte, Kirsten PamperienZusammenfassungIn diesem Kapitel werden wesentliche Aspekte unserer Talentsuche sowie der Förderung von mathematisch besonders begabten Grundschülerinnen und Grundschülern im sogenannten „Uniprojekt“ vorgestellt. Dieses wird in Kooperation zwischen der Universität Hamburg, der Hamburger Behörde für Schule und Berufsbildung und der William-Stern-Gesellschaft durchgeführt. Die Förderung wendet sich an mathematisch interessierte Kinder der 3. und 4. Klassen. Nach einer dreistufigen Talentsuche, die einen Probeunterricht, einen Mathematiktest und einen Intelligenztest beinhaltet, wird 50 Kindern ein Platz in der Fördergruppe angeboten. Das Uniprojekt ist ein Förder- und Forschungsprojekt. Ein Schwerpunkt liegt bei dem besonderen Aufgabenformat, den sogenannten Progressiven Forscheraufgaben. Anhand eines Beispiels werden konkrete Anforderungen in Problemlöseprozessen beschrieben. Das Modell der Entwicklung mathematischer Begabung zeigt die Wechselwirkung verschiedener Faktoren auf, deren Wirkungsgefüge Einfluss auf die Entfaltung besonderer mathematischer Begabung hat. Neben den Aufgaben und der Methode ist auch die besondere Art der Schulung der Tutorinnen und Tutoren von erheblicher Relevanz. Die genannten Aspekte sind grundsätzlich auf die Förderung höherer Altersstufen anpassbar. -
5. Mathematische Hochbegabung – die zehn erfolgreichsten Motivationskiller und wie man sie vermeidet
Karin JoderZusammenfassungIn diesem Beitrag wird aufgezeigt, warum mathematisch sehr begabte Schülerinnen und Schüler leider nicht automatisch in der Schule und im Studium erfolgreich sind, die Freude an der Mathematik verlieren, zum „Underachiever/schulischen Minderleister“ und sogar zum „Schulversager“ werden können. Es wird plastisch skizziert, welche typischen Faktoren oder auch „Stolperfallen“ vorhanden sind, die dazu führen können, dass begabte Kinder und Jugendliche deutlich unterhalb ihrer tatsächlichen Möglichkeiten bleiben. Auch werden konkrete Anregungen gegeben, die sicher kein Patentrezept darstellen, da jede Situation individuell ist und daher auch individuell zu lösen ist. Mit den Anregungen soll Mut gemacht werden, dass es möglich ist, scheinbar festgefahrene und unschöne Situationen sowohl für betroffene Schülerinnen und Schüler als auch für deren Lehrkräfte positiv zu verändern und dadurch die Freude an der Mathematik zu erhalten oder wieder zu beleben. Dazu wünsche ich allen Lesenden stets gute Nerven, eine Prise Humor und immer wieder ein großes Stück gesunden Optimismus!
-
-
Vielfältige mathematische Angebote
-
Frontmatter
-
6. Spielerisch lernen mit GANITA
Carla Cederbaum, Anja FetzerZusammenfassungDas Lernspiel GANITA soll eine Abwechslung zum lehrerzentrierten und rechenlastigen Mathematikunterricht bieten. Es kann einerseits in den Unterricht und den Lernprozess eingebunden werden, da es Unterrichtsthemen aufgreift. Andererseits können alle Schülerinnen und Schüler einen tieferen Blick in mathematische Themen erhalten. Für den Lernprozess spielt die Motivation der Jugendlichen eine große Rolle, die gerade im Mathematikunterricht oft fehlt. GANITA soll die Motivation auf eine Art und Weise fördern, die die Qualität des Lernprozesses verbessert und somit insgesamt zu höherem Lernerfolg führt. In diesem Artikel wird auf unterschiedliche Motivationstheorien eingegangen und diskutiert, wie diese im Zusammenhang mit dem Lernprozess stehen. Anschließend werden das Lernspiel GANITA und seine Möglichkeiten zur Motivationsförderung vorgestellt. -
7. Interaktive Mathematik – forschendes Spielen mit Storytelling und Künstlicher Intelligenz
