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06.06.2024 | Investitionsplanung | Schwerpunkt | Online-Artikel

Ausländische Konzerne investieren in deutsche Standorte

verfasst von: Angelika Breinich-Schilly

4:30 Min. Lesedauer

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Trotz aller Standortkritik gaben ausländische Konzerne 2023 aktuellen Daten zufolge eine Rekordsumme für Greenfield-Projekte oder den Ausbau ihrer Standorte aus. Hierzu gehören Firmen wie Apple, Roche oder BP. 

Auf Deutschland und seine Wirtschaft prasseln immer wieder neue Herausforderungen herein: Das Land und seine Unternehmen müssen nachhaltiger, die Strukturen von Verwaltung und Staat digitaler und alle gemeinsam resilienter gegen Schocks von innen und außen werden. Denn die vielfältigen globalen Krisen bündeln und verändern sich und verlangen von allen Kräften im Land ein großes Maß an Flexibilität und Kreativität. Hinzu kommen hohe Löhne und Energiepreise, der Fachkräftemangel, infrastrukturelle Schwächen und eine enorme Regulierungsdichte. Doch das schreckt ausländische Investoren offenbar nicht ab - zumindest was den Auf- und Ausbau ihrer Standorte im Land betrifft. 

Acht Neuansiedelungen in Milliardenhöhe

Mitte Mai veröffentlichte Zahlen des Germany Trade and Invest (GTAI), der Agentur für Außenwirtschaft und Standortmarketing Deutschlands, belegen, dass 2023 mit 34,8 Milliarden Euro fast 38 Prozent mehr Kapital vom Ausland nach Deutschland floss als 2022. In den Vorjahren waren die investierten Summen noch deutlich niedriger: 

  • 2019: 5,1 Milliarden Euro,
  • 2020: 10,4 Milliarden Euro,
  • 2021: 7,1 Milliarden Euro,
  • 2022: 25,3 Milliarden Euro.

Während die Zahl dieser Foreign Direct Investments (FDI) im Berichtszeitraum in Europa um 7,4 Prozent und in Westeuropa sogar um 8,8 Prozent gefallen ist, konnte Deutschland das Niveau mit insgesamt 1.759 Neuansiedelugen auf der "grünen Wiese" sowie Unternehmenserweiterungen nahezu halten. "Allein acht Ansiedlungsprojekte haben jeweils ein Investitionsvolumen in Milliardenhöhe", heißt es in der Studie. 

Deutschland auf Platz fünf der Hitliste

Zwar stellte eine im Frühjahr veröffentlichte Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW Köln) für das vergangene Jahr erneut Nettoabflüsse bei Direktinvestitionen in Form von Beteiligungen und Zukäufen ausländischer Unternehmen fest. Dennoch rangiert die Bundesrepublik laut des aktuellen Foreign Direct Investment Confidence Index der Beratungsgesellschaft Kearney im internationalen Vergleich hinter den USA, Kanada, China und Großbritannien an fünfter Stelle auf der Investoren-Hitliste. 

Mit Blick auf grenzüberschreitende Direktinvestitionen ist Deutschland in Europa regelmäßig einer der attraktivsten Investitionsstandorte und liegt global unter den zehn größten Empfängerländern", erläutert hierzu Daniel Schiller im Buch "Wirtschaftsgeographie Deutschlands".

Dabei stammten der GTAI zufolge mit 235 Projekten die meisten Investitionen im vergangenen Jahr von US-Unternehmen. Die Schweiz (202), China (200) und Großbritannien (153) rangieren als Herkunftsnationen auf den Plätzen zwei bis vier. Mit den Niederlanden (122) und Frankreich (88) reihen sich zwei Nachbarstaaten auf den Rängen fünf und sechs ein. Insgesamt stammen zwei Drittel aller Projekte aus EU-Ländern und anderen europäischen Staaten. Zu den wichtigsten Bereichen gehörten Energie und Ressourcen, Digitalisierung, Elektronik und Automation, Mobilität und Logistik sowie die Gesundheitswirtschaft. 

