Skip to main content
main-content

Über dieses Buch

Der spätestens seit den Finanz- und Nahrungsmittelpreiskrisen 2007/2008 rasant zunehmende Trend von Land Grabbing in Entwicklungsländern hat beträchtliche Ausmaße angenommen. Während von mancher Seite immer wieder auf die Vorteile der Landinvestitionen hingewiesen wird, gibt es bedeutende Risiken für die Zielgesellschaften – das wohl größte ist die Gefährdung ihrer Ernährungssicherheit. Auf der Basis internationaler Studien, Dokumente und Medienberichte stellt Daniela Kress den aktuellen Forschungsstand, die Komplexität und Vielseitigkeit des Phänomens Land Grabbing dar. Sie präsentiert Erkenntnisse über den Zusammenhang zwischen den Geschäften mit Land und Ernährungssicherheit am Beispiel der Region Subsahara-Afrika und diskutiert mögliche künftige Entwicklungen.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

1. Einleitung

Für das Jahr 2050 wird infolge des Bevölkerungswachstums eine Weltbevölkerung von 9,2 Mrd. Menschen prognostiziert. Diese mit Nahrung zu versorgen, stellt wohl eine der größten globalen Herausforderungen dieses Jahrhunderts dar. Während im Vergleich zu heute rund 2 Mrd. Menschen zusätzlich ernährt werden müssen (U.S. Census Bureau 2011), verändern sich gleichzeitig die Ernährungsgewohnheiten, insbesondere der Menschen in Schwellenländern wie Brasilien, China und Indien. Infolge zunehmenden Wohlstandes steigt der Nahrungs- und vor allem der Fleischkonsum jener Gesellschaften und erfordert immer höhere landwirtschaftliche Erträge, vermehrt auch für Tierfutter (Evans 2009: 7).
Daniela Kress

2. Was ist Land Grabbing?

Obwohl Landnahmen generell keine Neuheit sind, im Gegenteil bereits mit der Kolonialisierung ganzer Kontinente systematisch einhergingen (Spieldoch & Murphy 2009: 40), und auch die Kontrolle über Land durch ausländische Unternehmen bereits lange Tradition hat (Huggins 2011), haben die Ereignisse der letzten Jahre aufgrund ihres immensen Ausmaßes, der teilweise neuen Akteure und ihrer Motive alte und neue Begriffe hervorgebracht, die versuchen, diese neuen Ausprägungen zu beschreiben. Es ist die Rede von Land Grabbing, neuer oder gar neokolonialer Landnahme, von kommerziellem Druck auf Land, von großflächigen Landkäufen und -pachten oder von ausländischen Direktinvestitionen in Land. Der Unterschied zwischen den Begriffen gründet zum Großteil auf der jeweiligen Perspektive seiner Benutzer. Und obwohl sich alle Begriffe trotz verschiedener Blickwinkel auf dasselbe Phänomen beziehen, muss man in Bezug auf die Implikationen, die diese mit sich bringen, klar differenzieren.
Daniela Kress

3. Ernährungssicherheit

Bevor nun der Frage nach potenziellen und bereits beobachtbaren Auswirkungen von Land Grabbing auf die Ernährungssicherheit der Zielstaaten nachgegangen wird, soll im vorliegenden Kapitel erläutert werden, was sich hinter dem Begriff der Ernährungssicherheit verbirgt. Hierzu wird zunächst das von der FAO entwickelte Konzept der Ernährungssicherheit vorgestellt. Da gerade im Forschungsfeld der aktuellen Landakquisitionen in Bezug auf mögliche Implikationen für den Ernährungsstatus der betroffenen Bevölkerung oftmals mit unterschiedlichen Konzepten operiert wird, ist es hilfreich, die Konzepte Ernährungssicherheit, Ernährungssouveränität und das Menschenrecht auf Nahrung voneinander abzugrenzen. Im Anschluss soll ein Blick auf die aktuelle Ernährungslage in der Region südlich der Sahara die Brisanz und Relevanz der Forschungsfrage unterstreichen. Um mögliche künftige Auswirkungen von Land Grabbing auf die Ernährungssicherheit der Region besser einordnen zu können, wird dann eine Analyse der bisherigen Ursachen für die nach wir vor hohe Ernährungsunsicherheit in Subsahara- Afrika erfolgen. Die Einbettung dieser Ursachen in den internationalen Kontext – der sich auf die Politik der drei großen Internationalen Organisationen Weltbank, IWF und WTO beschränken wird soll schließlich nicht nur ein breiteres Verständnis der regionalen Situation ermöglichen, sondern auch eine Verknüpfung zu aktuellen internationalen Entwicklungen im Bereich der ausländischen Direktinvestitionen in Land herstellen.
Daniela Kress

