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Über dieses Buch

Das Internet ist eine der bedeutendsten technologischen Errungenschaften der Geschichte. Es erlaubt Menschen in aller Welt Zugang zu umfassenden Informationen, unterstützt die weltweite Kommunikation und Vernetzung und fungiert als globaler Marktplatz. Dabei bieten die vielfältigen Angebote im Internet jedoch nicht nur Chancen; sie werfen auch Fragen des Datenschutzes, der Persönlichkeitsentfaltung und der Privatsphäre auf. Dieses Phänomen wird gemeinhin als das Privatheitsparadoxon bezeichnet.

Aufgrund der großen Bedeutung von Privatheit im Internet hat acatech 2011 ein Projekt initiiert, das sich mit dem Privatheitsparadoxon wissenschaftlich auseinandersetzt. Dieser Band ist der erste Teil einer acatech STUDIE zum Projekt „Internet Privacy – Eine Kultur der Privatsphäre und des Vertrauens im Internet“. Die Autoren leisten eine Bestandsaufnahme der existierenden individuellen und gesellschaftlichen Vorstellungen von Privatsphäre im Internet sowie der entsprechenden rechtlichen, technischen, ökonomischen und ethischen Rahmenbedingungen.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

1. Un/Faire Informationspraktiken: Internet Privacy aus Sozialwissenschaftlicher Perspektive

Zusammenfassung
In den aktuellen Debatten zum Status der Privatheit im Internet herrscht weitestgehend Einigkeit darüber, dass wir derzeit eine Transformation der Privatheit bezeugen. Diese Annahme adressieren wir als sozialwissenschaftliche Forschungsfrage: Lässt sich ein Wandel, gar ein Verschwinden des Privatheitsverständnisses konstatieren? Und worin genau besteht die Privatheitsproblematik im Internet? Ein Verständnis der Privatheitsvorstellungen von Nutzern und Experten für die technisch-rechtliche Infrastruktur des Internets ist unerlässlich, sollen Empfehlungen zur Entwicklung einer Vertrauenskultur im Internet formuliert werden. Um die oben genannten Fragen zu beantworten, legen wir eine theoretisch eingebettete Fokusgruppen-Studie vor, in deren Rahmen drei Nutzergruppen und eine Expertengruppe in vier Städten befragt wurden. Dabei wurde deutlich, dass das grundsätzliche Problem derzeitiger Informationspraktiken darin besteht, dass die Praktiken der Nutzer für die Betreiber der hochkomplexen soziotechnischen Strukturen zunehmend transparent werden, während umgekehrt genau das Gegenteil der Fall ist. Um dieser mangelnden Fairness beizukommen, legen wir abschließend zehn zu diskutierende Vorschläge zur Adressierung der Problematik vor.
Carsten Ochs, Martina Löw

2. It and Privacy from an Ethical Perspective Digital Whoness: Identity, Privacy and Freedom in the Cyberworld171

Zusammenfassung
Die erste Zielstellung ist, durch die phänomenologische Methode wohlbegründete Begriffe zu entwickeln, indem man elementare Phänomene der heutigen Welt mit einem Augenmerk auf die Privatheit und das Digitale durchdenkt, um zu beleuchten, wer wir sind in der Cyberwelt — also eine Phänomenologie des digitalen Werseins. Die zweite Zielstellung ist, durch die hermeneutische Methode eine Auseinandersetzung mit älterer sowie neuerer Literatur zur Privatheit einschließlich in der heute entstehenden Cyberwelt zu führen, deren wichtigste Ergebnisse Kritiken der lediglich informationellen Privatheit sowie des autonomen Subjekts gegenüber einer objektiven, verdinglichten Welt enthalten — im Gegensatz zu einem Selbst, das stets in gesellschaftlichen Machtspielen eingelassen ist. Phänomenologische Ergebnisse umfassen u. a. i) Selbstidentität durch ein Interplay mit der Welt, ii) persönliche Privatheit im Unterschied zur Privatheit des Privateigentums, iii) die Cyberwelt als künstliche, digitale Dimension, um schließlich zu diskutieren, iv) was Freiheit in der Cyberwelt bedeuten kann, ohne dabei v) interkulturelle Aspekte sowie vi) den EU-Kontext zu vernachlässigen.
Rafael Capurro, Michael Eldred, Daniel Nagel

