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13.05.2022 | Investor Relations | Im Fokus | Online-Artikel

Optimale Finanzkommunikation verbessert Kapitalstruktur

verfasst von: Angelika Breinich-Schilly

3:30 Min. Lesedauer
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Wie Finanzinformationen an externe Gruppen wie Investoren, Analysten oder Aktionäre weiterzugeben sind, regelt eine Reihe von Vorschriften. Klar ist, Unternehmen, die präzise und aussagekräftig mit ihren Stakeholdern kommunizieren, genießen wirtschaftliche Vorteile.

"Kapitalmarktkommunikation trägt zur Wertschöpfung von Unternehmen bei,
indem sie Kapitalkosten senkt. Dazu dienen der kontinuierliche Dialog mit
Kapitalgebern, Aktionären, Analysten und vergleichbaren Intermediären (Investor Relations) sowie mit Journalisten (Finanzkommunikation)", schreiben Manfred Piwinger und Christian Pieter Hoffmann im Handbuch "Unternehmenskommunikation" (Seite 799). 

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Wie CEO und CFO kommunizieren

In der Kapitalmarktkommunikation gelten CEOs und CFOs zunehmend als Aushängeschilder der Unternehmen. Sie übernehmen zentrale kommunikative Aufgaben. Noch mangelt es in den meisten Unternehmen aber an einer klaren Aufgabenverteilung zwischen den Vorständen und Ausarbeitung einer Positionierungsstrategie.

Wie viele finanzielle Informationen externe Gruppen von einem Unternehmen benötigen und wie aussagekräftig deren Kommunikation tatsächlich ist, das hat Tobias Böhmer von der Fakultät für Wirtschaftswissenschaft der Ruhr- Universität Bochuch (RUB) untersucht. Grundsätzlich fehle Investoren oder Analysten der unmittelbare Einblick in die ökonomischen Vorgänge, die eine Beobachtung und Beruteilung der Leistungsfähigkeit zulassen. Um ihre Entscheidungen treffen zu können, seien diese Gruppen auf öffentlich zugängliche Finanzinformationen angewiesen, erläutert der Forscher. 

Reporting ist zentrales Kommunikationsinstrument 

Die Notwendigkeit, mit Investoren beziehungsweise den Unternehmenseignern zu kommunizieren, ist so alt wie die Organisationsform von Unternehmen als Kapitalgesellschaften. Entsprechend gehört die Unternehmensberichterstattung sowie die Organisation einer Eigentümerversammlung zu den ältesten Instrumenten der Unternehmenskommunikation", betonen auch die beiden Springer-Autoren (Seite 800).

Dabei ist die Kapitalmarktkommunikation vor allem von regulatorischen und gesetzlichen Anforderungen geprägt. Das gilt laut Piwinger und Hoffmann insbesondere im Hinblick auf Informationspflichten, der Berichterstattung und Offenlegung einschließlich spezifischer Fristsetzungen. "Maßgeblich sind vor allem das Wertpapierhandelsgesetz (WpHG), die Marktmissbrauchsregelung (MAR), Informationspflichten nach dem Aktiengesetz, die Börsenordnung (BörsG) und ihre Reglungsgehalt, die Ad-hoc-Publizität sowie die International Financial Reporting Standards (IFRS)", fassen die Autoren die wichtigsten Regelungen zusammen.

Freiwillige Finanzinformationen verbessern Liquidität

Böhmer befasste sich für seine Arbeit mit verschiedenen Instrumenten der unternehmerischen Offenlegung sowie deren ökonomischen Auswirkungen. Charakteristisch für mittelständische, also nicht-börsennotierte, Unternehmen ist ihm zufolge die Kommunikation finanzieller Informationen über den Jahresabschluss. "Legen Unternehmen ihre Finanzkennzahlen freiwillig offen, führt das dazu, dass diese weniger Liquidität als Sicherheitspuffer vorhalten müssen, da sie in Engpasssituationen einen besseren Zugang zu externen Kapitalgebern haben", resümiert der Wirtschaftswissenschaftler.

Mit Blick auf börsennotierte Unternehmen analysiert er, inwiefern die Ausgestaltung der bereitgestellten Informationen auf externe Kapitalmarktteilnehmer wirkt. "Unternehmen gestalten ihre Kommunikation mit dem Kapitalmarkt äußerst heterogen aus und beeinflussen somit ihr Informationsumfeld aktiv", so Böhmer. Daraus ergeben sich Konsequenzen für andere Marktteilnehmer. So zeigen die Untersuchungen, dass etwa Finanzanalysten bei einem interaktiveren, präziseren, passgenaueren Austausch mit Unternehmensvertretern die zukünftige Ergebnislage der Unternehmen besser einschätzen können.

Finanzkommunikation senkt Kosten und verringert Volatilität 

Sechs konkrete finanzpolitische Ziele, die mit der Unternehmenskommunikation häufig gekoppelt sind, zählen Piwinger und Hoffmann auf den Seiten 804 f. auf: 

  1. Senkung der Kapitalkosten: Die Kostenreduktion erfolgt vor allem durch die Gewährleistung von Transparenz. Diverse Informationspflichten, aber auch darüber hinaus gehende freiwillige Veröffentlichungen, erleichtern dem Kapitalmarkt die angemessene Bewertung des Unternehmens. Mangelnde Transparenz erzeugt Unsicherheit und steigert damit das Risiko einer Investition, womit die Kosten der Kapitalbeschaffung steigen.
  2. Verringerung der Volatilität: Volatilität bezeichnet die Schwankung eines Aktienkurses. Ein stark schwankender Aktienkurs impliziert hohe Investitionsrisiken und damit erneut hohe Kapitalkosten. Durch die Herstellung von Transparenz und ein klares Erwartungsmanagement (Guidance) soll Unsicherheit reduziert und eine zu starke Disparität der Unternehmenseinschätzungen am Kapitalmarkt reduziert werden.
  3. Zugang zu Kapital: Transparenz, die Einhaltung (internationaler) Informationspflichten und eine klare sowie zuverlässige Strategiekommunikation erleichtern dem Kapitalmarkt die solide Beurteilung eines Unternehmens  und damit die Investitionsentscheidung. Ein gut kommunizierende Firma erhält daher leichter Zugang zu Kapital.
  4. Optimale Aktionärsstruktur: Obwohl es letztlich den Kapitalmarktteilnehmern obliegt, in ein Unternehmen zu investieren oder nicht, kann ein Unternehmen durchaus seine Aktionärsstruktur beeinflussen - vor allem durch die gezielte Ansprache spezifischer Investoren. 
  5. Faire Bewertung: Die faire Bewertung ist ein übergeordnetes Ziel der Kapitalmarktkommunikation, da alle obligatorischen und zahlreiche freiwillige Kommunikationsmaßnahmen der Herstellung von Transparenz dienen und damit der Findung eines angemessenen Aktienkurses. 
  6. Sekundärmarktliquidität: Einmal emittierte Aktien werden am Sekundärmarkt gehandelt. Dabei ist es prinzipiell vorteilhaft, wenn eine Aktie durch eine hohe Marktliquidität einfach ge- und verkauft werden kann. Eine geringe Liquidität erhöht auch die Risiken einer Investition und damit die Kapitalkosten. Unter anderem durch die Pflege seiner Aktionärsstruktur und, erneut, einen hohen Grad an Transparenz kann sich ein Unternehmen um eine hohe Liquidität bemühen.
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