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Über dieses Buch

Dieses Buch beschreibt die aktuellen Tätigkeiten der Investmentbanken, wobei die zehn größten als Referenzpunkte dienen. Bevor der Leser oder die Leserin ins Thema der Aktivitäten einsteigt, wird eine kurze Einführung in die Grundlagen gegeben. Es werden die wesentlichen Produkte, Akteure und Mechanismen dargestellt. Damit wird sichergestellt, dass auch der nicht allzu kundige das Thema bewältigen kann. Die Gliederung folgt den großen Themen von Investment Banking und Sales & Trade, die dann mit den weiteren Dienstleistungen angereichert werden. Traditionelle Geschäftsfelder anderer Marktteilnehmer, wie etwa Vermögensverwaltung, werden nicht sehr detailliert besprochen. Denn es liegt bereits eine unübersehbare Anzahl von Angeboten vor. Das Buch schließt mit einem Ausblick, der nur vorsichtig formuliert werden kann. Dennoch ist absehbar, dass die Investmentbanken eine Symbiose mit Fintechs und einen Übergang in neue Strukturen vollziehen werden.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

1. Wesen der Investmentbank

Will man die Geschichte des Investmentbankings aufzeigen, so kommt man nicht umhin, das Investmentbanking vorher zu beschreiben. Anderseits ist das Wesen dieses Bankgeschäfts ja gerade von der Zeit und vom historischen Kontext abhängig. Eine Investmentbank des 19. Jahrhunderts weist nur noch geringe Gemeinsamkeit mit den heutigen Instituten auf. Dennoch gibt es einen Kern, der sich wenig geändert hat und der in den meisten heutigen Banken noch vorhanden ist. Das Wort „Investment banker“ haben wir schon in einem Branchenbuch aus Philadelphia von 1824 gefunden. Daraus folgt, dass dieser Begriff zu dieser Zeit schon geläufig war und deshalb schon einiges früher in den Gebrauch gekommen sein muss. In Großbritannien sind etwa zur gleichen Zeit schon zwei Banken bekannt, die diese Wortkombination in ihrem Namen führen. Das Verhältnis zwischen Investmentbank und Investmentbanking muss zudem geklärt werden. Denn dabei wird sich zeigen, dass Investmentbanking nur einen kleinen Teil, wenn überhaupt, der Tätigkeit einer Investmentbank ausmacht. Wir beginnen also mit der allgemeinen Beschreibung der Bank, wobei wir uns von der Praxis leiten lassen und weniger akademische Theorien beschreiben wollen.
Claudio Franzetti

2. Grundlagen der Investmentbank

Zur Beschreibung der Investmentbank ist es notwendig, Märkte, Produkte, Funktionen und Akteure einzuführen. Hier wollen wir wichtige Begriffe erläutern, die für das Verständnis der späteren Kapitel wesentlich sind. Wie das Wort Grundlage impliziert, werden wir uns eher kurz halten. Das Kreditwesen kennt zwei archetypische Instrumente, nämlich die Beteiligung und das Darlehen. Die Beteiligung bezieht sich auf eine wirtschaftliche Tätigkeit, an deren potenziellen Gewinn man Anteil nimmt, indem man der Unternehmung Kapital zur Verfügung stellt. Das Darlehen ist eine Hingabe einer Sache („datio“) mit der Verpflichtung, eine Sache gleicher Quantität und gleicher Beschaffenheit wieder zu bekommen. Bei der verwandten Leihe soll dieselbe Sache zurückgegeben werden. Diese Instrumente bedürfen einer nachvollziehbaren Dokumentation, die entweder ein Vertrag oder ein Wertpapier darstellt.
Claudio Franzetti

3. Capital Markets Financing – Finanzierungsgeschäft

In diesem Kapitel beschäftigen wir uns mit einem Teil des Investmentbankings, jenem ursprünglichen Tätigkeitsfeld, das den Investmentbanken den Namen gegeben und sich nach dem Börsenkrach von 1873 weiter ausgebildet hat, nämlich Finanzierung am Markt durch Emission, Beratung bei Fusionen und Firmenrestrukturierungen neben aktiver Interessenvertretung durch Beteiligung. Somit ist Financing and Advisory eine kurze Zusammenfassung des Begriffs Investmentbanking. Wie man unschwer erkennt, handelt es sich um Kommissionsgeschäft, das auch als bilanzunabhängiges Geschäft bezeichnet werden kann. Die Erfolgsfaktoren sind somit immaterielle Vermögen, d. h. eine sehr gute Reputation, Fähigkeiten und Erfolge, Kreativität, Hingabe und Kundenzentrierung, Innovation etc. Die Risiken bestehen vor allem im Verlust dieser Vermögensteile (Assets). Im Ursprung beschäftigte sich das Investmentbanking mit der Finanzierung von Staaten und anderen Gebietskörperschaften sowie von Unternehmungen. In einer großen Investmentbank sind diese zwei Bereiche getrennt, weil sehr unterschiedliche Fähigkeiten gefragt sind. Besonders bei der Finanzierung von Staaten sind die Produkte gegeben. Es ist von viel größerem Interesse, die benötigten Gelder bei seiner Kundschaft beschaffen und die Papiere platzieren zu können.
Claudio Franzetti