3. Vertrauensinfrastruktur und Privatheit als Ökonomische Fragestellung

Zusammenfassung
Nicht nur die gesetzliche Regulierung, sondern auch die Individualisierung durch das Internet weist der Privatheit sowohl eine einzel- als auch gesamtwirtschaftliche Rolle zu. Dabei wird Privatheit aus Anbietersicht oft als Kostenfaktor gesehen, dem wenige Erträge gegenüberstehen. Aus Nachfragesicht lässt die geringe Akzeptanz von Privacy Enhancing Technology (PET) daraufschließen, dass Privatheit zu einem Auslaufmodell werden könnte. Der Beitrag zeigt, dass durch die Nutzung von persönlichen Daten wirtschaftliche Werte geschaffen werden, deren Grundlage am wirkungsvollsten durch die Kontrolle der Verwendung und nicht durch das Verbot zur Sammlung geschützt werden kann. Die Analyse von empirischen Szenarien des E-Commerce und sozialer Netzwerke zeigt, dass Privatheit sowohl die Einzelentscheidungen des Nutzers als auch des Anbieters verändern kann, und so für alle datenzentrischen Dienste zu einem kritischen Faktor für die Nachhaltigkeit des Geschäftsmodells werden könnte. Das Privacy Paradox und die Datenverwertung führen zu vier Thesen. Diese veranschaulichen die Anforderungen an PET in Bezug auf das Verhindern von Informationsdefiziten aus wirtschaftlicher Sicht und empfehlen, diese durch Mechanismen zur Erhöhung der Transparenz zu ergänzen.
Günter Müller, Christian Flender, Martin Peters

4. State of Online Privacy: A Technical Perspective

Zusammenfassung
Internetbasierte Anwendungen und Angebote haben in den vergangenen Jahren enorme Verbreitung gefunden und prägen heutzutage sowohl die Lebensgestaltung Einzelner als auch Vorgänge in Unternehmen und öffentlichen Einrichtungen. Diese Anwendungen gehen einher mit umfassender Datensammlung, langjähriger Datenspeicherung sowie gezielter Datenweitergabe zwischen Einzelpersonen, Partnerunternehmen und Wissenschaftlern. Hierdurch entstehen noch nie dagewesene Datenschutzprobleme. Beispielsweise ermöglichen internetbasierte Anwendungen und die hierin genutzten Technologien die Profilbildung und Verfolgung einzelner Nutzer über mehrere Internetzonen hinweg - oftmals ohne Wissen oder Einverständnis der Nutzer. In diesem Abschnitt gehen wir auf den aktuellen Stand der Technik im Hinblick auf Privatsphäre und Datenschutz im Internet ein. Hierzu werden die gegenwärtigen Bedrohungen im Hinblick auf Privatsphäre sowie existierende Gegenmaßnahmen beschrieben und analysiert. Die Analyse basiert auf fünf neuartigen internetbasierten Anwendungen: personalisierte Web- und E-Commerce-Angebote, soziale Online-Netzwerke, Cloud Computing, Cyber-Physical Systems und Big Data. Nach Beschreibung dieser Anwendungen werden zunächst die Privatsphäre-bedrohenden Techniken, die verstärkt im Internet eingesetzt werden, erläutert. Anschließend werden Technologien erörtert, die bei entsprechendem Einsatz den Bedrohungen entgegenwirken können und somit Privatsphäre im Internet fördern.
Florian Kelbert, Fatemeh Shirazi, Hervais Simo, Tobias Wüchner, Johannes Buchmann, Alexander Pretschner, Michael Waidner

5. Internet Privacy aus Rechtswissenschaftlicher Sicht

Zusammenfassung
Der Beitrag untersucht die rechtlichen Rahmenbedingungen für eine Kultur der Privatsphäre und des Vertrauens im Internet. Zunächst wird geklärt, welche Bedeutung den Begriffen Kultur und Vertrauen im Recht zukommt. Ausgehend von der Feststellung, dass unter Privatsphäre als solche im deutschen Recht kein einheitliches Schutzkonzept oder Rechtsgut verstanden wird, werden die verfassungsrechtlichen Schutzgüter auf nationaler und europäischer Ebene vorgestellt, die im Zusammenhang mit Anwendungsszenarien im Internet berührt werden. Diese Szenarien werden sodann auf ihre Chancen und Risiken bezüglich der verfassungsrechtlichen Schutzgüter hin untersucht. Anschließend wird ein Überblick über die aktuelle Rechtslage in Deutschland unter Berücksichtigung der Vorgaben auf europäischer Ebene gegeben. Zum Schluss erhält der Leser einen Überblick über die seit Jahren anhaltende Modernisierungsdiskussion für ein zeitgemäßes Datenschutzrecht und über aktuelle Reformvorhaben.
Alexander Rossnagel, Philipp Richter, Maxi Nebel

Backmatter

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