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04.04.2018 | Investmentgesellschaft | Interview | Onlineartikel

"Unser Finanzplatz ist zweitgrößter Standort für Investmentfonds"

Autor:
Stefanie Hüthig
Interviewt wurde:
Nicolas Mackel

ist CEO von "Luxembourg for Finance".

Der Finanzplatz Frankfurt wetteifert nach dem Brexit-Votum vor allem mit Paris als Alternative zu London. Warum man auch Luxemburg als Konkurrent nicht unterschätzen sollte, erklärt Nicolas Mackel, CEO von "Luxembourg for Finance" im Interview.

Springer Professional: Wo muss sich der Finanzplatz Luxemburg noch für die neuen Player, die aufgrund des Brexits kommen, rüsten?

Nicolas Mackel: Die Unternehmen entscheiden sich unseres Erachtens nicht für einen Standort, weil dieser kurzfristige und Brexit-spezifische Maßnahmen einführt. Standort-Entscheidungen sind langfristiger Natur und daher schauen die Akteure vor allem auf die strukturellen Rahmenbedingungen. Faktoren wie unsere englischsprachigen Aufsichtsbehörden, sowie der international ausgerichtete Rechtsrahmen spielen da eine weitaus wichtigere Rolle. Hinzu kommen Argumente, wie die große politische und wirtschaftliche Stabilität, die globale Ausrichtung und das einzigartige Ökosystem aus Beratungshäusern, Kanzleien oder Forschungseinrichtungen, die sich an einem Ort konzentrieren. Das sichert kurze Wege im übertragenen und im wahren Wortsinn. Natürlich schauen wir kontinuierlich, an welchen Stellen wir noch besser werden können und wie wir beispielsweise die gesetzlichen Rahmbedingungen weiterentwickeln sollen. Dabei geht es uns darum, den Finanzstandort insgesamt voranzubringen. Besonders auf eventuelle Brexit-Umzügler zugeschnittene Maßnahmen haben wir nicht eingeführt.

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Wissenswertes über das Großherzogtum Luxemburg

Folgender Überblick gibt den ersten Eindruck über das Großherzogtum Luxemburg und spiegelt rein die wesentlichen sowie einige statistische Daten wider (vgl. Presse- und Informationsamt der Luxemburger Regierung 2015).

Warum sollten Brexit-Banken sich für den Standort Luxemburg entscheiden und nicht für Frankfurt am Main?

Jeder der Finanzplätze in Europa hat ein spezifisches Profil und eigene Stärken. Unternehmen auf Standortsuche in der EU sehen sich diese Profile in der Regel genau an und entscheiden, wo es für sie am besten passt. Eine wichtige Rolle bei Standortentscheidungen spielt manchmal auch, wo es bereits eine Präsenz gibt, die sich gegebenenfalls erweitern lässt. Luxemburg hat gerade als europäischer Hub im Firmenkundengeschäft, in den Bereichen Private Banking- und Wealthmanagement und natürlich beim globalen Asset Management eine starke Position. Unser Finanzplatz ist nach den USA der zweitgrößte Standort der Welt für Investmentfonds.

Deshalb haben jetzt beispielsweise amerikanische und asiatische Banken wie die Bank of Singapore oder Citi entschieden, ihre zukünftigen paneuropäischen Privatbanking- und Wealthmanagement-Aktivitäten von Luxemburg aus zu verfolgen. Northern Trust verlagert zuzüglich hierzu auch ihr Asset Servicing. Die anderen europäischen Finanzzentren haben wiederum andere Stärken; Frankfurt beispielsweise ohne jeden Zweifel im Bereich Trading oder Investmentbanking. Was den ebenfalls nicht unwichtigen Faktor Lebensqualität angeht, muss Luxemburg sich in Europa sicherlich nicht verstecken. Das gilt für Frankfurt natürlich auch, soweit ich das beurteilen kann.

Frankfurt am Main und Region investieren in den kommenden drei bis fünf Jahren 15 bis 20 Millionen Euro, um Gründer anzulocken, Ziel sind branchenübergreifend 1.000 Start-ups. Welche Ziele hat Luxemburg in Sachen Start-ups und Fintechs, und wie will Luxemburg diese Ziele erreichen?

Luxemburg hat eine lange Tradition darin, Innovationen im Finanzsektor zu entwickeln und diese erfolgreich am Markt zu etablieren. Das wollen und tun wir auch im Bereich der Fintechs. Wir haben jedoch teilweise eine andere Herangehensweise als andere Finanzzentren und haben uns eher qualitative als quantitative Ziele gesetzt. Wir bemühen uns deshalb um Start-Ups, die das Profil des Finanzplatzes und dessen Aktivitäten stärken können. Darüber hinaus bauen wir die Bereiche aus, in denen wir entweder bereits eine europaweite Relevanz haben – etwa bei den Payment-Aktivitäten – oder die noch vor kurzem Neuland waren, Stichwort Blockchain-Applikationen.

Welche Projekte planen Sie noch am Standort?

Um die weitere Entwicklung des Finanzplatzes zu fördern und um sich den Herausforderungen der Digitalisierung zu stellen, haben wir beispielsweise das Luxembourg House of Financial Technology (LHoFT) ins Leben gerufen. Es handelt sich hier auch, aber nicht nur, um eine Plattform für Start-ups, über die diese insbesondere von der Zusammenarbeit mit etablierten Finanzunternehmen, der IT-Industrie, Investoren sowie Forschung und Regulatoren profitieren. Denn auch für Fintechs spielen die grundsätzlichen Stärken des Finanzplatzes Luxemburg eine zentrale Rolle: die einzigartige Ballung von Unternehmen und Institutionen auf engem Raum, die internationale Ausrichtung und die damit verbundene Offenheit für neue Wege. Das macht Luxemburg gerade für Fintechs attraktiv, die an der Schwelle zur Markteinführung stehen und ihre Entwicklung europaweit vermarkten möchten.

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