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Über dieses Buch

Seit dem Platzen der japanischen Blasenökonomie im Dezember 1989 befindet sich Japan in einer langanhaltenden Rezession. Die geldpolitische Krisentherapie wurde durch Zinssenkungen auf zuletzt unter null sowie groß angelegte Ankäufe von Vermögenswerten, insbesondere von Staatsanleihen durch die Zentralbank bestimmt. Schnabl analysiert die vielfachen Auswirkungen auf die japanischen Banken mit Fokus auf die kleinen und mittleren Regionalbanken. Nicht nur der Verfall der Vermögenspreise nach Platzen der japanischen Blasenökonomie, sondern auch die geldpolitische Krisentherapie selbst haben den Banken geschadet. Schrumpfende Zinsüberschüsse, der Rückgang der Kreditnachfrage sowie die geringe Verzinsung von Staatsanleihen haben die Gewinnmöglichkeiten der Banken erodiert. Das Buch zeigt, wie sich die japanischen Banken durch Kostensenkungen, Fusionen, veränderte Geschäftsmodelle und nachsichtige Kreditvergabe an die ultra-lockere Geldpolitik der Bank von Japan angepasst haben und sich auch weiter werden anpassen müssen.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

1. Einleitung

Zusammenfassung
Die wirtschaftliche Entwicklung in Japan seit Anfang der 1990er Jahre wird durch das Platzen der Blasen auf den japanischen Aktien- und Immobilienmärkten bestimmt. Seit Mitte der 1980er Jahre hatten starke Leitzinssenkungen in Reaktion auf die starke Aufwertung des Yen nach dem Plaza-Abkommen (Sept. 1985) ein übermäßiges Kreditwachstum und damit Blasen auf den japanischen Aktien- und Immobilienmärkten befeuert.
Gunther Schnabl

2. Veränderungen im makroökonomischen Umfeld

Zusammenfassung
In Kap. 2 werden die Ursachen für die Krise des japanischen Bankensektors analysiert, die sowohl in von billigem Geld befeuerten Übertreibungen auf den japanischen Aktien- und Immobilienmärkten (1985–1991) als auch in der sehr expansiven Geldpolitik als Krisentherapie (1991 bis zur Gegenwart) zu sehen sind. Eine ähnliche Geldpolitik hatte in einem unterschiedlichen Umfeld (irrationale Überschwänglichkeit bzw. Bilanzrezession) unterschiedliche Auswirkungen auf den Bankensektor. Die seit den 1990er Jahren anhaltende Krise, die weder durch eine sehr expansive Geldpolitik noch durch eine expansive Finanzpolitik beendet werden konnte, hat zu einer Veränderung von relativen Marktgrößen für die einzelnen Bank-Typen geführt. Einerseits ist das Ausland relativ zu Japan gewachsen. Andererseits hat sich innerhalb von Japan das Gewicht zugunsten der wirtschaftlichen Zentren (insbesondere Großraum Tokio) verschoben. Das hat die Struktur des japanischen Bankensektors maßgeblich verändert.
Gunther Schnabl

3. Die japanische Kreditwirtschaft in der Krise

Zusammenfassung
In Kap. 3 wird die Entwicklung der gesamten japanischen Kreditwirtschaft in der Krise aufgezeigt. Es werden zunächst die wichtigsten unterschiedlichen Bankentypen – City-Banken, Regionalbanken ersten Ranges, Regionalbanken zweiten Ranges und Shinkin-Banken – vorgestellt. Es wird verdeutlicht, wie im Verlauf der seit 1991 anhaltenden Krise die Einlagen von Haushalten und Unternehmen bei den Banken kontinuierlich angestiegen sind. Durch die immer expansivere Geldpolitik wurden die Kreditmarge (Kreditzins minus Einlagenzins), die Transformationsmarge (langfristiger Zins minus Geldmarktzins) sowie die Passivmarge (Geldmarktzins minus Einlagenzins) immer weiter gedrückt. Auf die zunehmend prekäre Lage von vielen (auf die japanische Peripherie) konzentrierten Klein- und Mittelunternehmen reagierte die japanische Regierung mit Kreditgarantien, die der Entstehung einer neuen Welle notleidender Kredite entgegenwirkte.
Gunther Schnabl

