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23.11.2022 | Investitionsfinanzierung | Im Fokus | Online-Artikel

Mit Fördermitteln und VC Innovationen stemmen

verfasst von: Angelika Breinich-Schilly

5 Min. Lesedauer
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Inflation und steigenden Energiekosten belasten die Liquidität vieler Unternehmen. Zudem müssen sie Innovationen finanzieren, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Doch die Hürden für Bankkredite steigen. Staatliche Förderung und Wagniskapital sind Alternativen in der Krise.

Das Beratungshaus Ayming hat für die aktuelle Ausgabe seines "International Innovation Barometers 2023" Unternehmen in 17 Ländern befragt, wie sie mit der Energiekrise und Investitionen in Innovationen umgehen. 77 Prozent der insgesamt 846 Organisationen sagen, dass sie ihre Geschäftsprozesse bereits anpassen müssen, um den Energiekosten entgegenzuwirken. Für 26 Prozent der Betriebe sind diese Veränderungen so radikal, dass sie trotz der angespannten wirtschaftlichen Lage auf zukunftsweisende Innovationen angewiesen sind.

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Grundlagen des Investitionscontrollings

Controlling hat sich seit Beginn des 20. Jahrhunderts als Ergebnis des Versuchs herausgebildet, Unternehmen besser lenken und steuern zu können. Die Einbindung des Controllings ist verbunden mit seiner Einordnung in die Unternehmensorganisation, mit der Kompetenzzuweisung zu diesem Bereich sowie, wenn notwendig, mit seiner Binnenstruktur.

Die Unternehmen nutzen der Umfrage zufolge deshalb sogenannte Low-hanging Fruits, also Hebel, mit denen sie schnell und pragmatisch die Produktion sicherstellen können. Hierzu müssen sie vor allem in die Steigerung der Energie- und Ressourceneffizienz (44 Prozent), den Umstieg auf nicht-fossile Energieträger (33 Prozent) sowie Substitutionsstrategien bei der Beschaffung und Nutzung von Rohstoffen (30 Prozent) investieren. 

Bankfinanzierungen werden schwieriger

Um diese Aufgaben anzugehen, sind allerdings enorme finanzielle Mittel nötig. Durch die geldpolitische Straffung verteuern sich aber derzeit sowohl Bankkredite als auch die Kapitalmarktfinanzierung, heißt es in einem aktuellen Positionspapier von KfW Research. "Im August 2022 verlangten die Finanzinstitute zum Beispiel rund 2,6 Prozent Zinsen für Unternehmenskredite mit einer Laufzeit von mehr als fünf Jahren. Das entspricht einem kräftigen Anstieg von 120 Basispunkten in sechs Monaten. Darüber hinaus zeichnet sich eine Verschärfung der Kreditvergabepolitik der Banken zusehends deutlicher ab."

In der Erhebung der KfW-ifo-Kredithürde gab zuletzt mehr als ein Viertel der befragten Mittelständler an, in Kreditverhandlungen mit restriktiven Banken konfrontiert zu sein. Damit gestaltet sich der Kapitalzugang nach einer Phase der Entspannung während des Abklingens der Corona-Krise deutlich schwieriger. Digitalisierungsprojekte inklusive grüner Innovationen stehen aufgrund bestimmter Merkmale der Bereitstellung von Finanzmitteln entgegen, begründen die KfW-Research-Ökonomen diese Entwicklung. 

So führen Marktversagenstatbestände, wie externe Effekte und eine asymmetrische Informationsverteilung zwischen dem potenziellen Geldgeber und dem durchführenden Unternehmen dazu, dass entlang des Reifegrads von Technologien die Anforderungen an die - insbesondere externe -Finanzierung variieren. Der hohe Anteil an Personalkosten begrenzt die Möglichkeiten, aus den Projekten heraus Sicherheiten zu stellen, sodass Technologien in frühen Reifephasen nicht bankable sind", heißt es in dem Positionspapier zur Begründung.

Öffentliche Fördermittel oft alternativlos

"Der Wunsch, das Ziel und die Notwendigkeit nachhaltiger zu werden, ist bereits seit Jahren in Deutschland in den energieintensiven Industrien einer der wichtigsten Eckpfeiler. Egal ob auf regionaler, Bundes- oder EU-Ebene, es gibt zahlreiche Förderprogramme von der Forschung und Entwicklung (F&E) bis hin zu harten Investitionen im Prozessbereich", führt Jan Lucas, Director Grants bei der Ayming Deutschland, aus. 

