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27.07.2014 | IT-Sicherheit | Im Fokus | Onlineartikel

Darum schadet ein No Spy-Abkommen der Deutschen IT

Autor:
Andreas Burkert

Nur der Kanzlerin hat US-Präsident Obama versprochen, sie nicht mehr abhören zu wollen. Alle anderen hoffen auf ein No Spy-Abkommen. Das aber wäre fatal, weil sie dann die Entwicklung wirksamer Verschlüsselungssysteme und sicherer IT-Systeme vernachlässigen.

Klare Worte vom Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika an die deutsche Bundeskanzlerin Merkel. Es wird kein No Spy-Abkommen zwischen beiden Ländern geben. Das ist eine gute Nachricht von drüben. Denn Abkommen können jederzeit gekündigt, oder aber einseitig erst gar nicht ernst genommen werden. Und die Hemmschwelle zum Abhören sinkt rapide, je größer die Verheißungen sind, mit den gewonnen Informationen einen Vorteil zu erlangen. Das gilt dieser Tage insbesondere für die Wirtschaft. Die Wirtschaftsspionage ist ein derart lukratives Geschäft, dass den meisten Unternehmen in Deutschland die wirklich rauen Tage noch bevorstehen. Vor allem eine Branche wird leiden.

„Industriespionage und Patentverletzungen schädigen Automobilhersteller und -zulieferer deutlich häufiger als Unternehmen anderer Branchen“, schreibt Springer-Autorin Christiane Brünglinghaus und zitiert in ihrem Beitrag "Wie Patentklau die Autoindustrie schädigt" die Ergebnisse der aktuelle Studie der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC. Zwar sehen die Analysten die Ursache vornehmlich bei Mitarbeitern und anderen Personen, die Zugang zu den Unternehmensräumen haben und nicht bei externen Cyberkriminellen. Beruhigend ist das aber nicht.

Fataler Mangel an Kryptologen

Denn Wirtschaftsspionage und Intelligence Gathering, wie es Alexander Tsolkas und Friedrich Wimmer in ihrem gleichnamigen Buch erklären, ist ein Multimilliarden-Geschäft, dem sich vermutlich eine ganze Industrie verschrieben hat. Nur so lassen sich die Zahlen erklären, die vor kurzem das Handelsblatt veröffentlicht wurden. Knapp ein Drittel der befragten 70 Mitgliedsunternehmen des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbauer (VDMA) hatten bereits Produktionsausfälle durch Cyberattacken. Dass sich dies durch ein bilaterales No Spy-Abkommen ändern wird, davon ist kaum einer überzeugt.

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Also ist jedes Unternehmen für sich gefordert, entsprechende Maßnahmen zu ergreifen, um Daten gegen einen unautorisierten Zugriff zu schützen. Wer nicht handelt, vor allem aber wer nicht in sichere IT-Systeme investiert, wird scheitern. Doch mittlerweile genügt allein der Wille nicht. Denn gute IT-Sicherheitsexperten gibt es nicht wie Sand am Meer.

Schon vor zehn Jahren mahnte Professor Christoph Paar vor einem Mangel an erfahrenen Kryptologen in der Automobilindustrie. Professor Paar ist Inhaber des Lehrstuhls für Embedded Security an der Ruhr Universität Bochum und Experte auf dem Gebiet kryptographischer Verfahren. Dass er unter anderem auch als Affiliated Professor an der University of Massachusetts at Amherst tätig ist, ist kein Zufall. Immerhin gelten US-Amerikanische IT-Unternehmen auf dem Gebiet der IT-Sicherheit als die Besten weltweit.

Der Autor:

Dipl.-Ing (FH) Andreas Burkert verantwortet seit März 2012 als Portalmanager den Bereich E-Technik, Informatik + IT auf "Springer für Professionals" und ist Korrespondent der ATZ . Zuvor war er als Entwicklungsingenieur bei Siemens NK und sowie als Chefredakteur tätig.

Profile im Web:

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