Andreas Matt, Bianca VioletZusammenfassungWir erstellen seit 2008 interaktive Mathematikinhalte und konzipieren partizipative Formate, um moderne Mathematik an ein breites Publikum, insbesondere Schülerinnen und Schülern, zu kommunizieren. Unser Fokus liegt auf einem explorativen Lernerlebnis mit nachhaltigem Kompetenzerwerb durch interaktive Applets. Der Einstieg in die Materie ist niederschwellig, die Inhalte sind didaktisch abwechslungsreich aufbereitet und bieten motivierende Interaktionsmöglichkeiten durch vielfältige Formate und Einsatzmöglichkeiten. Um diesen Ansatz begreifbar zu machen, stellen wir Ihnen die zwei aktuellen Projekte Mathina und I AM A.I. vor, die Sie nach dem Lesen – oder gerne auch schon beim Lesen – anhand von interaktiven Programmen selbst miterleben können. -
8. Matheliebe – INTERAKTIV
Georg SchierscherZusammenfassungBei mehr als 30-jähriger Lehrerfahrung auf gymnasialer Stufe kennt der Verfasser viele Tücken des Mathematikunterrichts: u. a. Mangel an Anschauungsmaterial, Lehrmittel ohne lokalen, alltäglichen Bezug, Stofffülle und übereilte Schritte der Abstraktion. Während für die naturwissenschaftlichen Fächer Labors zum Experimentieren vorhanden sind, begnügt sich der Mathematikunterricht mit Tafel und Kreide, Papier und allenfalls Tablet. Da – salopp ausgedrückt – die Sinne Futter für das Denken sind, bemühte sich der Schreiber um den Erwerb von vielfältigem, vor allem greifbarem Anschauungsmaterial. Dieses ist im Jahr 2012, 10 Jahre nach meiner Aktivzeit, zum Ausstellungsgut der Wanderausstellung „Matheliebe“ geworden. Sie regt zum Experimentieren, zum Be˗greifen im wörtlichen und im übertragenen Sinn an. Die „Matheliebe“-Ausstellung war bisher in acht europäischen Städten zu Gast und sah über 110.000 Besucher. -
9. Mathematische Debatte: MatBoj – ein Teamwettbewerb
Elena KlimovaZusammenfassungWie kann ich meine Schülerinnen und Schüler für Mathematik begeistern und sie für eine intensive Beschäftigung mit mathematischen Fragestellungen motivieren? Wie lassen sich mathematische Begabungen auf beständige Art und Weise fördern? Solche oder ähnliche Fragen stellen sich viele, die Unterricht vorbereiten und Talente fördern möchten. Zum einen soll eine breite Schülerzahl zur Beschäftigung mit dem Fach motiviert werden, zum anderen sollen Begabte in der Tiefe gefördert werden. Dafür sind eigene Formate nötig. In diesem Beitrag wird der Debating-Wettkampf MatBoj vorgestellt, der eine Brücke zwischen einer breiten Schülerzahl und Hochbegabten schlägt. MatBoj stellt eine nach festen Regeln ablaufende interaktive mathematische Diskussion dar. -
10. Die Deutsche SchülerAkademie
Martin SkrodzkiZusammenfassungMotivierte, engagierte und besonders leistungsfähige Schülerinnen und Schüler aus der Oberstufe können sich in der Deutschen SchülerAkademie 16 Tage lang mit herausfordernden Inhalten beschäftigen, Perspektiven wechseln und neue Lernerfahrungen machen. Die fachlich anspruchsvolle Kursarbeit ist aber nur ein wichtiger Programmteil. Zur Akademie gehören auch Exkursionen, Sport, Musik, Theater und weitere Angebote, die die Teilnehmenden selbst entwickeln. -
11. Mathe-Sprach-Austausch: Ukraine – Deutschland
Olga Lomonosova, Albert OganianZusammenfassungWir berichten über unsere Erfahrungen mit einem besonderen Schüleraustausch und zwar einem Mathe-Sprach-Schüleraustausch, der 10 Jahre lang zwischen dem Landesgymnasium für Hochbegabte (LGH) mit Internat in Schwäbisch Gmünd (Baden-Württemberg) und dem Lyzeum „Naukova Zmina“ in Kiew (Ukraine) stattgefunden hat, präsentieren die notwendigen Bedingungen für einen erfolgreichen und nachhaltigen Austausch und erzählen über den Ablauf des Austausches, die mathematischen Inhalte und Wettbewerbe sowie das Rahmenprogramm. Zunächst wurde dieser Mathe-Sprach-Austausch zwischen der deutschen und der ukrainischen Schule, der von 2010 bis 2019 erfolgreich lief, von der Corona-Pandemie im Jahr 2020 unterbrochen. Mit Russlands Angriff auf die Ukraine im Februar 2022 wurde uns jedoch klar, dass der Austausch damals endgültig endete.
