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24.10.2019 | Internet der Dinge | Im Fokus | Onlineartikel

Maschinenidentitäten formen neues Geschäft

Autor:
Johanna Leitherer
3 Min. Lesedauer

Das Vertrauen zu autonom arbeitenden Maschinen entwickelt sich zu einem der wichtigsten Güter in der Industrie 4.0. Sicherheitslösungen in diesem Bereich sind gefragt. Dadurch entstehen branchenübergreifend neue Geschäftsmodelle.

Unsere Wirtschaft ist zunehmend auf die effiziente Vernetzung zwischen Unternehmen, Personen und Maschinen angewiesen. Für diese Zusammenarbeit braucht es auch im Internet der Dinge (Internet of Things, IoT) sichere digitale Ausweismöglichkeiten für Maschinen und eine Validierung der ausgetauschten Daten. Noch bestehen hier große Sicherheitslücken, weshalb Experten dem Markt für Maschinenidentitäten (Identity of Things, IDoT) eine steigende Relevanz beimessen. Das geht aus einer Studie unter der Leitung von Ralf Keuper, Bank- und Di­plom-Kaufmann mit Spezialgebiet der digitalen Unternehmenstransformation, hervor. 

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Synergetische Unternehmensführung – Wie Mensch und Maschine gemeinsam zukunftsfähige Unternehmen gestalten können?

Klassische "Command & Control"-Konzepte der Unternehmensführung stoßen im digitalen Zeitalter an ihre Grenzen. Einen vielversprechenden Ansatz zum Umgang mit der zunehmenden Dynamik und Komplexität bietet die Synergetik. Hierbei dienen das Viable System Model (VSM) und ausgewählte agile Methoden als phänomenspezifische Kernerweiterung. 

Die umfangreiche Marktanalyse verdeutlicht, dass eigenständig agierende Maschinen und ihre automatisiert ablaufenden Prozesse eine derart wachsende Komplexität mit sich bringen, dass deren Management unmöglich inhouse gestemmt werden kann. Unternehmen egal welcher Größe sind in Folge dessen auf entsprechende Kontrollsysteme angewiesen, die sich unter dem Begriff Identity Relationship Management (IRM) zusammenfassen lassen. Die Blockchain, die Verfahren der Künstlichen Intelligenz und Graphen-Datenbanken stellen dafür die technologische Grundlage dar. Auch denkbar sind neue Geschäftsmodelle, wie etwa Identity-Banking-as-a-Service oder Data-Banking-as-a-Service. 

Maschinenzertifikate ersparen Ausfallzeiten

Einige Unternehmen und Konzerne, aber vor allem Start-ups, haben neue Geschäftsmodelle entwickelt, die auf der Kombination von Hardware und Software basieren. Wichtige Anwendungsfelder sind etwa die Inventarisierung und Verwaltung der Maschinenzertifikate, wie die Studie ermittelt hat. Indem Zertifikate rechtzeitig durch den Dienstleister erneuert werden, bleiben Unternehmen kostspielige Ausfallzeiten erspart. Auch die Fälschung von Zertifikaten dürfte sich durch die Auslagerung erschweren.

Die noch fehlenden Regulierungen und Standards sowohl für das IoT als auch für das IDoT ermuntern auch Unternehmen ohne IT-Schwerpunkt dazu, bei Maschinenidentitäten zu experimentieren. Dazu zählen beispielsweise der Automobilkonzern Daimler und der Weltmarktführer für Autolackieranlagen Dürr, wie aus der Studie hervorgeht. Allmählich beginnt der Markt rund um IRM also auch gesamtwirtschaftlich interessant zu werden. Tatsächlich sind die Möglichkeiten, als Unternehmen neue Geschäftsmodelle vom IoT abzuleiten, vielfältig, da der Vernetzung von Produkten keine Grenzen gesetzt sind.

Vom Produkt zum Service

"Zudem werden Ergänzungen beziehungsweise Überlappungen von Produkten und Dienstleistungen erwartet, ("the product as a service") mit entsprechenden Auswirkungen auf Bezahl- und Geschäftsmodelle. Damit wird der Weg von Industrie 4.0 nochmals verbreitert: von der Prozessinnovation über die Produktinnovation bis hin zur Geschäftsmodellinnovation", erklärt Springer-Autor Robert Obermaier im Buchkapitel "Industrie 4.0 und Digitale Transformation als unternehmerische Gestaltungsaufgabe" (Seite 5).

Im Grunde genommen benötigt das riesige und stetig wachsende Ökosystem des Internet der Dinge mit seinem komplexen Management der Maschinenidentitäten ähnliche Strukturen wie in der klassischen Wirtschaft, legt die Studie nahe. Industrieversicherer etwa können Unternehmen gegen den Identitätsdiebstahl ihrer Maschinen absichern. Banken sind gefragt, Risikomanagement-Lösungen anzubieten, die vor illegalen Maschinen-Zugriffen schützen. Darüber hinaus erfordert das Identity-of-Things auch ein digitales Bankgeheimnis zum Schutz aller Identitäten, die im Unternehmen verortet sind. 

IDoT in Logistik und Marketing

Auch die Logistik lässt sich durch das IoT zu einem "Logistics- as-a-Service" weiterentwickeln. Das hat entscheidende Auswirkungen auf die Lieferkette (Supply Chain). "Dahinter stecken wieder Plattformtechnologien, die es ermöglichen, dass jede Tätigkeit in der Kette – von der Disposition über Auslieferung, Status während des Transports, erwartete Lieferzeit – vollständig transparent wird. Der Kunde wird dadurch immer mächtiger", konstatiert Springer-Autor Klaus Henning im Buchkapitel "Alles ist mit allem verknüpft und wird transparent" (Seite 130).

Denn Kunden können Produkte beziehungsweise deren Online-Repräsentanz in Form eines digitalen Zwillings so immer detailreicher und in Echtzeit in der Supply Chain nachverfolgen. Das eröffnet auch dem Marketing Chancen, indem die Objektdaten zur serviceorientierten Kundenansprache verwendet werden. Dieses von den Studienautoren als Objekt-Marketing bezeichnete Vermarktungsfeld kann das Markenerlebnis mit echtem Mehrwert anreichern. Gleichzeitig stärken Unternehmen dadurch das Vertrauen in ihre Produkte, was im Idealfall positiv auf die Kundenbindung einzahlt.

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