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Wie Familienunternehmen Gewinne klug nutzen

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Familienunternehmen prägen die deutsche Wirtschaft. Doch steigende Kosten, Bürokratie und Transformationsdruck verlangen neue Strategien - besonders bei der Frage, wie Gewinne klug verwendet werden. 

Shareholders worldwide are delighted about higher dividends.


Familienbetriebe haben in Deutschland eine enorme Bedeutung: Sie machen 90 Prozent aller Unternehmen aus und erwirtschaften laut der Stiftung Familienunternehmen knapp die Hälfte des deutschen Bruttoinlandsprodukts. Fast 60 Prozent aller Beschäftigten in Deutschland sind für einen familiengeführten Betrieb beschäftigt. Das sind mehr als 18 Millionen Menschen. Daher wirken sich Trends und Entwicklungen in diesen Firmen auch besonders stark auf die gesamte deutsche Wirtschaft aus.

Aktuelle Herausforderungen für Familienunternehmen

Aktuell stehen viele dieser Organisationen vor großen Herausforderungen: Trotz einer anhaltend angespannten konjunkturellen Lage und hohen Kosten zulasten der Liquidität müssen die Firmen aufgrund der digitalen Transformation oft große Investitionen in die Zukunft stemmen. Einer Erhebung des Beratungshauses Pricewaterhouse Coopers (Pwc) zufolge, wollen mehr als zwei Drittel (68 Prozent) der Familienunternehmen in Digitalisierung und Nachhaltigkeit investieren. Doch hohe Zinsen und Energiepreise stellen für viele Entscheider zentrale Hindernisse dar und erschweren vielen Betrieben eine entsprechende Finanzierung. 

Laut einer Umfrage der Verbände Familienunternehmer und Junge Unternehmer kämpfen die Betriebe außerdem mit

  • Bürokratiekosten,
  • Regulierung,
  • Unberechenbarkeit der Finanz- und Wirtschaftspolitik,
  • Absatzproblemen,
  • hoher Steuer- und Abgabenlast sowie
  • dem Fachkräftemangel.

Arten der Gewinnverwendung

Die vielfältigen Herausforderungen beeinflussen die Unternehmensplanung und wirken sich zudem auf die Finanzstrategie aus.  Familienunternehmen müssen sich fragen, wie sie ihre Gewinne am besten einsetzen. Dabei gibt es typische Möglichkeiten der Gewinnverwendung. Hierzu gehören:

  • die Ausschüttung,
  • die Bildung von Gewinnrücklagen,
  • die Thesaurierung,
  • Entnahmen bei Personengesellschaften sowie
  • Sonderzahlungen an Mitarbeiter.

Ausschüttung einer Dividende

Als mögliche Option kommt beispielsweise die Dividende an Anteilseigner in Betracht. So wird - zumindest ein Teil - des Gewinns an Familienangehörige, die Anteilseigner sind, ausgeschüttet. Dabei dient die Ausschüttung nicht nur der finanziellen Absicherung der Eigentümer, sondern kann auch die Motivation der Familie und die langfristige Bindung an das Unternehmen stärken. 

Gleichzeitig müssen Firmen abwägen, wie viel Gewinn für Investitionen im Unternehmen verbleiben sollte, um zukünftiges Wachstum zu sichern. In der Regel wird deshalb nicht der komplette Gewinn ausgeschüttet. Um Spannungen vorzubeugen, insbesondere wenn ein Teil der Familie auf regelmäßige Dividenden zur Altersvorsorge angewiesen ist, kann eine verbindliche Ausschüttungsquote, abhängig vom Free Cash Flow, sinnvoll sein. 

Bildung von Gewinnrücklagen 

Gerade in unsicheren Phasen kann die Bildung von Gewinnrücklagen eine strategisch sinnvolle Variante sein. Diese dienen der finanziellen Stabilität und sichern Liquidität für schwierige Zeiten. Für bestimmte Unternehmensformen schreibt das Gesetz die Rücklagenbildung sogar zwingend vor, sodass ein Teil des Gewinns nicht frei verfügbar ist. Rücklagen können zudem strategisch für Investitionen oder zukünftige Projekte genutzt werden.

Finanzielle Sicherheit ist wichtig, doch Familienunternehmen müssen in den kommenden Jahren dringend Geld in die Hand nehmen und investieren, um sich zukunftsfit zu machen. Ohne Anpassungen an ihrem Geschäftsmodell werden viele Unternehmen nicht überlebensfähig sein," betont Uwe Rittmann, Leiter Familienunternehmen und Mittelstand bei Pwc Deutschland.