-
-
Mathematik-Wettbewerbe und Challenges
-
Frontmatter
-
12. Die Mathematik-Olympiaden – ein Wettbewerb und ein Förderprogramm
Klaus HenningZusammenfassungDie Mathematik-Olympiaden (MO) sind einer der größten Mathematik-Wettbewerbe für Schülerinnen und Schüler in Deutschland. Vom äußeren Bild her handelt es bei der MO primär um einen Wettbewerb. Natürlich lebt die MO durch ihren Wettbewerbscharakter davon, sich an Problemen und Aufgaben zu messen. Aber nur den kompetitiven Charakter zu sehen, geht weit an der Praxis und der Intention der MO vorbei. Ebenso – und vielleicht auch vordringlich – bietet die MO im praktischen Förderungsalltag einen fast unbegrenzten Vorrat an strukturiertem Übungsmaterial, sorgfältig nach Altersstufe und Anspruchsgrad geordnet: Die online zur Verfügung stehenden Aufgaben können nach Bedarf zusammengesetzt werden und sind somit für jede Mathe-AG oder Talentförderung in Mathematik geeignet. In diesem Beitrag werden exemplarisch einige schöne Aufgaben vorgestellt. Zur Einführung geht es um formale Aspekte der MO wie ihre Entstehungsgeschichte, ihr Ziel und die Struktur der Teilnehmenden. -
13. Bundeswettbewerb Mathematik – ein Blick hinter die Kulissen
Karl FegertZusammenfassungWas bewegt eine Schülerin, einen Schüler dazu, sich freiwillig fast drei Monate lang mit vier unterschiedlich schwierigen Aufgaben aus verschiedenen Gebieten der Elementarmathematik zu beschäftigen, die gefundenen Lösungen selbstständig zu Papier zu bringen und von den kritischen Augen einer Wettbewerbsjury begutachten zu lassen? Auf diese Frage sind eine Reihe von Antworten denkbar:-
Ein besonderes Interesse an Mathematik.
-
Die Freude an originellen, nicht unbedingt schulüblichen Aufgaben.
-
Die Neugier auf unbekannte mathematische Sachverhalte und Gebiete.
-
Eine Vorliebe, schwierige Probleme zu lösen und die Herausforderungen, die damit verbunden sind, zu meistern.
-
Der Wunsch, die eigenen mathematischen Fähigkeiten zu erproben, weiterzuentwickeln und eine Bestätigung des eigenen mathematischen Könnens zu erhalten.
In diesem Beitrag erhalten Sie Informationen, wie der Bundeswettbewerb Mathematik diese Motivationen benützt, um seit über 50 Jahren Talente in der Schule zu finden und durch Forderung zu fördern. Beleuchtet werden seine Ursprünge, seine Ziele, seine Organisation, die gestellten Wettbewerbsaufgaben sowie sein Stellenwert in der Wettbewerbslandschaft in der Bundesrepublik Deutschland. -
-
14. Rund ums Känguru der Mathematik
Lukas DonnerZusammenfassungIn diesem Kapitel geht es um den Känguru-Wettbewerb, einer der weltweit größten und verbreitetsten Mathematikwettbewerbe für Schülerinnen und Schüler, und alles, was inzwischen um diesen herum an Angeboten entstanden ist. Zunächst wird anhand von Känguru-Aufgaben aus der Geometrie die grundlegende Idee des Wettbewerbs skizziert, die inhaltliche und gestalterische Bandbreite des Wettbewerbs dargelegt und es werden Denkanstöße zu vertiefenden Betrachtungen ausgehend von diesen Aufgaben angeregt. Danach wird ein Blick auf die facettenreichen zusätzlichen Angebote geworfen, die sich rund um den Känguru-Wettbewerb in vielen teilnehmenden Ländern im Laufe der Jahre entwickelt haben und zur weiteren Popularisierung von Mathematik und zur Talentförderung beitragen. -
15. IM2C – eine spannende Herausforderung in mathematischer Modellierung
