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10.09.2015 | IT-Sicherheit | Im Fokus | Onlineartikel

Die duale IT-Ausbildung ist wichtig für Wirtschaft und Gesellschaft

Die Komplexität hinsichtlich der IT- wie auch der Cybersicherheit erfordert eine umfassende schulische und betriebliche Ausbildung. Dieser Ansicht ist Simone Opel, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Duisburg-Essen und Expertin der beruflichen IT- und Informatikausbildung.

Gerade hat das neue Ausbildungsjahr begonnen, und auch im IT-Bereich starteten wie jedes Jahr rund 15.000 Jugendliche und junge Erwachsene eine Ausbildung, zum Beispiel zum Fachinformatiker oder IT-Systemelektroniker. Auf die zukünftigen Fachkräfte kommen dabei ganz neue Herausforderungen zu. In Zeiten der Onlineverfügbarkeit beinahe aller Information, einem Leben in sozialen Netzwerken und vom Übergang zu Industrie 4.0 werden sie unter anderem dazu ausgebildet, genau für die Sicherheit in Netzwerken und Rechnersystemen zu sorgen, die die Benutzer zu Recht fordern – die sie aber aus Unwissenheit oder Bequemlichkeit auch immer wieder gefährden.

Angesichts der Komplexität des Gebietes „IT- beziehungsweise Cybersicherheit“ ist hierzu eine umfassende schulische und betriebliche Ausbildung notwendig, bei der sich die Lerninhalte beider Partner der Lernortkooperation – Berufsschule und Ausbildungsbetrieb – zu einem vollständigen Berufsbild ergänzen sollten.

Berufsschule – ein Auslaufmodell?

Häufig wird den Berufsschulen dabei unterstellt, dass sie altbacken und nicht am Puls der Zeit, dass die vermittelten Inhalte „old school“ und schon lange überholt seien. Dabei wird aber eines übersehen: Die Schule ist dafür da, Konzepte und längerfristig gültige Grundlagen zu lehren, mit dem Ziel, eine Basis für lebenslanges Lernen aufzubauen – und die Betriebe setzen das für sie notwendige Spezialwissen darauf auf.

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Denn für die Schulen ist es unmöglich, in gesamter Tiefe und Aktualität allen technologischen Entwicklungen und speziellen Anwendungsfällen kurzfristig gerecht zu werden und die dazu notwendigen Kompetenzen zu vermitteln. Genauso wenig, wie es möglich ist, Hochschulabsolventen zu finden, die exakt die für den Betrieb notwendigen Qualifikationen aus dem Studium mitbringen, ist es unmöglich, dass eine Berufsschule diesen Bedarf punktgenau bedient – hier sind die Unternehmen gefragt, ihre Fachkräfte für den Beruf und den entsprechenden betrieblichen Einsatz zu qualifizieren.

Diese Kombination aus theoretisch fundierter Basis und unternehmensspezifischen, vertieften Kompetenzen ist auch insofern notwendig, als nur gut ausgebildete Fachkräfte gewährleisten können, dass die Unternehmen quer durch alle Branchen ihren Anforderungen bezüglich der Sicherheit und Stabilität ihrer IT-Systeme gerecht werden können – heute als auch in der Zukunft.

Wie steht es nun mit der IT-Ausbildung? Alles im grünen Bereich?

Nicht ganz. Keine Frage – die Mehrzahl der Ausbildungsbetriebe ist motiviert und engagiert, ihren Auszubildenden eine sachgerechte und zukunftsträchtige Ausbildung zu gewährleisten. Es gibt zudem eine Vielzahl lobenswerter lokaler Initiativen, bei denen beispielsweise – meist größere – Unternehmen Auszubildende benachbarter Betriebe zu internen Fortbildungen oder „Praktika“ zu komplexen Themen einladen, so dass diese Jugendlichen von diesen zusätzlichen Qualifikationsmöglichkeiten profitieren können. Auch Informations- und Fortbildungsveranstaltungen für interessierte Lehrkräfte über spezielle – meist hoch innovative – Technologien werden im Rahmen solcher und ähnlicher Kooperationen angeboten und auch gerne angenommen. Dies dient nicht nur dem Wissensausbau aller Beteiligten, sondern unterstützt auch die wechselseitige Kooperation im Alltag und sollte viel höher geschätzt werden, als es im Moment geschieht.

Was fehlt, ist die lange schon fällige (und jetzt in Angriff genommene) Novellierung der IT-Berufe, die unter anderem eine kompetenzorientierte Formulierung auch der Ausbildungsrahmenpläne und eine Anpassung an die aktuelle Entwicklung der Berufsbilder in der IT bringen wird. Zudem gehen durch den ungebrochenen Trend zum Abitur mit anschließendem Studium der dualen Ausbildung viele Jugendliche verloren, eine Entwicklung, die mit Sorge betrachtet werden sollte – denn um den aktuellen und zukünftigen Herausforderungen insbesondere in der IT-Sicherheit gerecht zu werden, benötigen wir weiterhin gut und praxisnah ausgebildete IT-Fachkräfte.

Zum Autor
Dipl. Ing. (FH) Simone Opel war nach ihrem Studium der Nachrichtentechnik mehrere Jahre in der Erwachsenenbildung und an verschiedenen Berufs- und Berufsfachschulen als Lehrkraft im Bereich Elektrotechnik und Informatik tätig. Seit dem Abschluss ihres Lehramtsstudiums für berufliche Schulen arbeitet sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin, zunächst an der Universität Erlangen-Nürnberg, inzwischen an der Universität Duisburg-Essen. Nach wie vor ist ihr primärer Interessensschwerpunkt die Gestaltung der beruflichen IT- und Informatikausbildung.

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