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23.11.2016 | Jahresabschluss | Interview | Onlineartikel

"Viele Unternehmen sind nicht optimal auf das BilRUG vorbereitet"

Autor:
Sylvia Meier
Interviewt wurde:
Professor Dr. Klaus von Sicherer

lehrt an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg sowie an der Hochschule Merseburg im Bereich Wirtschaftswissenschaften Accounting and Taxation und an der Universität Bratislava.

Die Jahresabschlusserstellung 2016 rückt näher. Springer-Autor Klaus von Sicherer stellt im Interview fest, dass es noch an den Vorbereitungen zur Umsetzung neuer gesetzlicher Regelungen hapert.

Springer Professional: Das Jahresende rückt näher und mit ihm die Vorbereitungen für die Jahresabschlusserstellung von Unternehmen. Was sind momentan die wichtigsten Aufgaben im Rechnungswesen?

Klaus von Sicherer: Es ist die Aufgabe des betrieblichen Rechnungswesens eines Unternehmens, Leistungsprozesse und Leistungsverwertung systematisch mengen- und wertmäßig abzubilden, auszuwerten, zu kontrollieren und zu steuern. Deshalb ist bei den Vorbereitungen für die Jahresabschlusserstellung zu beachten, ob alle Geschäftsvorfälle in der Finanzbuchhaltung sachgerecht gebucht worden sind und welche Bilanzierungs- und Bewertungswahlrechte ausgeübt werden sollen. Außerdem ist zu prüfen, ob neben der Bilanz und Gewinn- und Verlustrechnung (GuV) noch andere größenabhängige Berichtsbestandteile, beispielsweise Lagebericht oder Kapitalflussrechnung, erstellt werden müssen. Auch muss die Frage gestellt werden, welche zusätzlichen gesetzlichen Anforderungen zu befolgen sind und ob der Jahresabschluss offengelegt werden muss. Hierzu sind die entsprechenden Informationen aus allen Bereichen des Unternehmens zu liefern und das nicht nur zum Jahresende, sondern auch während des gesamten Geschäftsjahres.

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Welche gesetzlichen Neuregelungen sind in den Jahresabschlüssen 2016 umzusetzen?

Bei der Erstellung des Jahresabschlusses für das Geschäftsjahr 2016 ist insbesondere das neue Bilanzrichtlinienumsetzungsgesetz (BilRUG) zu beachten. Das BilRUG ist zwingend für Geschäftsjahre anzuwenden, die nach dem 31. Dezember 2015 beginnen. Mit Inkrafttreten des BilRUG hat sich vor allem einerseits die Definition der Umsatzerlöse nach § 277 Abs. 1 Handelsgesetzbuch (HGB) wesentlich geändert. Andererseits sind außerordentliche Aufwendungen und Erträge (§ 277 Abs. 4 HGB a.F.) im bisherigen erfolgswirtschaftlichen Verständnis nicht mehr vorhanden (Erfolgsspaltung). Diese elementare Änderung der Definition der Umsatzerlöse führt außerdem dazu, dass die Größenklassen nach §§ 267-267a HGB umgeschrieben werden mussten. Unternehmen müssen demnach jetzt prüfen, ob sich durch diese Neuregelungen die Größenklasse ändert und welche zusätzlichen Verpflichtungen sich bei einem eventuellen Wechsel in die nächst höhere Größenklasse ergeben.
Zu einer wesentlichen Neuerung kam es auch bei Aufstellung der Kapitalflussrechnung. Unternehmen, die zur Erstellung der Kapitalflussrechnung nur nach HGB verpflichtet sind, müssen jetzt bei der Aufstellung der Kapitalflussrechnung den DRS 21 in Verbindung mit DRÄS 6 vom DRSC beachten. Dies bedeutet, dass frühere mögliche Wahlrechte nicht mehr ausgeübt werden können und dass neue Positionen hinzugefügt worden sind. Andere wurden wiederum gestrichen.
Außer diesen wichtigen Regelungen ist weiter zu beachten, dass der Anlagenspiegel nach BilRUG zwingend im Anhang anzugeben ist, dass es Neuregelungen bei den Offenlegungspflichten gibt, dass zusätzliche Angaben im Anhang vorzunehmen sind und so weiter.

Das Bilanzrichtlinie-Umsetzungsgesetz (BilRUG) gilt als eine der größten Handelsgesetzbuchreformen seit dem Bilanzmodernisierungsgesetz (BilMoG). Aus Ihrer Einschätzung: Sind die Unternehmen bereits auf die Änderungen der Bilanzierung durch das BilRUG vorbereitet?

Meine Meinung ist, dass sich viele Unternehmen wohl erst jetzt kurz vor dem Jahresende intensiver mit den Neuregelungen des BilRUG’s befassen werden. Probleme sehe ich vor allem bei kleinen und mittleren Unternehmen (KMU), die bei der Umsetzung der neuen BilRUG-Regelungen überfordert sein könnten. Ich denke aber, dass auch größere Unternehmen von diesen doch elementaren rechtlichen Änderungen Problemlösungen werden suchen müssen. Um Ihre Frage kurz und prägnant zu beantworten, nein, ich glaube, dass viele Unternehmen für die doch wesentlichen Änderungen durch das BilRUG noch nicht optimal vorbereitet sind.

Welche BilRUG-Änderungen fordern Unternehmen beziehungsweise auch ihre Berater aus Ihrer Sicht besonders?

Ich bin der Ansicht, dass vor allem die elementare Neudefinition der Umsatzerlöse und damit einhergehend die Abschaffung der außerordentlichen Aufwendungen und Erträge den Unternehmen die größten Probleme bereiten werden. Hier stellt sich nämlich auch die Frage, wie die Geschäftsvorfälle, die früher als außerordentliche Positionen einzustufen waren, heute zu verbuchen sind. Gehören außerordentliche Erträge jetzt zu den Umsatzerlösen oder sind sie den sonstigen betrieblichen Erträgen zuzuordnen? Dies ist nämlich eine äußerst komplexe Fragestellung, die sich nicht allgemein beantworten lässt, sondern nur im Zusammenhang mit der genauen Geschäftstätigkeit des Unternehmens abgeklärt werden kann. 

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