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10.12.2013 | IT-Strategie | Im Fokus | Onlineartikel

Den Schwarm für seine Geschäftsidee begeistern

Autor:
Sabine Eyert-Kobler

Die Finanzierung von Innovationen wird von Banken nur zögerlich gewährt. Crowdfunding kann eine Alternative sein, um kreative Geschäftsmodelle dennoch an den Start zu bringen.

In den USA sind die Finanzierungsmöglichkeiten mit Crowdfunding längst etabliert. Doch auch Deutschland holt langsam bei der Drittmittelbeschaffung auf - und das nicht zuletzt deshalb, weil sich immer mehr mittelständische Betriebe aufgrund der restriktiven Geldpolitik deutscher Banker neue Finanzierungsquellen erschließen müssen. Not macht, wie so oft, erfinderisch.

Crowdfunding ist eine Chance für Startups, aber auch für Mittelständler

Neben den klassischen Online-Spenden für Hilfsorganisationen können mit Hilfe des Crowdfunding soziale und kulturelle Projekte, wie zum Beispiel Filme oder neue Produktideen, schon mit kleinen Beträgen unterstützt werden, hat eine repräsentative Bitkom-Umfrage ergeben. Spezielle Internetplattformen, wie zum Beispiel der Marktführer Startnext, aber auch Betterplace und Pling, haben sich in Deutschland etabliert und dienen dazu, Investoren mit Start-ups oder mittelständischen Unternehmen zusammenzuführen. International führt Kickstarter aus den USA mit über 33.000 realisierten Projekten und einem Finanzierungsvolumen von rund 400 Millionen Dollar das Ranking an.

"Ein im Zuge der Digitalisierung entstandenes Konzept der Kapitalbeschaffung ist die unter dem englischen Begriff Crowdfunding bekannte Schwarmfinanzierung. Auf einer Internetplattform stellen Nutzer in Form einer Ausschreibung ihre Geschäftsideen oder Vorhaben vor, für die sie Kapital benötigen. Anschließend können private Nutzer mittels der Seite finanzielle Mittel in beliebiger Höhe für die jeweiligen Projekte zur Verfügung stellen. Als Gegenleistung erhalten Sie zum Beispiel eine Beteiligung am Gewinn", so die Springer-Autoren Oliver und Andre Pott im Buchkapital "Geschäftsmodell, Geschäftsplanung und unternehmerische Handlungsstrategien" (Seite 81).

Crowdinvesting-Plattformen für jede Zielgruppe

Während es beim Crowdfunding in der Regel für die Unterstützung eine Gegenleistung in Form eines "Dankeschöns" gibt, bietet der Ideengeber beim Crowdinvesting eine Beteiligung an seiner Firma an, inklusive der damit verbundenen möglichen Wertsteigerung als Rendite für das finanzielle Engagement. Mittlerweile gibt es auch in Deutschland für jede Zielgruppe die geeignete Onlineplattform. Seedmatch und Innovestment waren die Vorreiter. 2011 konnten dort die ersten Entrepreneurs ihre Unternehmungen erfolgreich finanzieren. Insgesamt stieg die Kurve des Investitionsvolumens, bezogen auf alle Plattformen, von 0,4 Millionen Euro (2011) auf 4,3 Millionen Euro (2012) an. Bereits im 3. Quartal 2013 übertraf die Summe der Finanzierung in Höhe von 3,4 Millionen das vom vergangenen Jahr um 75 Prozent. Auch die Anzahl an erfolgreich durchgeführten Projekten ist mit 684 um 40 Prozent gestiegen. Die Anbieter unterscheiden sich zum einen über die Art der Beteiligung, zum Beispiel als stiller Gesellschafter (Seedmatch), und zum anderen über die Höhe – von 5 Euro (Companisto) bis hin zu Beträgen ab 1.000 Euro (Innovestment). Hinzu kommen regionale Plattformen. Dort können Unternehmen quasi vor Ort um Unterstützung bitten.

Das Vertrauen der Crowd wecken und "die kollektive Intelligenz nutzen"

Wer eine Plattform gefunden hat, die zu ihm passt, sollte sich zunächst Gedanken darüber machen, wie er seine eigene Crowdfunding-Seite gestaltet. Wichtig ist, sein Vorhaben beziehungsweise die Unternehmung ganz konkret zu beschreiben. Je genauer der Anbieter das Produkt visualisiert und erläutert, desto größer ist die Chance, dass sich der "Schwarm" dafür begeistert. Ein klassischer Businessplan, der den USP herausstellt, das angestrebte Wachstum und die Strategie über die ersten drei Jahre sowie die klar definierte Zielgruppe beschreibt, weckt das Vertrauen der Crowd. Wer bereits über ein großes Netzwerk verfügt oder für eine angesehene Institution arbeitet, ist im Vorteil. Um Aufmerksamkeit zu wecken, ist die kontinuierliche begleitende Bewerbung des Projektes auf allen Kanälen unabdingbar. Hierzu eignen sich insbesondere Bewegtbilder, wie zum Beispiel Videos oder Podcasts.

"Der Konsument macht die Marke sprichwörtlich zu seiner eigenen und wird zugleich zum Shareholder", schreibt Springer-Autor und Herausgeber Hans-Christian Riekhof im Buchkapitel "Netzwerke und Herrsche!“ Social Media aus markenstrategischer Sicht". "50 % aller Procter&Gamble-Innovationen kommen bereits von Horden (dem Vernehmen nach 1,5 Mio.) externer Tüftler, Kunden, Enthusiasten. Tchibo hat als einer der ersten Produkte der virtuellen Ideenfabrik ins Regal gebracht" (Seite 237).

Hinzu kommt der Austausch mit dem stetig wachsenden Netzwerk aus Investoren, die wertvolle Impulse in den Aufbau des Unternehmens oder die Gestaltung des Produktes einfließen lassen, aber natürlich auch über den aktuellen Stand informiert werden möchte. Nicht zuletzt können auf diese Weise Geschäftsideen bereits vor Markterschließung kostengünstig, schnell und gut messbar auf Akzeptanz überprüft werden.

Mit Crowdsourcing die Lösung von Problemen geschickt auslagern

Crowdsourcing bezeichnet die Auslagerung der Lösung einer Aufgabe beziehungsweise eines Problems an eine Gruppe in Form eines offenen Aufrufs über eine Internetplattform. Dabei kann der Lösungsbeitrag einer einzelnen Person im Vordergrund stehen und auch in bezahlte Formen der Erwerbsarbeit eingebettet sein: "Die Nutzer dieser Plattformen sind nicht nur passive Rezipienten, sondern auch Produzenten, die aktiv an der Produktion von Inhalten teilhaben", führen Clement und Schreiber in ihrem Buch "Internet-Ökonomie" aus (Seite 464).

"Crowdbiz" brachte Investoren und Entrepreneure zusammen

Mit der Crowdbiz fand im Oktober 2013 zudem erstmals eine Messe zum Thema Crowdfinanzierung im Rahmen des Börsentages im ICC Berlin statt. Ziel der Veranstaltung war es, neben der Zielgruppe auf den Online-Plattformen auch außerhalb des Internets für Geschäftsideen finanzkräftige Investoren. Zum anderen ermöglichte es den Start ups und Mittelständern, die zum Teil erklärungsbedürftigen Produkte im persönlichen Gespräch näher zu erläutern.

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2012 | OriginalPaper | Buchkapitel

Crowdfunding

Quelle:
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2012 | OriginalPaper | Buchkapitel

Gründungsfinanzierung

Quelle:
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01.10.2012 | Innovation | Ausgabe 4/2012

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