Vorteile nutzen durch Thesaurierung

Bei einer Thesaurierung verbleiben die erwirtschafteten Überschüsse im Unternehmen und werden unter anderem für Investitionen genutzt. 

Hinweis: Mit dem Wachstumschancengesetz macht der Gesetzgeber die Thesaurierung besonders attraktiv. Diese steuerliche Neuregelung erlaubt unter bestimmten Voraussetzungen eine begünstigte Besteuerung nicht entnommener Gewinne, wenn dies beantragt wird. Betriebe mit hohem Investitionsbedarf können so die effektive Steuerlast senken. Allerdings ist hier Expertise in der Steuerplanung wichtig, denn die Ermittlung des begünstigungsfähigen Betrags bringt komplexe Fragen mit sich. 

Beispiel: Ein Betrieb aus der Lebensmittelbranche entscheidet sich, einen Teil des Gewinns zu thesaurieren, um eine neue Linie für vegane Produkte zu finanzieren. 

Gewinnverwendung folgt dem Business-First-Grundsatz

Doch wie nutzen Familienunternehmen die unterschiedlichen Möglichkeiten? Spannende Erkenntnisse liefert hierzu eine Studie, die von PwC Deutschland zusammen mit der Intes Akademie für Familienunternehmen und dem Intes Stiftungsstuhl für Familienunternehmen und Unternehmerfamilien an der DBU durchgeführt wurde. Hierfür wurden 180 Familienunternehmen befragt.

Bei der Mehrheit der teilnehmenden Firmen orientiert sich die Ausschüttungsquote an den Erfordernissen des Betriebs. Es gilt also der Grundsatz "Business first". Bemerkenswert ist, dass bei der Ausschüttungspolitik in der Regel Einvernehmen besteht (92 Prozent). Es scheint also in den meisten Fällen keinen Streit zur Ausschüttung von Gewinnen zu geben.

Werden Gewinne ausgeschüttet, so liegt die Quote bei Personengesellschaften regelmäßig unter 30 Prozent und bei Kapitalgesellschaften unter 25 Prozent. Die Stärkung des Eigenkapitals steht für viele Firmen im Vordergrund, damit sie möglichst unabhängig von teurem Fremdkapital sind.

Konfliktpotenziale durch unklare Regelungen

In Familienunternehmen fehlen allerdings oft vereinbarte Regelwerke zur Gewinnverwendung oder auch zur Höhe einer Ausschüttung. Insbesondere mit Blick auf eine mögliche Nachfolgeproblematik, kann sich hieraus Konfliktpotenzial ergeben. 

Bleibt die Dividende länger aus und steht der Gesellschafterkreis dann nicht mehr geschlossen hinter der Ausschüttungspolitik oder gibt es gar Gesellschafter, die in der Krise ihre Anteile mangels ausreichender Rendite veräußern wollen, sind Spannungen im Gesellschafterkreis vorprogrammiert," befürchtet Britta Wormuth, Geschäftsführerin der Intes Akademie für Familienunternehmen.

Mit fünf Maßnahmen für Stabilität sorgen

Um solche Konflikte in der Zukunft zu vermeiden, empfiehlt PwC fünf strategische Maßnahmen, die für Klarheit sorgen:

  • Klare Regelwerke für die Ausschüttungspolitik (sogenannte Familienverfassung) entwickeln;
  • Festlegung einer Mindest- und Höchstausschüttung;
  • Ausschüttungspolitik muss zum gesamten Ökosystem aus Familie und Unternehmen passen;
  • Diversifikation des Vermögens (zum Beispiel mithilfe einer Holdingstruktur);
  • Inhaberstrategie entwickeln.

Speziell die Holdingstruktur kann für eine familiengeführte Firma in besonderen Fällen sinnvoll sein. Sie ermöglicht es, Gewinne aus operativen Geschäften steueroptimiert in Beteiligungen oder Immobilien umzuleiten. 

Welchen Weg Familienunternehmen auch gehen, sie müssen dabei immer die Balance zwischen Stabilität und Zukunftsausbau finden. Eine klare Gewinnverwendungspolitik schafft dabei Orientierung - für das Unternehmen, die Familie und die Beschäftigten.

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