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Über dieses Buch

Angesichts der alltäglichen und allgegenwärtigen „Interkultur“ wird die qualitative Sozialforschung zunehmend mit Problemen konfrontiert, die mit ihren herkömmlichen Verfahren nicht mehr angemessen analysierbar sind – sei es, weil sie im eigenen Land auf das Miteinander unterschiedlicher Kulturen stößt und für deren Untersuchung über keine geeigneten Methoden verfügt, oder sei es, weil sie mit Daten arbeitet, die aus anderen Kulturkreisen stammen. Auch hier sind angemessene Methoden Mangelware. Eng damit verbunden ist ein weiteres, nicht zu unterschätzendes Problem Qualitativer Sozialforschung. Immer öfter sind die Interpretationsgruppen nicht mehr „monokulturell“ zusammengesetzt. Immer häufiger bestehen diese Gruppen aus Interpreten, die – kulturell betrachtet – divergente Interpretationshorizonte besitzen. Bei allen genannten Problemstellungen tauchen auf methodischer und methodologischer Ebene völlig neue Fragen für die Forschungspraxis auf.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Interkulturelle qualitative Sozialforschung

Zusammenfassung
Die qualitative Sozialforschung steht vor dem Problem, dass die soziale Welt in modernen und vorwiegend interkulturell geprägten Gesellschaften nicht mehr auf einem common-sense beruht. Im Zuge der Globalisierung, aufgrund zunehmender Mobilität und aufgrund der dadurch bedingten kulturellen Vervielfältigung der modernen Alltagswelt haben sich die Lebensformen der Menschen ausdifferenziert und damit auch die soziale Wirklichkeit. Sie ist in sich zunehmend interkulturell geworden.
Michael Roslon, Richard Bettmann

Methodologisch-methodische Überlegungen zur interkulturellen qualitativen Sozialforschung

Frontmatter

Jenseits des Homogenitätsmodells der Kultur

Zur Analyse von Transnationalität und kulturellen Interferenzen auf der Grundlage der hermeneutischen Wissenssoziologie
Zusammenfassung
In den letzten 15 Jahren wurde die internationale Migrationsforschung mit der Entwicklung eines neuen Forschungsprogramms konfrontiert: Die transnationale Perspektive auf die geographische Mobilität (Basch/Glick Schiller/Szanton Blanc 1994; Portes 2001; Vertovec 1999) entwickelte sich zu einem angesehenen Forschungsprogramm der Transnational Studies (Faist 2000; Pries 2008a; 2008b; Khagram/Levitt 2008).
Anna Amelina

Zur hermeneutisch-wissenssoziologischen Auslegung des Fremden

Interpretieren mit Unterstützung kulturvertrauter Co-Interpreten
Zusammenfassung
Interkulturelle Kommunikation gilt als im hohen Maße störanfällig. Sie wurde deshalb lange Zeit vorrangig unter dem Aspekt der für sie typischen Missverständnisse analysiert. Unter dem Eindruck einer zunehmenden Globalisierung auch der Kommunikationsprozesse rückt seit geraumer Zeit aber die Frage nach den Chancen interkultureller Verständigung in den Vordergrund. In diesem Beitrag wird es darum gehen, die Möglichkeit einer interkulturellen Verständigung und die Bedingungen einer methodisch kontrollierten Rekonstruktion interkultureller Verständigungsprozesse aus der Sicht einer Hermeneutischen Wissenssoziologie zu erörtern.
Norbert Schröer

Sprachliche Regression im narrativen Interview

Eine Migrantin erinnert sich
Zusammenfassung
Es wurde ein weitgehend narratives Interview mit einer ägyptischstämmigen Heiratsmigrantin geführt, die zu dem Zeitpunkt des Interviews seit sieben Jahren in Deutschland wohnte. Fokus des Interviews war die Sprachbiographie. Bei der Auswertung der Daten stieß ich auf ein überraschendes Phänomen. Wenn die Migrantin von Erlebnissen erzählte, die weiter zurück lagen, fiel auch ihre Ausdrucksweise im Deutschen auf einen früheren Stand zurück. Dieser überraschenden sprachlichen Regression im narrativen Interview soll im Folgenden nachgegangen werden.
Almut Zwengel

Grenzen des Verstehens? – Verstehen der Grenzen!

Reflexionen über die methodischen Herausforderungen hermeneutischer Sozialforschung im ‚interkulturellen‘ Kontext
Zusammenfassung
Das Nachdenken über die besonderen Herausforderungen ‚interkultureller Forschung‘ provoziert zuallererst die Frage, was unter einer solchen überhaupt zu verstehen ist. Vollkommen zurecht wird immer wieder darauf hingewiesen, dass es keiner Überschreitung nationalstaatlicher, ‚ethnischer‘ oder sprachlicher Grenzen bedarf, um von ‚interkulturellen‘ Analysen zu sprechen. So darf man sich etwa keinesfalls der Illusion hingeben, dass man sein Gegenüber ohne Weiteres versteht, nur weil er oder sie die vermeintlich gleiche Sprache spricht. Als in Wien lebende und arbeitende ‚Deutsche‘ wurde ich g’schwind dieses Wunschdenkens beraubt. Je weiter man sich jedoch als ForscherIn von dem, was sich als das ‚Eigene‘ bezeichnen lässt, entfernt, desto schwieriger gestaltet sich die Arbeit. Insofern erscheint es wenig sinnvoll, ‚Intrakulturelles‘ vom ‚Interkulturellen‘ im Sinne einer Dichotomie zu scheiden und im Vorfeld eines Projektes festzulegen, ob die eigene Forschung nun der einen oder der anderen Kategorie angehört.
Ana Mijić

