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Über dieses Buch

Die eminente Bedeutung von ExpertInneninterviews für die Forschungspraxis ist unumstritten. Sie gehören in vielen sozialwissenschaftlichen Disziplinen zur alltäglichen Forschungspraxis; sei es als eigenständige Erhebungsmethode, sei es als exploratives oder ergänzendes Instrument im Kontext quantitativer oder qualitativer Forschungsdesigns. Auf der anderen Seite sind ExpertInneninterviews trotz (oder wegen?) ihrer Praxisrelevanz methodisch wenig reflektiert. Dieses Defizit will der vorliegende Band beheben und eine übersichtliche, fundierte und an forschungspraktischen Problemen orientierte Einführung in Theorie und Praxis der ExpertInneninterviews bieten. Neben der Diskussion des methodologischen Hintergrunds und zentraler wissenssoziologischer Basisannahmen (ExpertInnenbegriff, Wissensformen) steht dabei insbesondere die Vorbereitung, Durchführung und Auswertung von ExpertInneninterviews im Mittelpunkt.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

1. Einleitung: Das Expertinneninterview – eine Methode qualitativer Sozialforschung

Zusammenfassung
Dieses Buch versteht sich als praktische und weitgehend pragmatische Einführung in das Expertinneninterview. Unser Ziel besteht darin, Studierenden sozial- und kulturwissenschaftlicher Fachrichtungen sowie all jenen, die sich in der Forschungspraxis mit Experteninterviews auseinandersetzen, ein gut strukturiertes und didaktisch orientiertes Lehrbuch für die Vorbereitung, Durchführung und Auswertung von Expertinneninterviews vorzulegen. Weitläufige methodologische Grundsatzdebatten werden daher vermieden.
Alexander Bogner, Beate Littig, Wolfgang Menz

2. Wer ist ein Experte? Wissenssoziologische Grundlagen des Expertinneninterviews

Zusammenfassung
Wir möchten nun dem Begriff des Experten etwas genauer nachgehen. Dies ist keine bloße akademische Pflichtübung. Tatsächlich ist ja das Experteninterview zunächst – anders als andere Formen des qualitativen Interviews – nicht über eine bestimmte methodische Vorgehensweise definiert, so wie dies z. B. beim problemzentrierten Interview, beim episodischen oder beim narrativen Interview der Fall ist. Das Experteninterview definiert sich vielmehr – jedenfalls der unmittelbaren Wortbedeutung nach – über den Gegenstand seines Interesses: den Experten. Diese Tatsache ruft immer wieder Kritik hervor. Kann sich eine Methode sinnvoll über den Kreis der Untersuchungspersonen bestimmen? Ein zentraler Einwand lautet: Es gebe schließlich ja auch nicht das „Beamteninterview“ oder das „Hausfraueninterview“.
Alexander Bogner, Beate Littig, Wolfgang Menz

3. Wissens- und Interviewformen – Varianten des Experteninterviews

Zusammenfassung
Wie wir im vorangegangenen Kapitel gesehen haben, ist es nicht einfach ihr Verfügen über ein „besonderes Wissen“, das das Interesse der Sozialwissenschaftler an den Experten erweckt. Vielmehr sind Expertinnen für unsere Untersuchungen deshalb relevant, weil sie in einer sozialen oder organisationalen Position stehen, in der sie ihr Wissen und ihre Deutungen für einen breiteren sozialen Kontext relevant oder prägend machen können.
Alexander Bogner, Beate Littig, Wolfgang Menz

4. Der Zugang zu den Experten: die Vorbereitung der Erhebung

Zusammenfassung
Nach unseren theoretischen Überlegungen zum Begriff des Experteninterviews und Expertenwissens wenden wir uns nun verstärkt forschungspraktischen Themen zu: Welche Vorarbeiten müssen wir erledigen, bevor wir uns in die konkrete Gesprächssituation begeben können? Interviews mit Experten und Expertinnen bedürfen der sorgfältigen Planung. Dazu gehört die gründliche Entwicklung eines Interviewleitfadens, der vor allem als Checkliste und Richtschnur des Interviews dient (4.1.). Zu den vorbereitenden Arbeiten gehört auch die nachvollziehbare Auswahl der zu befragenden Experten (das sogenannte Sampling) sowie die Kontaktaufnahme und Terminvereinbarung für das Interview (4.2). Insbesondere letzterer Aspekt ist nicht zu unterschätzen, geht es doch darum Personen, für die Zeitknappheit fast schon zum Professionshabitus gehört, von der Notwendigkeit eines wissenschaftlichen Interviews zu überzeugen. Bereits bei der Interviewplanung sollte zudem entschieden werden, wie die Sprachdaten dokumentiert werden (4.3). Besondere Herausforderungen beinhalten Experteninterviews, die fremdsprachlich geführt werden – hier ist besondere Sorgfalt bei der Vorbereitung der Gespräche angezeigt (4.4).
Alexander Bogner, Beate Littig, Wolfgang Menz

