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11.04.2017 | IT-Strategie | Im Fokus | Onlineartikel

Der Mut zum großen, digitalen Wurf fehlt

Autor:
Sven Eisenkrämer

Die Digitalisierung bereitet Unternehmen Probleme. Viele trauen sich nicht, harte Kurswechsel einzugehen. Starre Strukturen und nicht überzeugte Mitarbeiter sind dabei eine große Hürde.

"Die Digitalisierung läuft auf Hochtouren, grundlegende Veränderungen bleiben aber aus. Das bezieht sich nicht auf die Technologie, sondern auf die Organisationsstrukturen." Die Worte von Uwe Dumslaff und Thomas Heimann sind deutlich. Diese Strukturen "verursachen am häufigsten Probleme und stellen Unternehmen damit offenbar vor die größere Herausforderung. Aber obwohl CIOs das Problem auf Unternehmensebene erkennen und darüber klagen, schrecken die meisten vor der Neuausrichtung ihrer eigenen Abteilung zurück." Der CTO (Dumslaff) und der IT-Trends-Experte (Heimann) von Capgemini Deutschland stellen mit diesen Aussagen die Studie zu IT-Trends 2017 vor.

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CIOs leiteten häufig nur Maßnahmen ein, die wieder rückgängig gemacht werden können, "und dementsprechend fehlt der große Wurf." Nur eine kleine Gruppe von Unternehmen im deutschsprachigen Raum hat laut Dumslaff und Heimann die Digitalisierung als oberste Priorität verankert. "Sie gehören möglicherweise zu den Organisationen, die disruptive Veränderungen herbeiführen wollen, anstatt darauf zu warten, von ihnen überholt zu werden. Denn sie sind bereits dabei, Erkenntnisse aus ihren Daten in neue Produkte und Services umzusetzen."

Fünf Stufen der IT-Wirkung

Die digitale Transformation in einem Unternehmen basiert auf der Wirkung von IT in diesem Ökosystem. Diese Wirkung kann in fünf Stufen erfolgen, wie im Kapitel "Digitale Transformation von Unternehmen" in der neuesten Auflage des Springer-Buchs "Grundzüge der Wirtschaftsinformatik" (2017) eingehend beschrieben wird. Die Autoren Peter Mertens, Freimut Bodendorf, Wolfgang König, Matthias Schumann, Thomas Hess und Peter Buxmann nennen die folgenden Punkte:

  1. Lokale Unterstützung
  2. Unternehmensweite Integration
  3. Reorganisation von Kernprozessen (Business Process Redesign)
  4. Veränderung von Arbeitsteilung und Zusammenarbeit
  5. Veränderung von Geschäftsmodellen


Für die digitale Transformation stehen demnach die drei letzten Stufen im Fokus. Die Capgemini-Ergebnisse lassen darauf schließen, dass sich die zurückhaltenden Unternehmen und CIOs noch scheuen, vor allem die Veränderung von Geschäftsmodellen anzustoßen. Doch eben jene letzte Stufe hat laut dem Autoren-Team das höchste Potenzial und den höchsten Wirkungsgrad. 

Völlig neue Produktbündel, auch mit ganz neuen Preismodellen, können z.B. dadurch entstehen, dass ein Maschinenbauunternehmen nicht nur seine Fertigungsanlagen verkauft, sondern diese auch über entsprechende Datenverbindungen mit einem kompletten Monitoring der Maschinendaten anbietet, um sie warten zu können. Statt des Kaufpreises für die Anlage zahlt der Kunde nun eine Gebühr für die Funktionszeit der Maschine.“    
Autoren Peter Mertens, Freimut Bodendorf, Wolfgang König, Matthias Schumann, Thomas Hess und Peter Buxmann in "Digitale Transformation von Unternehmen" (2017), Seite 193.

Mehrheit der Studienteilnehmer kommt aus dem Mittelstand

Für die Capgemini-Studie zu den IT-Trends 2017 hatte das Beratungs- und Technologieunternehmen 148 Entscheidungsträger aus Unternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz befragt. Die Mehrheit (29,9 Prozent) arbeitete in mittelständischen Unternehmen mit einem Jahresumsatz zwischen 50 und 500 Millionen Euro und in den Top-500-Unternehmen mit einer bis 7,5 Milliarden Euro Umsatz (24,6 Prozent). Ebenso ist die Fraktion dazwischen, der gehobene Mittelstand mit 500 Millionen bis einer Milliarde Euro Umsatz (19,4 Prozent) stark vertreten.