Die Annäherung an das Feld

Frontmatter

Feldforschungszugang als Herausforderung der interkulturellen Fallstudien am Beispiel deutschukrainischer Wirtschaftskommunikation

Zusammenfassung
Der Zugang zum interkulturellen Forschungsfeld als ein schwieriges Unterfangen wird in jeder empirischen Arbeit zwar methodisch mitreflektiert, eine gesonderte Aufmerksamkeit hat dieser „methodische Unterpunkt“ bisher jedoch selten genossen. Inzwischen erschien 2015 der Band von Poferl/Reichertz „Wege ins Feld“, in dem methodologische Aspekte des Feldzugangs sehr ausführlich und multiperspektivisch beleuchtet wurden.
Halyna Leontiy

Ich habe meinen Anwalt bei mir …

Der Zugang zum Feld im Kontext interkultureller Forschung
Zusammenfassung
Leitfadeninterviews im Slum? Fragebögen unter Analphabeten? Teilnehmende Beobachtung im Taxi nach Accra? Was tun, wenn wissenschaftliche Methodik auf die Realitäten eines ungewöhnlichen Forschungsfeldes trifft? Vermutlich hat jeder Forscher irgendwann schon einmal die Erfahrung gemacht, dass zwischen den theoretischen Vorüberlegungen zur Datengenerierung im Feld und den tatsächlichen Gegebenheiten vor Ort große Unterschiede klaffen. Je fremder das zu untersuchende „Feld“, desto theoretischer die Annahmen zu seiner Manifestation. Doch was heißt das? Lässt sich nur das adäquat beforschen, was man eh schon kennt? Lassen sich halbwegs gesicherte Erkenntnisse nur im jeweils eigenen Kulturkreis generieren? Das wären wahrlich traurige Statements und doch haben sie einen Kern Wahrheit. Grundlage jeder sozialwissenschaftlichen Datenakquise ist die Kommunikation, und tendenziell wächst die Anzahl der kommunikativen Fallstricke mit zunehmender kultureller Distanz. Die hohe Kunst ist es hierbei, diese so zu handhaben, dass sie nicht den Forschungsprozess als Ganzes zu Fall bringen.
Ingo Haltermann

Bildungsinländer und Bildungsausländer für Interviewgespräche gewinnen

Die Rekrutierung von Interviewees als Beziehungsarbeit
Zusammenfassung
Eine qualitativ ausgerichtete Sozialforschung hebt im Kern auf die Bildung brauchbarer und erkenntniserweiternder Theoriehypothesen ab (Blumer 1979; Kelle 1994; Schröer/Bidlo 2011). Gewonnen werden solche Hypothesen im Dialog mit dem zu beforschenden Feld: Der Sozialforscher nimmt – ausgestattet mit seinem ihm eigenen alltagsweltlichen wie theoretischen Vorwissen – in einer ihm geeignet erscheinenden Weise Kontakt zum Feld auf, er setzt sein Vorwissen so – durchaus gewünscht – Irritationen aus, die er in der Modifikation und Ausdifferenzierung seines Vorwissens im Auswertungsprozess, in der Bildung erkenntniserweiternder Hypothesen, behebt (Reichertz 2003). Der Sozialforscher gelangt zu den neuen theoretischen Einsichten über die soziale Wirklichkeit also in irgendeiner Form stets über Feldforschung (Schatzmann/Strauss 1973; Dammann 1991; Lüders 2000).
Lois Chidalu Nwokey, Adiam Zerisenai, Norbert Schröer

Das Problem der Zwei- und Dreisprachigkeit, das Problem der doppelten Differenz in der Moderne und die Auswertung der erhobenen Daten

Frontmatter

Verstehensprozesse in interkulturellen Forschungsgruppen – Übersetzung als eine Herausforderung qualitativer Forschung

Zusammenfassung
In einem vom Deutsch-Französischen Jugendwerk geförderten interkulturellen Forschungsprojekt mit dem Titel „Lebensentwürfe und Lebensgeschichten Jugendlicher mit Migrationshintergrund in Deutschland und in Frankreich: Bildungsprozesse und Sozialisation“ wurden im Zeitraum von Juni bis Dezember 2007 von den TeilnehmerInnen Interviews mit Jugendlichen geführt, die einen Migrationshintergrund aufweisen. Die Jugendlichen lebten entweder in Deutschland oder in Frankreich und wurden in der jeweiligen Landessprache von ForscherInnen, die universitär in diesem Land angesiedelt waren, interviewt. Daraus ergab sich ein Datenkorpus von je zehn deutschsprachigen und zehn französischsprachigen Interviews. Alle Interviews wurden transkribiert und in die jeweils andere Sprache übersetzt.
Martin Bittner, Marga Günther

Unsichtbare Übersetzung ?

