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19.08.2015 | IT-Sicherheit | Im Fokus | Onlineartikel

Strategie für Europas sicheren digitalen Binnenmarkt

Autor:
Andreas Burkert
2:30 Min. Lesedauer

Günther Oettinger möchte klare Regeln für einen digitalen Binnenmarkt in Europa. Und er will diesen vor Hackerangriffen schützen. Darum besuchte er das Hasso-Plattner-Institut. Dort wurde vor Kurzem ein Warnsystem für komplexe Cyber-Angriffe präsentiert.

Wir brauchen einen digitalen Binnenmarkt  in Europa und dieser benötigt klare Regeln“. Diese Forderung wiederholte EU-Kommissar Günther Oettinger soeben während seines Besuchs am Hasso-Plattner-Institut (HPI) in Potsdam. Nur so lassen sich Oettingers Ansicht nach die Chancen auch für kleine Unternehmen erhöhen. Der ehemalige baden-württembergische Ministerpräsident forderte eine aktive Rolle Europas in der digitalen Wirtschaft und Gesellschaft. Und er zeigt dabei mahnend auf die übermächtige Konkurrenz aus den USA. Konkret meint er den Suchmaschinenbetreiber Google, der Supermacht des Internets, wie es der Springer-Autor Nils Jacobsen in seinem gleichlautenden Kapitel ab Seite 109 schreibt.

„Europas Antwort auf Google könne keine rein defensive sein, die sich nur auf das Wettbewerbsrecht stütze“, kritisiert er deshalb die aktuelle Situation. Oettinger hielt sich im Übrigen genau an dem Tag in Potsdam auf, bis zu dem der US-Internetkonzern Google (jetzt: Alphabet) eigentlich Fragen der EU-Kommission zur möglichen Bevorzugung eigener Dienste in Trefferlisten seiner Suchmaschine beantworten sollte. Nach Oettingers Worten hat der US-Konzern erneut um eine Verlängerung der Antwortfrist gebeten - diesmal bis Ende des Monats August.

Erkennen komplexer Cyber-Angriffe

Der EU-Kommissar spricht allerdings eine noch größere Herausforderung an. Sie gilt dem Schutz vor Cyberangriffen. Vor diesem Hintergrund ist ein Hauptschwerpunkt der europäischen Cybersicherheitsstrategie „die  Entwicklung  industrieller  und  technischer  Ressourcen  für die  Cybersicherheit“. So steht es im Strategiepapier für einen digitalen Binnenmarkt für Europa, welches der Redaktion vorliegt. So geschieht der Besuch auch vor dem Hintergrund, das unter Leitung von Direktor Professor Christoph Meinel neu entwickelte Real-time Event Analytics and Monitoring System (REAMS) zu besichtigen.

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Laut Meinel können damit Anwender sämtliche Informationen sammeln, die in ihrem Netzwerk über sicherheitsrelevante Ereignisse auftreten – egal, ob sie von Servern, Routern oder Arbeitscomputern kommen –, sie in ein einheitliches Datenformat überführen und in Echtzeit auswerten. „Das neue System schafft die Voraussetzung dafür, dass auch komplexe Cyberangriffe auf Unternehmen und Institutionen genau in dem Moment blitzschnell erkannt und flexibel analysiert werden können, in dem sie ausgeführt werden“, erläuterte Meinel.

Aber auch die Zusammenhänge einzelner Vorgänge und typischen Angriffsmuster längst zurückliegender Angriffe ließen sich dadurch nachträglich rekonstruieren und ausführlich auswerten. Die vom HPI entwickelten Techniken versetzen IT-Sicherheitsexperten in Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung in die Lage, auch Muster neuartiger vielstufiger und verteilter Angriffe zu erkennen, die in herkömmlichen Lösungen unentdeckt bleiben.

Nach Worten des Institutsleiters ist der Nachteil mancher bislang eingesetzter Analyseprogramme, „dass sie morgen melden, wie man gestern angegriffen worden ist“. Hingegen sei das neue HPI-System dank Einsatzes vieler Sensoren, der Sammlung von Log-Informationen und der Analyse aller Informationen per Hochleistungs-Datenbank und –Rechnern in der Lage, in Echtzeit zu warnen, so dass sofort Gegenmaßnahmen ergriffen werden können. Durch diese Architektur sei das Sicherheitssystem auch zukünftig komplexer werdenden Aufgaben gewachsen.

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