Weitere Kernergebnisse der Studie sind: 

  • IT-Budgets steigen im Jahr 2017 voraussichtlich. 44,4 Prozent der Befragten rechnen mit einer Erhöhung. 16,1 Prozent der CIOs müssen ihre Ausgaben kürzen.
  • Dreiviertel aller CIOs haben von der Geschäftsleitung den Auftrag, die Digitalisierung im Unternehmen auszubauen. Dabei gehen acht von zehn CIOs davon aus, dass die Digitalisierung die Geschäftsmodelle ihrer Branche beeinflusst und disruptive Veränderungen mit sich bringt.
  • Die digitale Transformation bereitet 73 Prozent der Befragten Probleme. Neben dem Mangel an qualifizierten Mitarbeitern, vor allem in den Bereichen Internet-of-Things-(IoT)-Technnologien und Big Data, klagen CIOs insbesonder über organisatorische Hürden wie starre Strukturen, mangelnde übergreifende Planung und unklare Verantwortlichkeiten. 
  • Viele CIOs verändern ihre IT-Organisation nur oberflächlich und schrecken vor irreversiblen Maßnahmen zurück.


Weitere Trends für das IT-Jahr sind für die Unternehmen und ihre Digitalchefs Sourcing und Cloud Computing. Insbesondere Großkonzerne und der Mittelstand haben die Cloud-Nutzung stark ausgebaut. Die Portierung von Applikationen weg vom fixen Unternehmensserver in die digitale Wolke nimmt zu. Die Zahl der Big-Data-Anwendungen, die Unternehmen nutzen ist hingegen zurückgegangen, allerdings ist die Zahl der Unternehmen, die sich konkret in Workshops oder Pilotanwendungen mit Big Data auseinandersetzen, gestiegen. Nahezu alle Big-Data-Anwender holen sich bei der Umsetzung Hilfe von außen. Wichtiger Trend ist auch das Auseinandersetzen mit der 2018 wirksam werdenden EU-Datenschutzgrundverordnung. Viele Sicherheitsthemen sind in Unternehmen daher weit oben der Agenda 2017.

Agile Methoden bereiten Unternehmen Probleme

Der Einsatz agiler Methoden steigt nur leicht an. Etwa ein Viertel der Unternehmen setzt in Entwicklung, Betrieb, Support oder Projektmanagement darauf. Mit agilen Arbeitsweisen scheinen laut Capgemini viele Unternehmen ein Problem zu haben. Sie können diese nicht in das althergebrachte Organisationsmodell integrieren oder die Mitarbeiter nehmen sie nicht an.

Um agile Methoden erfolgreich in einem Unternehmen zu etablieren, geben die Springer-Autoren Ray Velez und Bob Lord in ihrem Buchkapitel "Mit der Agile-Methodik zur Konvergenz" CIOs und Geschäftsführungen Tipps mit auf den Weg:

  • Bilden Sie sich fort. Es gibt mittlerweile Hunderte Bücher zur Agile-Methodik, ganz zu schweigen von Workshops, Webinaren und anderen Fortbildungsmöglichkeiten. Absolvieren Sie einen Kurs zum Scrum Master oder Product Manager. 
  • Starten Sie ein Pilotprojekt. Stellen Sie ein Agile-Team auf, das an einem konkreten Projekt mit klarem Wunschergebnis ausgerichtet ist. Hierbei ist zu beachten, dass sich manche Tätigkeiten besser für den Einsatz der Agile-Methodik eignen als andere. 
  • Verzetteln Sie sich nicht in Details. Die Agile-Methodik ist ein Prozess mit bewährten Grundsätzen und Praktiken. Halten Sie sich bei Ihren ersten Experimenten so eng wie möglich an die Struktur: Führen Sie die Daily Stand-Ups durch, visualisieren Sie Ihr Projekt und planen Sie in Sprints. Es ist nicht im Sinne der Methodik, dass Sie sechs Monate verlieren, weil Sie 200 Mitarbeiter auf einen Workshop schicken möchten, weil Sie darüber streiten, ob Ihr Scrum Master eine Zertifizierung benötigt, oder weil Sie sich fragen, ob man bei den Daily Stand-ups wirklich stehen muss. Die Agile-Methodik sollte keine Last sein, sondern anregend und motivierend wirken.
  • Holen Sie einen externen Partner an Bord! Im Rahmen von bestimmten Projekten fungiert dieser im Grunde als Ersatz für Agile-Teams: Sie besetzen die Rollen und arbeiten nach den Grundsätzen der Agile-Methodik, und der Kunde ist der Stakeholder. So kann man den Agile-Prozess in Aktion erleben, ohne Risiken durch eventuelle Verzögerungen einzugehen. 

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