Chip-Design, Pharma und Energie vorne

Unter anderem der US-Tech-Riese Apple wird seinen Standort in München in den nächsten Jahren vergrößern. "Der Ausbau unseres Europäischen Zentrums für Chip-Design wird eine noch engere Zusammenarbeit zwischen unseren mehr als 2.000 Ingenieuren in Bayern ermöglichen, die an eigenen Chip-Designs, Power Management und zukünftigen drahtlosen Technologien arbeiten", verlautbarte das Unternehmen im Frühjahr 2023. 

Aber auch der Schweizer Pharmakonzern Roche erweitert der "Neuen Züricher Zeitung" zufolge seine deutschen Standorte. Das gleiche gilt für den Wettbewerber Eli Lilly aus den USA. Laut einer Mitteilung von Ende 2023 will der Konzern in Alzey, in der Nähe von Mainz, ein Werk für mehr als zwei Milliarden Euro errichten. 

Der Energiekonzern BP hat sogar ein "geschäftsfeldübergeifendes Investitionsprogramm" aufgelegt und will nach eigenen Angaben bis 2030 rund zehn Milliarden Euro unter anderem für Vorhaben der Energieversorgung sowie der Energiewende ausgeben. Das Unternehmen erhielt den Zuschlag für vier Offshore-Windprojekte. Damit will BP die Produktion von grünem Wasserstoff und Biokraftstoffen, der Ausbau der Elektromobilität und die Pläne zur Dekarbonisierung der Raffinerien sowie der weiteren Industrie in Deutschland unterstützen.

Großprojekte sprechen für den Standort

Die hohe Zahl an ausländischen Großprojekten unterstreiche das Vertrauen ausländischer Unternehmen in den Wirtschaftsstandort Deutschland, betont auch GTAI-Geschäftsführer Robert Hermann. 

Für uns ist das ein klares Zeichen, dass Deutschland trotz mancher Herausforderungen mit Punkten wie seiner Marktgröße, der zentralen Lage innerhalb der EU, einer hohen Rechtssicherheit sowie einer ausgeprägten Stärke im Bereich Forschung und Entwicklung für ausländische Unternehmen hochattraktiv bleibt", so Hermann. 

Deutschland braucht verlässlichen Rahmen

Insgesamt beschreibt Patrick Lerner, Managing Director Germany bei der Unternehmensberatung Ayming Deutschland, das Investitionsumfeld in Deutschland im Gespräch mit springerprofessional.de als positiv. Es gebe eine "Reihe von Vorteilen, die es zu einem attraktiven Standort für Forschung und Entwicklung (FuE) machen". Hierfür sprechen dem Experten zufolge eine starke Wirtschaft und die politische Stabilität. "Darüber hinaus verfügt die Bundesrepublik über eine hervorragende hochentwickelte traditionelle und digitale Infrastruktur." Zudem habe Deutschland eine lange Tradition im Bereich FuE und beheimate einige der weltweit führenden Universitäten und Forschungsinstitute. 

Damit sich die Investoren allerdings nicht irgendwann von Deutschland abwenden, muss der Staat an der Attraktivität des Standortes arbeiten und das in einem steigenden Tempo, fordern Fachleute immer wieder. Kritik kommt unter anderem vom IW-Ökonom Christian Rusche. Er moniert unter anderem, dass Förderprogramme wiederholt und quasi über Nacht gestoppt würden. Den Handlungsbedarf habe die Bundesregierung erkannt. Nun müssen dieser Erkenntnis Taten folgen, heißt es in einem Bericht des IW Köln. "Dazu gehört auch, dass verlässliche, politische Rahmenbedingungen geschaffen werden müssen, die für Planungs- und damit Investitionssicherheit sorgen."

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