5. Die Interaktion im Interview: Frageformulierung und Strategien der Gesprächsführung

Zusammenfassung
Das Interview selbst ist eine komplexe soziale Interaktionssituation, in der die Interviewer nicht nur methodisch-regelgeleitet, sondern häufig auch intuitiv agieren und reagieren (müssen). Das bedeutet allerdings nicht, dass eine tiefer gehende methodische Reflexion deshalb müßig wäre – ganz im Gegenteil. Zunächst möchten wir uns typische Interaktionssituationen, wie sie in Experteninterviews häufig vorkommen, näher anschauen (Kap. 5.1): Welche Rollenerwartungen und Einschätzungen gibt es, die den Gesprächsverlauf prägen? Welchen Nutzen und welche Gefahren bieten sie für den Erhebungserfolg? Anschließend wird die Interaktionssituation unter Gender-Aspekten analysiert. Im Mittelpunkt steht die Frage, auf welche Art und Weise die Kategorie Geschlecht im Interview wirksam werden kann – und was dies für die Durchführung von Interviews heißt (Kap. 5.2). Abschließend wird dann dargelegt, welche Hinweise für die Formulierung von Interviewfragen sich aus unseren Analysen der Interviewsituation gewinnen lassen (Kap. 5.3).
Alexander Bogner, Beate Littig, Wolfgang Menz

6. Auswertungsverfahren für Experteninterviews

Zusammenfassung
Für die Auswertung von Experteninterviews gibt es (noch) kein kanonisiertes Verfahren. Das heißt, bislang hat sich keines der bekannten Auswertungsverfahren qualitativer Sozialforschung zu der Experteninterview-spezifischen Methode entwickelt; es hat sich auch noch keine eigenständige Auswertungsmethode spezifisch für Experteninterviews herausgebildet. Im Prinzip können daher alle Auswertungsverfahren zur Anwendung kommen, z. B. Code-basierte Verfahren wie sie in der Grounded Theory oder in der qualitativen Inhaltsanalyse üblich sind. Es können aber auch sequenzanalytische Verfahren zur Anwendung kommen, wie dies etwa im Rahmen der hermeneutischen Wissenssoziologie oder der objektiven Hermeneutik der Fall ist (vgl. dazu die entsprechenden Beiträge in Flick et al. 2003). Auch Kombinationen von Auswertungsmethoden sind möglich.
Alexander Bogner, Beate Littig, Wolfgang Menz

7. Qualitätskriterien der Forschung

Zusammenfassung
Im letzten Kapitel dieser Einführung wird es nicht darum gehen, die umfangreichen Qualitätskriterien qualitativer Sozialforschung darzulegen. Diese sind in der einschlägigen Literatur hinlänglich diskutiert worden. Vielmehr werden Besonderheiten im Hinblick auf das Experteninterview thematisiert werden. Dabei geht es in erster Linie um zentrale Aspekte der Forschungsethik, also spezifische Fragen der Instrumentalisierung der Befragten, der Freiwilligkeit der Teilnahme am Interview und das nicht zu unterschätzende Problem der Anonymisierung von Experteninterviews (7.1). Im Anschluss daran werden wir diskutieren, wie die Güte des Forschungsprozesses sichergestellt werden kann. Letztlich wird damit die Fundamentalfrage angerissen, wie gute von schlechter Forschung unterschieden werden kann. (7.2).
Alexander Bogner, Beate Littig, Wolfgang Menz

8. Ausblick

Zusammenfassung
Das vorliegende Buch versteht sich in erster Linie als pragmatische Einführung und praktischer Leitfaden zur Vorbereitung, Durchführung und Interpretation von Experteninterviews. Gleichzeitig gibt es den aktuellen Stand der methodologischen und methodischen Diskussion wieder. Dabei wird zweierlei deutlich: Zum einen hat sich die Debatte darüber vertieft, wer als Experte gelten kann und vor allem: welches Wissen wir uns durch Experteninterviews verfügbar machen können und wollen. Diese wissenssoziologische Debatte ist deswegen zentral, weil sie das theoretische Fundament der Methodenpraxis darstellt; sie begründet den Anwendungs- und Geltungsbereich des Experteninterviews. Zum anderen hat sich die methodische Debatte merklich intensiviert; das Experteninterview hat auf diese Weise ein schärferes methodisches Profil gewonnen. Es gibt – bei aller Diversität der Zwecke und Anwendungsbereiche von Experteninterviews – viele Gemeinsamkeiten hinsichtlich des generellen Settings, des Zugangs, der Interviewtechniken usw. Das heißt nicht, dass das Experteninterview bereits ein kanonisches Verfahren qualitativer Forschung und die Debatte darüber weitgehend abgeschlossen wäre. Letzteres ist wenig realistisch und wahrscheinlich auch gar nicht wünschenswert. Denn wie bei allen Methodendiskussionen beruhen Beiträge zum Experteninterview auf der Reflexion über Forschungspraktiken; letztlich sind Methoden ja Instrumente der Generierung und Analyse von empirischem Datenmaterial. Insofern sind die Ausführungen über methodische Standards auch immer vorläufig. Methoden verändern sich mit der Forschung selbst. Sie werden revidiert, modifiziert und verfeinert.
Alexander Bogner, Beate Littig, Wolfgang Menz

Backmatter

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