Entsprechende Programme können in der Förderdatenbank des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie abgerufen werden, schreibt Christian Suhl im Buchkapitel "Fördermittel" (Seite 328). Dort können Unternehmen nach einem bestimmten geografischen Fördergebiet oder -bereich, den Förderberechtigten sowie nach einzelenen Fördergeber und arten, etwa Zuschuss oder Darlehen, suchen. 

Die Voraussetzungen, unter denen eine Zuwendung gewährt wird, werden häufg durch Förderrichtlinien konkretisiert. Für fast alle Förderprogramme auf Bundes- und Landesebene werden sogenannte Förderrichtlinien erlassen. Dabei handelt es sich um Verwaltungsvorschriften. Sie dienen dazu, einerseits die spezifschen Besonderheiten der jeweiligen Förderung zu regeln und andererseits dem Gleichheitsgrundsatz Rechnung zu tragen, das heißt die Gleichbehandlung aller Antragsteller durch die Bewilligungsstellen zu gewährleisten", führt der Springer-Autor auf Seite 334 aus.

Umfang bestimmt der Zuwendungsbescheid

Bezugspunkt der Förderung sind laut Suhl in der Regel die zuwendungsfähigen Ausgaben als Bemessungsgrundlage. Eine Förderung auf Kostenbasis komme nur ausnahmsweise in Betracht. So lassen der Bund sowie die Länder Bremen, Hamburg, Sachsen und Thüringen für Projektförderungen an gewerbliche Unternehmen eine Gewährung von Zuwendungen auf Kostenbasis zu, wenn "eine Bemessung der Zuwendung nach Ausgaben im Hinblick auf die Verrechnung von Gemeinkosten einschließlich kalkulatorischer Kosten nicht sinnvoll ist." Das gelte insbesondere für Forschungs- und Entwicklungsvorhaben. 

"Welche Ausgaben oder Kosten zuwendungsfähig sind, ist vom Zuwendungsgeber in den Förderrichtlinien zu bestimmen", so Suhl. Deren  Umfang werde im Zuwendungsbescheid beziehungsweise -vertrag festgelegt. 

Hohe Hürden für Fördertöpfe

Und dieses Angebot wird von vielen Unternehmen genutzt: So gibt auch gut die Hälfte (52 Prozent) der befragten Organisationen an, dass die Regierungen ausreichend öffentliche Gelder zur Verfügung stellen, um der Situation gerecht zu werden. Die aktuelle Energiekrise führe laut Lucas dazu, dass die Förderschemata und die verknüpften Budgets nochmal intensiviert wurden. Vielen Betrieben bliebe keine andere Wahl, als diese Förderungen pragmatisch in Anspruch zu nehmen.

Allerdings sei die oft gutgemeinte Extraförderung für entsprechende Innovationen jedoch mit Voraussetzungen verknüpft, "die für Unternehmen nicht immer praktikabel sind", kritisiert Lucas. "Dadurch bleiben einerseits bei den Mittelgebern Milliarden Euro an Förderpotenzial ungenutzt und anderseits stehen Unternehmen äußerst relevante Förderprogramme monetär leider nur beschränkt zur Verfügung." Um sich künftig mit innovativen Lösungen erfolgreich auf dem Markt zu behaupten, müsse die Wirtschaft stärker von Steuergutschriften und Liquiditätsspritzen für Forschung und Entwicklung profitieren. 

Fördermittel und VC-Kapital verknüpfen

Für KfW Research soll die öffentlichen Förderung allerdings zusätzlich auch private Investitionen in innovative Projekte fördern. "Steigerungen der staatlichen FuE-Ausgaben gehen in Deutschland seit Jahrzehnten regelmäßig mit Steigerungen der privater Forschungs- und Entwicklungsausgaben einher. Auch staatlich gefördertes Venture Capital (VC) mobilisiert ein zusätzliches privates VC-Angebot", erläutern sie die Sogwirkung öffentlicher Födermittel. "Um genügend Kapital für die Transformation zu mobilisieren, müssen die Kapitalmärkte stärker als bislang genutzt werden. Dazu müssen der VC-Markt weiter gestärkt und Instrumente wie Green Bonds oder Verbriefung herangezogen werden."

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