KMU fehlt es an Finanzierungswissen
- 17.10.2025
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Hohe Hürden, fehlende Expertise, gesellschaftliche Tabus: Für KMU sind klassische Bankkredite zwar die wichtigste Finanzierungsform, doch bei Investitionen verzichten die Unternehmen immer häufiger darauf.
Finanzangelegenheiten wie Finanzierungen werden in vielen mittelständischen Betrieben vom Chef miterledigt.
Robert Kneschke / Fotolia
Der deutsche Mittelstand steht unter Investitionsdruck - vor allem bei neuen Technologien und Anlagen, digitalen Prozessen oder einem nachhaltigen Lager- und Gebäudebestand. Doch der Weg zum klassischen Bankkredit ist oft steinig: Die Hürden sind hoch und Antragsteller benötigen eine gute Bonität. Wie das KfW-Mittelstandspanel vom Frühjahr 2025 zeigt, verzichten inzwischen mehr als drei Viertel (77 Prozent) der kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) ganz auf Kredite ihrer Hausbank, wenn es um Investitionen geht. Zum Vergleich: 2004 lag dieser Anteil noch bei 60 Prozent. Die Analyse der Förderbank gibt vor allem strukturelle Herausforderungen kleinerer Betriebe als Ursache für diese Entwicklung an.
Inhaber sind meist auch Finanzentscheider
Eine aktuelle Umfrage des Finanzierungsdienstleisters Iwoca unter 400 Finanzverantwortlichen in KMU mit bis zu 249 Mitarbeitenden in Deutschland zeigt: In vielen Fällen kümmern sich die Inhaber selbst - zusätzlich zum Tagesgeschäft - um Finanzierungsfragen. Da es häufig an eigenen Finanzexperten fehlt, fühlt sich rund jeder Vierte (24 Prozent) mit dieser Aufgabe überfordert. Zwei Drittel (63 Prozent) empfinden das Thema Unternehmensfinanzierung sogar als gesellschaftliches Tabu.
Bei der Informationsbeschaffung zu Branchentrends setzen Entscheider vor allem auf ihr persönliches Netzwerk sowie Kolleginnen und Kollegen (52 Prozent), Fachzeitschriften (47 Prozent), Online-Fachportale (46 Prozent) sowie allgemeine Nachrichtenmedien (46 Prozent). Geht es jedoch um Finanzierungsfragen, wenden sich 65 Prozent direkt an ihre Hausbank, 41 Prozent ziehen Steuer- oder Finanzberater hinzu. Entsprechend hoch ist das Wissen über klassische Finanzierungsinstrumente.
Bank- und Förderkredite stehen im Fokus
Zu den zehn wichtigsten Finanzierungsoptionen für KMU zählen:
- Bankkredite (84,8 Prozent),
- Förderkredite, etwa über die KfW (75,0 Prozent),
- Leasing (71,0 Prozent),
- staatliche Subventionen und Zuschüsse (70,5 Prozent),
- Privatkredite von Familie oder Freunden (66,5 Prozent),
- Kontokorrentkredite (59,0 Prozent),
- Crowdfunding (54,3 Prozent),
- alternative Kreditgeber oder Online-Kredite von Nicht-Banken (41,0 Prozent),
- Factoring (28,5 Prozent) sowie
- Venture Capital (26,3 Prozent).
Obwohl 44 Prozent der befragten Unternehmen in den kommenden sechs bis zwölf Monaten eine Kreditaufnahme planen, geben fast zwei Drittel (63 Prozent) an, dass es in Deutschland Vorbehalte gibt, offen über Unternehmensfinanzierung und Kredite zu sprechen. Das erschwert nicht nur den Zugang zu Kapital, sondern hemmt auch Innovationskraft und Wachstum vieler kleiner Betriebe.