Die Bedeutung der Übersetzungsqualität für das Fremdverstehen in der qualitativen Sozialforschung
Zusammenfassung
Generell brauchen Menschen, die nicht die selbe Sprache sprechen, Kommunikationshilfen, um in eine Kommunikationsbeziehung treten und Informationen austauschen zu können. Die Überbrückung von Verständnisbarrieren kann auf mehreren Wegen geschehen: entweder durch Zwei- oder Mehrsprachigkeit der KommunikationspartnerInnen bzw. den Gebrauch einer Lingua Franca oder einer Welthilfssprache, oder – wenn dies nicht möglich ist – durch den Einsatz von ÜbersetzerInnen und DolmetscherInnen bzw. maschinellen Übersetzungen (Sukuguchi 1993). Angesichts der Komplexität von Migrationsgesellschaften in natio-ethno-kultureller Hinsicht (Mecheril 2003) steht auch die qualitative Sozialforschung zunehmend vor der Herausforderung, mit sprachlicher Vielfalt umzugehen.
Edith Enzenhofer, Katharina Resch

Die hermeneutische Interpretation multisprachlicher Daten in transnationalen Forschungskontexten

Zusammenfassung
Sozialforschung kann sich der Transnationalisierung ihrer Forschungsgegenstände und Arbeitskontexte nicht entziehen. Man kann der Befremdung des eigenen Verstehens schon nicht ausweichen, wenn man sich in Forschungskontexten bewegt, in deren Orientierungsrahmen man bereits einsozialisiert ist, um überhaupt wissenschaftlich relevante Aussagen über alltägliche Plausibilitäten und Selbstverständlichkeiten hinaus machen zu können. Wenn man sprachlich, kulturell oder geografisch „fremdgehen“ muss, um ins Forschungsfeld bzw. an die zu Interviewenden heran zu kommen, kann man der Verstehensbefremdung außerdem auf Grund der zu bewältigenden Kulturdifferenzen erst recht nicht entkommen (außer man trüge die von zu Hause gewohnten Deutungsmuster unreflektiert und wie eine Imprägnierung gegen die Andersartigkeiten der fremden Welt mit sich herum).
Peter Stegmaier

Interkultur als Forschungsgegenstand

Frontmatter

Chancen und Risiken des Trainings interkultureller Kompetenzen

Eine Studie in bunt
Zusammenfassung
„Interkulturelle Kompetenz“ (IK) ist sicherlich eines der erfolgreichsten „soft skills“ der letzten Jahre. Die Bertelsmann-Stiftung (2006) nennt sie gar die „Schlüsselkompetenz des 21. Jahrhunderts“. Es gibt einen erkennbaren Bedarf an interkultureller Kompetenz: Industrie- und Handelskammern (Weniger 2010) berichten ebenso über eine erhöhte Nachfrage nach IK-Trainings, wie auch Polizei und Bundeswehr. Letztere ist z. B. spätestens mit ihren Einsätzen in Afghanistan mit ihrem kulturellen Latein am Ende. Sie reagierte 2010 mit der Einrichtung der „Zentralen Koordinierungsstelle interkulturelle Kompetenz“ (Croitoru 2010).
Jonas Grutzpalk

Interkulturalität als Thema und Aufgabe in der Lehre

Zusammenfassung
Obwohl moralisierend formuliert („Sünde“), spricht dieser Satz doch die Grundvoraussetzung interkultureller Kommunikation (IK) aus: Die Anderen sollen als ganze Menschen wahrgenommen und behandelt werden, und der leichteste Weg dahin führt darüber, sich mit dem zu beschäftigen, was sie in ihrem Leben bewegt (sei es negativ, wie Probleme und Schmerzen, oder positiv, wie schöne Erlebnisse und Freude). Das Geheimnis der interkulturellen Kommunikation ist somit Anthropologie.
Gernot Saalmann

Blue Thingy

Zur Genese sozialer Praktiken in interkulturellen Kommunikationsprozessen
Zusammenfassung
Interkulturelle Kommunikationsforschung untersucht häufig Missverständnisse und Kommunikationsprobleme in interkulturellen Kommunikationsprozessen und versucht die Ursachen für derartige Kommunikationsschwierigkeiten aufzudecken – der vorliegende Beitrag richtet demgegenüber seinen Blick auf die Genese sozialer Praktiken, die sich aus interkulturellen Handlungsproblemen ergeben. Zu diesem Zweck wird eine interkulturelle Kommunikationssituation betrachtet, in der Austauschstudierende aus verschiedensten Ländern während des gemeinsamen Kochens mit einem Problem konfrontiert werden, das aufgrund des akuten Handlungsdrucks einer schnellen und effizienten Lösung zugeführt werden muss: blue thingy stellt die praktische Lösung dieses Problems dar.
Michael Roslon

Backmatter

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