4. Land Grabbing und Ernährungssicherheit in Subsahara-Afrika

„Imagine […] empty trucks being driven into, say, Ethiopia, at a time of food shortages caused by war or drought, and being driven out again full of grain to feed people overseas“ (Hallam zit. nach Pagano 2009). Dieses Szenario ist angesichts der aktuellen Entwicklungen von Land Grabbing keineswegs utopisch. Dass Land Grabbing besonders in ernährungsunsicheren Ländern die Lebensgrundlage einer Vielzahl von Menschen bedrohen kann, hat das Beispiel Madagaskar im Jahr 2008 demonstriert: Der südkoreanische Konzern Daewoo plante die kostenlose Pacht einer Fläche von über einer Million Hektar und beabsichtigte, die komplette Mais- und Palmöl-Ernte zu exportieren (Jung-a et al. 2008). Das Projekt scheiterte schließlich an den Aufständen der Bevölkerung, die zum Sturz der für den Deal verantwortlichen Regierung führten. Trotz dieses Beispiels zivilgesellschaftlichen Widerstandes nehmen die Verträge über Land in den Staaten Subsahara-Afrikas zu und bieten eine Menge Diskussionsstoff über mögliche Implikationen für die Ernährungslage der jeweils betroffenen Bevölkerung.
Daniela Kress

5. Fallbeispiele

Während der facettenreiche Zusammenhang von Land Grabbing und Ernährungssicherheit in Subsahara-Afrika aufgrund von Intransparenz und unterschiedlichen Umsetzungsstadien der Landverträge nach wie vor großen Spielraum für Spekulationen bietet, ermöglicht der Blick auf einzelne Staaten jedoch bereits genauere Erkenntnisse. Es ist davon auszugehen, dass sich der Zielkonflikt Ernährungssicherung des Investorenlandes vs. Ernährungssicherheit der Bevölkerung im Zielstaat in Ländern mit hoher Ernährungs unsicherheit am deutlichsten bemerkbar macht. Als einer der Hauptempfänger von Nahrungsmittelhilfe, gepaart mit relativ hohem Investitionsaufkommen in Land (vgl. Tabelle 3) und der vergleichsweise guten Datenlage, werden im Folgenden die Zielländer Äthiopien und Mosambik untersucht.
Daniela Kress

6. Fazit

Gut drei Jahre sind vergangen, seitdem infolge der großen Nahrungsmittel- und Finanzkrise das „neue“ Potential der Landwirtschaft als Investitionsobjekt entdeckt wurde. Auch wenn bereits in den Jahren zuvor die zunehmende Verknappung von nutzbaren Böden, Wasser sowie fossilen Energievorkommen, gepaart mit den globalen Trends Bevölkerungswachstum, veränderte Ernährungsgewohnheiten und Klimawandel, immer stärker in das Bewusstsein von Regierungen, Unternehmen und internationalen Regierungs- und Nichtregierungsorganisationen gerückt war, so kann man die Jahre 2007 und 2008 doch als klaren Wendepunkt ausmachen. Die hohen Nahrungsmittelpreise und die anschaulich offenbarten Schwächen des internationalen Finanzsystems veranlassen seitdem Unternehmen aus unterschiedlichen Sektoren sowie Regierungen aus Schwellen- und Industriestaaten, ihren Blick auf die vermeintlich großen verfügbaren Landflächen in den Entwicklungsländern zu richten.
Daniela Kress

Backmatter

Weitere Informationen

BranchenIndex Online

Die B2B-Firmensuche für Industrie und Wirtschaft: Kostenfrei in Firmenprofilen nach Lieferanten, Herstellern, Dienstleistern und Händlern recherchieren.

Whitepaper

- ANZEIGE -

Best Practices für Web-Exzellenz im Online-Handel

Erfolgsbeispiele für erfolgreiche Online-Unternehmen gibt es viele. Best Practices für Web-Exzellenz ergeben sich aus der bestmöglichen Umsetzung der Erfolgsfaktoren, die sie auf der anderen Seite aber auch maßgeblich mit bestimmt haben. Lesen Sie hier, was Sie von den Unternehmen lernen können, die zu Recht als "exzellent" bezeichnet werden können.
Jetzt gratis downloaden!

Bildnachweise