Martin Bracke, Hans-Stefan SillerZusammenfassungDer Beitrag stellt einen internationalen mathematischen Wettbewerb vor, der die Lösung eines realistischen Anwendungsproblems mit Methoden der mathematischen Modellierung fokussiert. Weltweit wird jedes Jahr ein- und dieselbe Problemstellung von Teams mit bis zu vier Schülerinnen und Schüler einer Schule über einen zusammenhängenden Zeitraum von maximal 120 h bearbeitet und als Ergebnisreport mit maximal 20 Seiten Umfang eingereicht. Wir stellen die Idee des Wettbewerbs in Deutschland vor und zeigen exemplarisch an zwei ausgewählten Wettbewerbsbeispielen, wie Fragestellungen dieser Art thematisiert werden (können). Hinweise zur Bearbeitung und den unserer Meinung nach geförderten Kompetenzen sowie grundlegende Kriterien zur Bewertung bilden den Abschluss. -
16. „Mathe im Advent“ – Die Multilevel-Mathe-Challenge
Stephanie Schiemann, Robert WöstenfeldZusammenfassungDie Mathe-Challenge „Mathe im Advent“ will – insbesondere mit dem Klassenspiel – so viele Kinder und Jugendliche der Klassenstufen 2 bis 10 wie möglich erreichen, und zwar unabhängig von der Schulform, der Leistungsfähigkeit und der Motivation, also auch „Mathemuffel“ oder solche, die mit der Mathematik in der Schule richtige Schwierigkeiten haben. „Mathe im Advent“ versucht deshalb mit einem mathematischen Adventskalender vom 1. bis 24. Dezember allen – egal ob Jung oder Alt –, die Relevanz der Mathematik im Leben zu zeigen und den Spaß am Fach in der Lerngruppe und der Familie zu entfachen. Wie vielschichtig unser Konzept ist, wollen wir in diesem Beitrag erläutern. „Mathe im Advent“ kann damit eher als eine „Multilevel-Mathe-Challenge“ als ein Wettbewerb bezeichnet werden. -
17. „Mathematik ohne Grenzen“ – ein internationaler Wettbewerb
Marina Kremer-FortunaZusammenfassungDer in Frankreich entwickelte Wettbewerb „Mathématiques sans Frontières“, „Mathematik ohne Grenzen“, ist durch seine Aufgabenkultur, durch die Organisationsform und seine Internationalität eine Besonderheit in der Wettbewerbslandschaft.Dazu ein Auszug aus dem Interview eines französischen Schülers des Collège Foch in Hagenau (vgl. Jost 1990):„… das Fazit … ist bereits positiv. Wir konnten Verantwortung für unsere Arbeit übernehmen, indem wir sie selbst in die Hand nahmen. Ausnahmsweise waren wir einmal nicht nur vom Ehrgeiz, eine gute Note zu erreichen, motiviert, sondern mussten uns mit anderen Klassen messen. Und selbst wenn wir nicht gewinnen, waren unsere Bemühungen bereits erfolgreich, denn Mathe war kein einsames Kopfzerbrechen, sondern ein Mannschaftsspiel …“„… die Klasse organisierte sich frei in kleinen, ausgewogenen und mobilen Gruppen. Dank dieses Wettbewerbs entdeckten wir eine neue Arbeitsweise – jeder fühlte sich nützlich und verantwortlich – und eine andere Konzeption von Mathematik für junge Leute. Es war eine erstaunliche Erfahrung, die wiederholt werden sollte.“ (Übersetzung der Autorin) -
18. Pangea – ein Wettbewerb für jede und jeden
Serdar Altuntas, Benjamin RottZusammenfassungMathematik kann und soll Spaß machen – vielleicht nicht immer, aber doch bitte immer wieder mal. Eine Möglichkeit, Spaß mit und an Mathematik zu haben, ist die Teilnahme an Wettbewerben. Genauso, wie sich Sportler in Wettkämpfen vergleichen oder Schachspieler in Turnieren gegeneinander antreten, kann man sich auch mathematischen Wettbewerben stellen und dort sein Wissen und vor allem seine Problemlösefertigkeit auf die Probe stellen. Welche Auswahl es an Mathematik-Wettbewerben gibt, das zeigt dieses Buch auf wie kaum ein zweites. Aber sind Wettbewerbe nicht nur etwas für die Genies, für die ganz starken Schüler? Für die Lernenden, die sich im Mathematikunterricht immer langweilen und nur in Wettbewerben gefordert werden? Dieses Vorurteil hört man öfter, man sollte es aber nicht so stehenlassen. Es gibt nämlich Wettbewerbe, bei denen auch Nichtüberflieger Spaß haben und erfolgreich sein können. Ein solcher Wettbewerb, der – zumindest in der ersten von drei Runden – bewusst auch einfache Aufgaben integriert, um möglichst vielen Schülerinnen und Schülern Erfolgserlebnisse zu ermöglichen, ist der PANGEA-Wettbewerb.
