Skip to main content
main-content

16.11.2016 | IT-Organisation | Interview | Onlineartikel

"Unternehmen müssen mehr bieten als Tischkicker und Sitzkissen"

Autoren:
Andrea Amerland, Eva-Susanne Krah
Interviewt wurde:
Stefan Schwarzgruber

ist DACH-Manager im Bereich Sales bei Stack Overflow, einer Online-Plattform für Programmierer mit rund sechs Millionen registrierten Nutzern. 

Informatiker sind Mangelware. Um die ITler ist längst ein Wettkampf der Personaler entfacht. Ein Interview über das Ist, das Kann und das Soll zum Recruiting der Experten, die dringend gebraucht werden.

Springer Professional: Der Fachkräftemangel bei Informatikern ist nichts Neues. Hat er sich 2016 nach Ihren Erfahrungen weiter zugespitzt?

Stefan Schwarzgruber: Definitiv. Der IT-Fachkräftemangel ist nach wie vor hoch und steigt sogar noch. Der Nachwuchs ist nicht das Problem. Es eröffnen sich eher viel mehr Möglichkeiten. Man muss bedenken, dass in der Branche sehr schnell neue Technologien dazukommen oder einander ablösen und sich somit völlig neue Geschäftsfelder auftun. Das bedeutet, dass man verschiedene Entwicklertypen mit speziellen Fähigkeiten für die Unternehmen braucht. Nehmen wir das Beispiel Machine Learning: In Zukunft lernen Maschinen, intelligent mit ihrer Umwelt und uns umzugehen. Wissen und Fähigkeiten in diesem Bereich werden in Zukunft in unterschiedlichen Branchen wichtig, von der Automobilindustrie, bis hin zu Smart Home. Laut einer Studie des Digitalverbandes bitkom arbeiten über eine Million Menschen in ITK-Unternehmen und die Beschäftigungszahl ist 2015 stärker gestiegen als erwartet. Die aktuelle Lage verspricht also beste Voraussetzungen für ambitionierte Programmierer.

Welche Programmierer für welche Programmiersprachen fehlen besonders und wenn ja, wo? Gibt es regionale Unterschiede?

Die verschiedenen Regionen sind sehr unterschiedlich was die professionelle Ausprägung betrifft. Sind in Hamburg im IT-Bereich vor allem Java, PHP und Ruby gefragt, sind in Berlin vor allem Mobile-Entwickler anzutreffen. Generell findet man die meisten professionellen Software-Entwickler im Rhein-Ruhr-Raum, da dieser auch am dichtesten bewohnt ist. Im Raum Stuttgart findet man eine hohe Zahl von Grafik-Entwicklern und in Frankfurt dank der Großkonzerne und Banken vor allem Experten der Finanztechnologie-Programmiersprachen.

Empfehlung der Redaktion

2016 | OriginalPaper | Buchkapitel

Neue Optionen für attraktive IT-Arbeitgeber

Obwohl die Konkurrenz auf dem Bewerbermarkt immer größer wird, verschenken viele IT-Unternehmen bei der Personalgewinnung und -bindung wertvolle Punkte. Frank Rechsteiner gibt in Erfolgreiches IT-Recruiting trotz Fachkräftemangel Tipps.


Schlägt sich der Informatiker-Mangel in der Code-Qualität nieder?

Nein, der Informatiker-Mangel macht sich nicht direkt bei der Coding-Qualität bemerkbar. Viel eher ist es so, dass ein starker Wettkampf um die wirklichen Experten entbrennt, um die, die schneller und besseren Code schreiben. Es gibt mehr als 700.000 Programmierer in Deutschland, von denen der Großteil Full-Stack Entwickler sind, also über ausreichend Wissen verfügen, um eine voll funktionsfähige Webanwendung zu erstellen. 

Was müssen Unternehmen tun, um die hochspezialisierten Experten zu gewinnen, die sie brauchen?

Zuerst einmal: Markenbildung ist für jegliche Recruiting-Aufgabe unumgänglich. Das Unternehmen sollte seinen Erfolg nach außen tragen, seine Entwickler durch Keynotes auf Events und Blogbeiträge der Öffentlichkeit präsentieren und vermitteln wofür es steht. Entwickler leben online. Im Netz muss man daher auch seine Sichtbarkeit erhöhen und mit guten Ideen für Branche und Entwickler seine Arbeitgebermarke stärken. Eine proaktive Ansprache sollte Standard bei Besetzung einer Stelle sein. Man nennt dies „Active Sourcing“ und kann sowohl Social Recruiting, Peer-Sourcing, Active Sourcing in Communities und auf klassischen Events einschließen. Active Sourcing in Communities und in sozialen Medien ist eine der bewährtesten Methode für die Ansprache der richtigen Kandidaten. Dazu suchen Recruiter die passenden Communities und darin die passenden Kandidaten. Beim Peer-Sourcing geht es darum, Kandidaten mit ähnlichen Merkmalen zu finden. Ist ein Wunschkandidat gefunden, werden weitere passende Vorschläge angezeigt. Wer es lieber klassisch mag, der geht auf Events. Doch gute Entwickler werden von Unternehmen umworben und müssen oft nicht mehr aktiv nach Stellenangeboten suchen. Wichtig ist, dass man als Unternehmen mehr bietet als Tischkicker und Sitzsäcke. Programmierer schätzen mobiles, störungsfreies Arbeiten und flexible Arbeitszeiten, sowie ein fähiges Team das mitarbeitet.

Gerade in der Bank-IT müssen Kreditinstitute jetzt schnell Know-how aufbauen. Welche Spezifikation sollten IT-Programmierer aus Ihrer Sicht speziell für den Fintech-Bereich mitbringen?

Die Einsatzmöglichkeiten von Programmierern bei Banken sind unheimlich vielfältig. Auch Programmierer sind gefragt und bekommen auch in klassischen Banken bestimmt interessante Aufgaben. Wer sich für den Karriereweg in einer Bank entscheidet, der sollte keine Startup-typischen Loftbüros mit eben genannten Videospielkonsole und Tischkicker erwarten. Die Arbeit in einer Bank ist konservativer, man fängt früh an und begegnet mehr Anzugträgern. Weitere Spezifikationen, die man mitbringen sollte, sind Präsentationsfähigkeit, Team-Work und Verständnis von der gesamten Branche. Diese Tipps würde ich aber jedem geben, der sich für eine Karriere in einem bestimmten Feld entscheidet.

Stack Overflow hat den deutschen IT-Programmierer-Markt in der Studie "Entwickler in Deutschland – eine Standortanalyse mit sechs Schwerpunktregionen" untersucht. 

Weiterführende Themen

Die Hintergründe zu diesem Inhalt

Das könnte Sie auch interessieren

02.11.2016 | Mentoring | Im Fokus | Onlineartikel

IT-Nachwuchs legt großen Wert auf gute Betreuung

01.10.2016 | Schwerpunkt | Ausgabe 10/2016

Partnerschaftsgestaltung für sicheres IT-Outsourcing

Das schwierige Verhältnis von Anwendern und Dienstleistern, wichtigste Handlungsfelder im Rahmen des OMIT-Referenzmodells

Premium Partner

GI Logo

BranchenIndex Online

Die B2B-Firmensuche für Industrie und Wirtschaft: Kostenfrei in Firmenprofilen nach Lieferanten, Herstellern, Dienstleistern und Händlern recherchieren.

Zur B2B-Firmensuche