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15.01.2015 | IT-Sicherheit | Im Fokus | Online-Artikel

Die IT ist wohl keine deutsche Tugend

verfasst von: Andreas Burkert

4 Min. Lesedauer
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Die Zukunftsstudie des Münchner Kreis offenbart eklatante Versäumnisse hinsichtlich einer wettbewerbsfähigen Digitalisierungsstrategie. Die Achillesferse der deutschen Wirtschaft. Doch die Studie macht auch Mut und gibt Handlungsweisungen. Und Bayern kontert mit ZD.B, einem Zentrum der Digitalisierungsstrategie.

Es kann nicht sein, dass kleinere Länder uns im Bereich der Digitalisierung weit voraus sind“, erzählt Franz Josef Pschierer, Staatssekretär im Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft und Medien, Energie und Technologie gleich zu Beginn seiner kurzen Einführungsrede auf der Pressekonferenz anlässlich der Fachtagung zur Zukunftsstudie ‚Digitalisierung. Achillesferse der deutschen Wirtschaft? Wege in die digitale Zukunft‘. „Das muss sich ändern!“.

Da sind sich die Verfasser der Studie einig. Wohlwissend, „dass die deutsche Industrie an verschiedenen Stellen der globalen, digitalen Wirtschaft hinterher hinkt“, wie es Pschierer erklärt. „Die erforderlichen Geschwindigkeiten der digitalen Welt prallen hier häufig auf die analoge Welt mit ihren eigenen Regeln, wodurch Innovationen abgebremst werden.“. Die Zeichen für die Notwendigkeit eines grundlegenden Wandels scheinen erkannt, aber noch nicht umgesetzt. Das will die Staatsregierung ändern.

ZD.B als Zentrum der Digitalisierungsstrategie für den Freistaat Bayern geplant

So verkündigt Pschierer an diesem Tag, dass in Garching, nahe München, ein Zentrum der Digitalisierungsstrategie für den Freistaat Bayern geplant ist. Das ZD.B, wie es künftig genannt wird, ist seiner Ansicht nach „einzigartig in Europa“, wird mit mehr als 100 Millionen Euro gefördert und soll dem Freistaat Bayern die digitale Zukunft sichern. Das ist ein wichtiger Schritt. Immerhin ist das Vertrauen in die Politik hinsichtlich einer Digitalisierungsstrategie derzeit gering. Das ist eine Erkenntnis der Zukunftsstudie.

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Die Autoren der Studie mahnen zudem, dass die Digitalisierung die Achillesferse der deutschen Industrie ist. Das haben sie in Gesprächen mit 517 Experten aus der IKT (52%) und Nicht-IKT (48%) herausgefunden.

Die Thesen der Zukunftsstudie Digitalsierung

Im Rahmen der Befragung wurde zahlreiche Thesen aufgestellt und erörtert. Davon wurden 29 als wesentlich für die gegenwärtige unternehmerische oder standortbezogene Herausforderungen im Zuge der Digitalisierung identifiziert. Werden diese Thesen inhaltlich zusammengefasst, entstehen „insgesamt sechs Zukunftsräume“, so die Studie, die Springer für Professional vorliegt.

Zukunftsräume: Die Thesen der Zukunftsstudie zur Digitalisierung
  • Fachkräftemangel bedeutet eine strukturelle Herausforderung und ein wirtschaftliches Wachstumshemmnis in Deutschland.
    61 Prozent der Befragten sehen derzeit den Fachkräftemangel vor allem im MINT-Bereich als strukturelle Herausforderung. Um dem zu begegnen, muss das Bildungssystem so schnell wie möglich an die Gegebenheiten der digitalen Welt angepasst werden, die Lehrerausbildung besser ausgestaltet und die digitale Kompetenz jedes einzelnen Bürgers erhöht werden.

  • Die Ressorts in Ministerien und die interministerielle Zusammenarbeit werden den rasant wachsenden Herausforderungen der digitalen Gesellschaft nicht gerecht.
    Die Politik ist der Digitalisierung in ihrer heutigen Organisationsform nicht gewachsen. 86 Prozent der Experten sehen dort Restrukturierungsbedarf und denken dabei insbesondere an die Schaffung eines fachübergreifenden Bundesministerium für Digitalisierung und Medien.

  • Bei der Nutzung sind Nutzer funktionale und monetäre Ziele wichtiger als Datenschutz und IT-Sicherheit
    Datensouveränität sollte in Zukunft als Schlüssel zur digitalen Ökonomie verstanden und sichergestellt werden. Darüber hinaus müssen Bürgerrechte und -freiheiten geschützt werden. 65 Prozent der Befragten stimmen der These zu, dass die Vorbehalte der Nutzer gegenüber Datenmissbrauch den Vorteilen der Nutzung in den Hintergrund treten.

  • In Amerika und Asien werden digitale Innovationsstrategien im Vergleich zu Europa bzw. Deutschland schneller und mit größerem wirtschaftlichen Erfolg umgesetzt.
    Die Umsetzung von Innovationsstrategien durch deutsche Unternehmen wird von mehr als der Hälfte der teilnehmenden Experten als zu selten, zu langsam und mit zu geringem wirtschaftlichem Erfolg beurteilt. ‚Think BIG‘ müsse zur Tugend in deutschen Unternehmen werden.

  • Die deutsche Wirtshaft ist geprägt von Branchendenken und Wertschöpfungskette innerhalb der eignen Branche
    Drei Fünftel der Experten bestätigen, dass die deutsche Wirtschaft zu sehr in bisher oft erfolgreichen, jedoch ausgedienten Handlungsmustern verharrt. Dadurch wird die Verwirklichung von innovativen Produktstrategien und Geschäftsmodellen vielfach verhindert. Erfolgreich kann Deutschland künftig nur sein, wenn die Unternehmen mehr Mut zur Selbstkannibalisierung beweisen, branchenübergreifend kooperieren und den Mittelstand einbeziehen.

  • In Deutschland ist die Förderung von Forschung und Entwicklung und die anschließende internationale Vermarktung der neuen Produkte nicht an den Prinzipien der digitalen Ökonomie ausgerichtet.
    Die Experten bestätigen, dass das bisherige Fördersystem von Forschung und Entwicklung sowie die Umsetzung und internationale Vermarktung den digitalen Märkten nicht genügen. Um digitale Produkte erfolgreich einzuführen, muss eine schnelle Erprobung ebenso erfolgen wie eine frühe Verbreitung. Alle Akteure – Politik, Wissenschaft, Medien, Wirtschaft und Verbände – müssen sich sowohl mit Prinzipien als auch Chancen der digitalen Welt nachhaltig auseinandersetzen.

Die Hintergründe zu diesem Inhalt

2008 | Buch

Digitalisierung der Arbeitswelt

Zur Neuordnung formaler und informeller Prozesse in Unternehmen

2013 | Buch

Digitalisierung und Innovation

Planung - Entstehung - Entwicklungsperspektiven

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