-
-
Persönliche Erfahrungen mathematisch talentierter Menschen
-
Frontmatter
-
19. Gespräch über den jüngsten deutschen Fields-Medaillenträger Peter Scholze
Stephanie Schiemann, Klaus AltmannZusammenfassungPeter Scholze ist in vielerlei Hinsicht ein außergewöhnlicher Mensch. Er ist sehr bescheiden, höflich und mathematisch höchstbegabt. Er wurde 1987 in Dresden geboren und ist in Berlin aufgewachsen. Dort ging er auf eine mathematisch-naturwissenschaftliche Spezialschule, über die er schon früh in Kontakt zur Hochschule kam. Er studierte und promovierte bereits 2012 bei Professor Dr. Michael Rapoport in Bonn. Mit 24 Jahren war er der jüngster Mathematikprofessor Deutschlands. 2018 – mit 30 Jahren – erhielt er als zweiter Deutscher die höchste mathematische Auszeichnung der Welt, die Fields-Medaille, für seine Entdeckung einer neuen bedeutsamen geometrischen Struktur verliehen. Peter Scholze bekam davor auch schon andere wichtige Preise wie z. B. den Clay Research Award des Clay Mathematics Institute in Cambridge (2014), den Fermat-Preis der Universität Toulouse (2016) und den Leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft (2016). Seit 2018 ist er Direktor des Max-Planck-Instituts für Mathematik in Bonn. 2019 erhielt er vom Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier das große Bundesverdienstkreuz. -
20. Fragen und Antworten zum mathematischen Lebenslauf von Jürgen Richter-Gebert
Jürgen Richter-GebertZusammenfassungSchon vor der Schule war klar, Jürgen experimentiert gern! Zahlenspielereien ziehen ihn ebenso an wie Fischtechnik-Baukästen. Schließlich ist er über Wissenschaftssendungen im Fernsehen zu Jugend forscht gekommen und hat später Mathematik studiert, aber auch all seine anderen leidenschaftlichen Fächer wissenschaftlich und praktisch vertieft. Heutzutage bildet er mit viel Umsicht und Vielseitigkeit Studierende an der TU München aus, ist in der Jury bei Jugend forscht, entwickelt Geometrie-, Musik- und Sprachlern-Apps und hat die Schnittstelle „Mathematik und Kunst“ für sich entdeckt.Seine lebendige Tatkraft, Neues zu entdecken, seine unerschöpfliche Fantasie, seine Liebe zum Detail, sein enormes Durchhaltevermögen und sein Bedürfnis, all dies mit anderen auf eine verständliche Art und Weise zu teilen, sind sehr inspirierend. -
21. Fragen und Antworten zum mathematischen Lebenslauf von Felix Krahmer
Felix KrahmerZusammenfassungFelix war seit der 7. Klasse Teilnehmer der Talentförderung Mathematik in Niedersachsen. Dort habe ich ihn kennengelernt. Später war er in der Talentförderung auch Gruppenleiter sowie Betreuer bei zahlreichen Mathefahrten. Im Team Mathematik zu treiben, hat ihm dort immer sehr viel Spaß gemacht. Dies setzte sich dann bei „Jugend forscht“ fort. Auch in seiner mathematischen Forschungstätigkeit ist ihm die Zusammenarbeit im Team sehr wichtig, er hat schon früh mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern im gleichen Karrierestadium zusammengearbeitet und bis heute keinen einzigen mathematischen Zeitschriftenartikel als Alleinautor verfasst. Inzwischen ist er Professor im Department Mathematik der TU München und legt dort großen Wert auf einen kooperativen Führungsstil auf Augenhöhe, so wie er ihn es als Jugendlicher bei der Talentförderung Mathematik und während der Promotion am Courant Institute of Mathematical Sciences in New York erfahren hat. Er glaubt, dass mehr Kooperation auf Augenhöhe der mathematischen Forschung guttun würde und setzt sich deshalb für den Abbau von Hierarchien ein, zum Beispiel indem mehr Professuren im Tenure-Track besetzt werden und so Forschenden frühe Unabhängigkeit ermöglichen. -