4. Advisory – Beratungsgeschäft

Wie wir bereits gesehen haben, hat sich das Beratungsgeschäft als eigenständige Geschäftseinheit erst in den Siebzigerjahren etabliert als die Fusionen von Unternehmungen rasant zunahmen. Vorher stand die Beratung immer im Dienst der Kapitalaufnahme, die, sofern sie zustande kam, für alle Leistungen bezahlte.
Die Beratungsdienstleistungen kann man in die folgenden Kategorien einordnen, die allerdings im Jargon als „Produkte“ bezeichnet werden: Fusion und Akquisition, Übernahmeabwehr, Leveraged Finance, Abstoßung und Restrukturierung.
Die aufgezählten Themen werden auch Market for Coporate Control genannt, denn bei der Zerschlagung und Rekombination von Unternehmensteilen stehen die Kontrolle und damit auch die Führung des neuen Gebildes im Vordergrund. Etwas unschön wird auch M&A mit diesem Oberbegriff gleichgesetzt.
Claudio Franzetti

5. Global Equities – Sales & Trading

Der Name ist Programm: Sales macht die Distribution und den Verkauf von neuen und bestehenden Wertpapieren, Trading besorgt den Handel und die Preisstellung. Zusätzlich produziert Research die Informationsaufbereitung und Ideen. Dabei erfinden die Strukturierer passende kundenspezifische Lösungen. Das ganze geschieht unter den wachsamen Augen von Operations, das die Risiken und die Einhaltung von Vorgaben kontrolliert. Dies ist das Frontoffice, das vom etwa doppelt so großen Middle- und Backoffice unterstützt wird. Diese Konfiguration findet man sowohl bei Global Equity Market als auch bei Global Debt Market. Das Sales und Trading von Equities, der Aktienhandel und Handel von aktienähnlichen Produkten und Derivaten, bildet den Anschluss an die institutionellen Investoren, die auf dem Sekundärmarkt kaufen und verkaufen wollen. S&T arbeitet in zwei Modi: als Dealer und als Broker, also kurzgefasst als Broker-Dealer. Zum einen ist die Division Makler und damit Intermediär zwischen Käufer und Verkäufer und deren Makler. Zum anderen kauft und verkauft der Dealer aus einem eigenen Inventar. Je nach Ausgestaltung ist er entweder Market Maker oder Proprietary Trader.
Claudio Franzetti

6. Global Fixed Income – Sales & Trading

Sales & Trading wird nach Equity und Fixed Income unterteilt. Letzteres wird mit Schuldpapieren, also Obligationen und dergleichen, besser umschrieben, denn Verzinsungen sind schon lange nicht nur fix. Neben den Schuldtiteln werden in dieser Division auch Währungen und Rohstoffe gehandelt, weshalb sie auch mit FICC für Fixed Income, Currencies und Commodities abgekürzt wird. Wie bei Equity werden auch die entsprechenden Derivate erzeugt, verteilt und gehandelt.
Schuldtitel können sehr kurzfristige aber auch sehr langlaufenden Instrumente sein. Deshalb unterscheidet man den Geld- vom Kapitalmarkt mit verschiedenen Usanzen.
Obligationen verkörpern auch Kreditrisiken, die von der Bonität des Schuldners abhängen. Standardmäßig werden diese durch Ratings abgebildet. Bei staatlichen Schuldnern fällt dieser Aspekt häufig weg, so dass der Preis von Staatspapieren die makro-ökonomische Landschaft als Zinsstruktur spiegelt. Somit werden eigentlich Zinsen (Rates) und Bonität (Credit) gehandelt. Da es im Verhältnis zu Aktien sehr viel mehr Titel umfasst, wird der Preis von Schuldtiteln von Referenzwerte abgeleitet.
Claudio Franzetti

7. Services – Dienstleistungen

Die Kerntätigkeiten der Investmentbanker bedingen Kenntnisse und Systeme, aber auch Kundenbeziehungen, die sich eignen, in anderen Konstellationen ebenfalls effizient und gewinnbringend oder als Arrondierung des Angebots eingesetzt zu werden. Häufig ergeben sich Synergien, vor allem wenn die Investmentbank ebendiese Kundentätigkeiten auch betreibt, z. B. eigene Hedgefunds und Eigenhandel. Wir greifen im diesem Kapitel vor allem die Dienste für Hedgefunds in der Gestalt des Prime Brokerage auf, Dienste für das Treasury von Unternehmungen sowie Unterstützung im Handel für institutionelle Anleger. Dienstleistungen führen zu Kommissionseinnahmen, die, auch wenn zum Teil leistungs- und konjunkturabhängig, dennoch die Ertragsvolatilität dämpfen und wenig zu unterlegendes Kapital erfordern.
Die Leistungen werden für Hedgefonds, Treasuries von Unternehmen, Assetmanager etc. angeboten und umfassen Produkte wie Prime Brokerage, Wertpapierleihe, Titelverwahrung, Ausführungshilfe für Transaktionen und das Verschieben von grossen Portfolien.
Claudio Franzetti

