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08.04.2021 | Investitionskosten | Nachricht | Onlineartikel

Innovationsstärke beeinflusst öffentliche FuE-Ausgaben

Autor:
Swantje Francke
2 Min. Lesedauer

Wenn Rezessionen private Investitionen in Forschung und Entwicklung bremsen, ist der Staat gefragt: Er kann mit öffentlichen Mitteln Innovationen fördern, um die Wirtschaft gestärkt aus der Flaute zu schicken.

An den öffentlichen Ausgaben für Forschung und Entwicklung (FuE) in Rezessionen lässt sich der Innovationsstand eines Staates ablesen. Wie eine aktuelle Studie des ZEW Mannheim nahelegt, bestimmt die Innovationskraft die Ausgabenpolitik von 28 OECD-Staaten, die für die Analyse des Zeitraums zwischen 1995 und 2017 herangezogen wurden. Demzufolge erhöhten zwar die Staaten ihre öffentlichen Budgets für FuE in Zeiten wirtschaftlichen Aufschwungs, doch zeigen sich Unterschiede in Zeiten eines Abschwungs.

Der Studie zufolge blieben die Ausgaben in der Rezession im Durchschnitt aller Länder zwar nahezu gleich. Doch während Innovationsführer wie Deutschland, Schweden oder Finnland ihre öffentlichen FuE-Ausgaben in Rezessionen antizyklisch erhöhten und damit ihre Widerstandsfähigkeit gegenüber wirtschaftlichen Krisen verbesserten, kürzten innovationsschwächere Länder wie Portugal, Spanien oder die meisten EU-Länder in Osteuropa ihre öffentlichen FuE-Budgets. Im Resultat führe dies zu einer weiteren Öffnung der Innovationsschere zwischen den Ländern, schlussfolgert die ZEW-Studie.

Öffentliche Hand fängt Investitionsrückgang auf

Mit erhöhten öffentlichen FuE-Ausgaben finanzieren die Staaten in Phasen des Abschwungs sowohl anwendungsorientierte FuE-Aktivitäten in privaten Unternehmen als auch Grundlagenforschung in staatlichen Forschungseinrichtungen und Universitäten. Auch in Rezessionen ändert sich dieses Finanzierungsportfolio kaum. "Nur Staaten mit schwacher Innovationsleistung verlagern in Rezessionen ihre FuE-Ausgaben weg von öffentlichen Einrichtungen hin zu Privatunternehmen, um dort die weggebrochenen privaten FuE-Ausgaben teilweise zu ersetzen", erklärt Maikel Pellens, ZEW-Research Associate und Co-Autor der Studie.

In wirtschaftlichen Krisenzeiten sähen sich die meisten Staaten mit einem Rückgang der von Unternehmensseite finanzierten FuE-Ausgaben konfrontiert. "Zumindest teilweise sollte die öffentliche Hand die geringeren FuE-Investitionen von Unternehmen durch höhere öffentliche FuE-Ausgaben kompensieren. Das ist ökonomisch sehr sinnvoll, denn Forschung und Entwicklung sind der zentrale Motor für stärkeres Wirtschaftswachstum", betont ZEW-Wissenschaftlerin Bettina Peters. Gleichzeitig fühlten sich viele Staaten in der Krise gezwungen, wegen fallender Steuereinnahmen zu sparen. "Die staatliche Ausgabenpolitik bei Forschung und Entwicklung sollte allerdings nicht von der Finanzkraft eines Landes bestimmt werden, sondern auf die Stärkung der Innovationskraft zielen", so Peters. 

So belegen die Ergebnisse der Studie denn auch, dass die unterschiedlichen Reaktionen von innovationsstarken und -schwachen Ländern nicht von deren Schuldenstand abhängen. Vielmehr zeige sich hier die Bedeutung, die diese Länder Innovationen grundsätzlich beimessen. Länder mit hohem Schuldenstand wie Japan oder Belgien beispielsweise waren hierfür in der Finanzkrise 2009 ein gutes Beispiel. Trotz hoher Verschuldung steigerten sie ihre öffentlichen FuE-Ausgaben.

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