22. Fragen und Antworten zum mathematischen Lebenslauf von Karl Heuer
Karl HeuerZusammenfassungKarl hat als Schüler bei der Talentförderung Mathematik in Hamburg teilgenommen, aber auch schon davor viel Spaß an Mathe gehabt. Insbesondere sein Vater, ein gelernter Radio- und Fernsehtechniker, der nach seiner Gesellenprüfung noch Informatik studierte, hat sich mit ihm über mathematische Themen unterhalten. Als Schüler hat er auch an verschiedenen Schülerwettbewerben teilgenommen. Auch in der Schule wurde er unterstützt. Auf Empfehlung seines Mathe-, Physik- und Informatiklehrers konnte er schon in der Oberstufenzeit an der TU Hamburg-Harburg als Juniorstudent studieren. Bei dem Hintergrund wundert es nicht, dass er schlussendlich auch Mathematik studiert hat und mit Anfang 30 bereits Mathematikprofessor geworden ist. Er lebt zurzeit mit seiner Familie in einem Vorort von Kopenhagen und nahm kürzlich Erziehungsurlaub für sein zweites Kind. Man sieht, ihm ist sowohl die Forschung als auch die Familie sehr wichtig. -
23. Fragen und Antworten zum mathematischen Lebenslauf von Oliver Ebsen
Oliver EbsenZusammenfassungOliver mochte die Mathematik schon vor der Schule. In diesem Interview stellt er ausführlich dar, wie sich seine Beziehung zur Mathematik in den verschiedenen Jahrgangsstufen während der Schulzeit entwickelt hat, was einen guten Lehrer für ihn ausmacht und wie sein Umfeld mit ihm gegangen ist. Er war Teilnehmer am PriMa-Projekt (Grundschulförderung) in Hamburg und später Tutor in der „William-Stern-Gesellschaft für Begabungsforschung und Begabtenförderung e. V.“ und im Mathematikstudium Übungsgruppenleiter in der Universität Hamburg. Interessant ist, was für ihn die Mathematikförderung ausgemacht hat und was er im Studium und der Promotion gelernt hat. Nach seiner Promotion ist er bei der msg systems AG im Geschäftsbereich Insurance SAP Consulting als Mathematiker eingestiegen. -
24. Fragen und Antworten zum mathematischen Lebenslauf von Deniz Sarikaya
Deniz SarikayaZusammenfassungDieser Beitrag schildert meinen bisherigen akademischen Weg. Vor allem zeigt er auf, wie viele Möglichkeiten sich eröffnen, wenn man das Glück hat, früh in Förderprogramme aufgenommen zu werden. Er soll ermutigen im Studium – auch auf Kosten der Regelstudienzeit – über den Tellerrand zu schauen und sein Herz und seine Zeit den eigenen Interessen zu widmen. Wenn man genügend Fleiß in etwas steckt, um darin gut zu werden, werden sich Wege zeigen und eröffnen. -
25. Fragen und Antworten zum mathematischen Lebenslauf von Mara Sommerfeld
Mara SommerfeldZusammenfassungSchon sehr früh hat sich Mara für Mathematik begeistert. Vorbild war ihre Mutter. Seit der 7. Klasse bis zum Ende der Schulzeit hat sie begeistert an der Mathematikförderung der William-Stern-Gesellschaft (WSG) in der Uni Hamburg teilgenommen, anschließend hat sie – bis zum Vordiplom in Bonn, danach in Hamburg – Mathematik studiert und im Bereich Dynamische Systeme promoviert. Neben dem Studium hat sie sowohl im Hamburger Modell der WSG, dem Förderprojekt für die Mittel- und Oberstufe, gejobbt als auch beim Grundschulprojekt PriMa, das in Kooperation mit der WSG durchgeführt wird. Heute arbeitet sie hauptamtlich in beiden Mathematikförderprojekten der WSG und beobachtet mit großer Freude die Kinder und Jugendlichen beim Entwickeln ihrer mathematischen Ideen. -
26. Fragen und Antworten zum mathematischen Lebenslauf von Martin Skrodzki