8. Vermischtes

In diesem Kapitel führen wir Betätigungsfelder von Investmentbanken auf, die nicht zum Kerngeschäft einer typischen Investmentbank gehören oder eher eine Nische bilden. Diese Aussage muss man mit einem Korn Salz nehmen, denn die „typische“ Bank gibt es nicht mehr. Es war und ist eine Eigenschaft von Investmentbanken, schnell und flexibel opportunistisch zu handeln und dies bedeutet, neue Gelegenheiten an den schon vorhandenen Ressourcen und Fähigkeiten zu testen. Während Beteiligungen zwar typisch, aber eher nebensächlich sind, ist Vermögensverwaltung eine Allerweltstätigkeit, die von vielen Institutionen angeboten wird und deshalb nur einen schwachen thematischen Bezug zu den Investmentbanken aufweist. Daher findet man in den großen Investmentbanken wie Goldman Sachs und Morgan Stanley heutzutage eine bedeutende Division Investmentmanagement, die die kollektiven und privaten Anlagebedürfnisse, die sich aus dem gewachsenen Wohlstand und den zusätzlichen Vorsorgebedürfnissen entwickelt haben, befriedigen. Die Darstellung des Investmentmanagements werden wir deshalb kurz halten.
Claudio Franzetti

9. Kultur

Warum gibt es so viele Bücher über Investmentbanken und noch viel mehr persönliche Erfahrungsberichte und sogar Spielfilme? Ohne eine fundierte Studie zu machen, dünkt es einen offensichtlich, dass die Banken und die Wall Street in den Medien viel prominenter vertreten sind als andere Industrien, außer Hollywood. Und was interessiert besonders? Es sind die menschlichen Aspekte und Schicksale, das spezielle Ambiente und die Vorstellung von ungeheuren Finanzkräften, die von schrulligen „Normalos“ oder pathologischen Egomanen entfesselt werden. Diese menschliche Dimension wollen wir mit Kultur verbinden.
Lapidar ausgedrückt ist Kultur alles, was nicht Natur ist. Eine solche Definition ist offensichtlich grob. Wir könnten sagen, Kultur ist das erworbene Wissen, das Menschen benutzen, um Erfahrungen zu interpretieren und Verhalten zu erzeugen. Uns interessieren eigentlich die Eigenheiten, die das menschliche Zusammenwirken in Gesellschaften, aber auch in bestimmten Institutionen wie Investmentbanken im Verhältnis zu anderen Industrien beschreiben, also Verhalten, Handeln und Fühlen.
Es ist ein komplexes Ganzes, das Wissen, Glauben, Künste, Moral, Gesetz, Sitten und andere Fähigkeiten und Gewohnheiten umfasst, die Menschen als Teil einer Gesellschaft erwerben. Der Erwerb ist teilweise stark durch die Traditionen und damit auch die Religiosität bestimmt. Kultur hilft, um die Welt zu definieren, Gefühle auszudrücken und Beurteilungen zu machen.
Claudio Franzetti

10. Industrieausblick

Wie sagte angeblich schon Mark Twain: „Prognosen sind eine schwierige Sache. Vor allem, wenn sie die Zukunft betreffen.“ Es klingt einfältig, doch sind nur Informationen aus der Vergangenheit bekannt. Die einfachste Hypothese über die Zukunft ist das Martingal: Gegeben der Zustand heute, erwarten wir, dass morgen wiederum dieser Zustand vorherrscht. Dass die Erwartung nicht immer zutrifft, ersieht man an der Tatsache, dass sich seit der Steinzeit doch einiges geändert hat. Kurzfristig ist es dennoch eine valable Annahme, vor allem in einer stabilen und wenig volatilen Umwelt. Neben der Stabilität gibt es aber auch den Modus der Sprünge, also Diskontinuitäten, Krisen, Paradigmenwechsel etc. Diese überlagern den anderen Modus der langsamen und stetigen Entwicklung. Die für die Investmentbanken relevanten stetigen Veränderungen betreffen gesellschaftliche und technologische Fortschritte. Technologien allerdings können plötzlich einen Reifegrad erlangen, der ihren Durchbruch bedeutet. Von den historischen Krisen haben wir bereits am Anfang des Buches gesprochen. Die letzte Krise oder Krisen gehen auf das Jahr 2008 zurück, angefangen mit der Subprimekrise, die dann zur Finanzkrise der Währungen und Staaten geführt hat. An den Leitlinien der veränderten Umwelt wollen wir den Ausblick festmachen.
Claudio Franzetti

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