Martin SkrodzkiZusammenfassungMartin mochte schon in der Grundschulzeit gern rechnen. Vom Charakter her war er eher zurückhaltend und abwartend, auch wenn er die Lösung schon lange wusste, weil er den anderen auch eine Chance geben wollte. Seine soziale Einstellung zeichnet ihn aus. Schon in der 5. Klasse stellte ihn eine Freundin wertschätzend als zukünftigen Professor vor. Er galt als Joker, wenn es im Unterricht nicht weiterging. In der Deutschen Schülerakademie machte er erstmalig die bereichernde Erfahrung, im unteren Mittelfeld zu sein. Später wurde er in die Studienstiftung des Deutschen Volkes aufgenommen. Martin kommt aus einem nicht akademischen Elternhaus und hat es dennoch geschafft: Jetzt ist er Assistant Professor (Academic Career-Track) an der TU Delft (Niederlande). -
27. Fragen und Antworten zum mathematischen Lebenslauf von Christopher Holfert
Christopher HolfertZusammenfassungChristopher Holfert nahm von der 7. Klasse bis zum Abitur an der Talentförderung Mathematik in Niedersachsen als Schüler teil. Im Anschluss studierte er Mathematik in Hamburg und wechselte die Perspektive, indem er sich als Gruppenleiter in der Schülerförderung bei den wöchentlichen Sitzungen und den Mathefahrten einbrachte. Es na Zwei seiner drei Kinder nahmen – wie er damals – an der Talentförderung Mathematik teil. Er selbst arbeitet als Aktuar bei einer Lebensversicherung und engagiert sich ehrenamtlich als Vater in der Talentförderung Mathematik. -
28. Fragen und Antworten zum mathematischen Lebenslauf von Nils Przigoda
Nils PrzigodaZusammenfassungNils Przigoda hat an der Talentförderung Mathematik in Niedersachsen in seiner Schulzeit seit der 7. Klasse teilgenommen. Anschließend hat er viele Jahre als Gruppenleiter bei den Mathesitzungen und Mathefahrten geholfen. Zudem hat er die Mathetalente-Webseite gestaltet und gepflegt. Nach seinem Studium der Mathematik und Informatik an der Universität Bremen hat er über formale Verifikation promoviert und arbeitet seitdem als Senior-Software-Entwickler an Stellwerksthemen bei Siemens Mobility GmbH. -
29. Fragen und Antworten zum mathematischen Lebenslauf von Marie Clausen
Marie ClausenZusammenfassungMarie hat an der Talentförderung Mathematik in Niedersachsen in ihrer Schulzeit seit der 7. Klasse teilgenommen. Anschließend hat sie viele Jahre als Gruppenleiterin bei den Mathesitzungen und Mathefahrten geholfen. Besonders viel Spaß gemacht hat es ihr, weil sie dort Gleichaltrige mit ähnlichen Interessen kennengelernt hat. Sehr wertschätzend empfand sie auch, dass ihr Lehrer in der Oberstufe mit ihr aufgrund der Talentförderung auf Augenhöhe kommuniziert hat. Dies hat ihr Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten sehr bestärkt. Auf jeden Fall hat sie durch die damalige positive Erfahrung in der Mathematikförderung die Entscheidung zum Mathematikstudium getroffen. Nach dem Diplom in Mathematik arbeitete sie zunächst als wissenschaftliche Mitarbeiterin in einem Oldenburger Forschungsinstitut im Bereich Energieinformatik und gründete eine Familie. Inzwischen ist sie beruflich in die IT einer Unternehmensgruppe gewechselt.
-
- Titel
- Interesse für Mathematik wecken – Talente fördern
- Herausgegeben von
-
Stephanie Schiemann
- Copyright-Jahr
- 2024
- Verlag
- Springer Berlin Heidelberg
- Electronic ISBN
- 978-3-662-68595-2
- Print ISBN
- 978-3-662-68594-5
- DOI
- https://doi.org/10.1007/978-3-662-68595-2
Informationen zur Barrierefreiheit für dieses Buch folgen in Kürze. Wir arbeiten daran, sie so schnell wie möglich verfügbar zu machen. Vielen Dank für Ihre Geduld.