4. Rolle der Klein- und Mittelunternehmen für die japanische Kreditwirtschaft

Zusammenfassung
Kap. 4 zeigt die Entwicklung der Klein- und Mittelunternehmen im Vergleich zu den Großunternehmen auf. Die Klein- und Mittelunternehmen spielen traditionell für die japanische Wirtschaft eine zentrale Rolle. Die Entwicklung der japanischen Regional- und Shinkin-Banken ist eng mit der Entwicklung der Klein- und Mittelunternehmen verbunden. Es wird gezeigt, dass seit Beginn der Krise in den 1990er Jahren die Gewinne zwar stabilisiert werden konnten, die Investitionen bei persistent negativen Geschäftserwartungen jedoch stagnierten. Seit den 1990er Jahren zeichnet sich eine wachsende Zombifizierung von Klein- und Mittelunternehmen ab, die vielfach von einer nachsichtigen Kreditvergabe zu niedrigen Zinsen abhängig wurden. Die Herausforderungen für Klein- und Mittelunternehmen ergeben sich insbesondere in der japanischen Peripherie durch Stagnation und Abwanderung der jungen Bevölkerung.
Gunther Schnabl

5. Entwicklung der Ertrags- und Kostenstrukturen der Regionalbanken im Vergleich

Zusammenfassung
In Kap. 5 wird die Veränderung der Ertrags- und Kostenstrukturen der japanischen Regionalbanken im Vergleich zu den City-Banken und den Shinkin-Banken untersucht. Es wird gezeigt, dass die Profitabilität der japanischen Banken seit 1999 sehr stark vom internationalen Finanzzyklus abhing. Der Rückgang der Zinseinnahmen aus dem traditionellen Kreditgeschäft konnte bei steigender Staatsverschuldung zunächst teilweise durch den Ankauf von Staatsanleihen kompensiert werden. Diese Einnahmequelle wurde den japanischen Banken mit den Ankäufen von Staatsanleihen durch die Bank von Japan im Zuge der Abenomics (seit 2013) genommen, weshalb sich die Ertragslage der Regionalbanken bei Fortführung der ultralockeren Geldpolitik durch die Bank von Japan weiter verschlechtert hat.
Gunther Schnabl

6. Neue Ertragsquellen

Zusammenfassung
Kap. 6 widmet sich der Entstehung neuer Geschäftsmodelle für den Bankensektor. Da die Geldpolitik einen Keil zwischen wenige sehr reiche und vielen Menschen mit geringeren Einkommen getrieben hat, galt es das Geschäftsmodell der Banken an diese veränderten Bedingungen anzupassen. Dies bedeutet mehr Service für vermögende Kunden, was Anlageberatung und weitere Dienstleistungen wie z. B. die Suche nach Kunstwerken und Auslandsanlagen umfasst. Bei den weniger einkommensstarken Schichten hat die Kreditvergabe ohne Sicherheiten deutlich zugenommen. Zu diesem Zweck haben große Banken frühere Nichtbanken gekauft oder in ihre Finanzgruppen integriert, die auf die Kreditvergabe ohne Sicherheiten spezialisiert sind. Bei den Klein- und Mittelunternehmen, deren Kredite (Einlagen) bei den Banken abnehmen (zunehmen), spielt die Beratung und Betreuung zunehmend eine wichtige Rolle.
Gunther Schnabl

7. Perspektiven für die japanischen Regionalbanken und Shinkin-Banken

Zusammenfassung
In Kap. 7 werden unterschiedliche Perspektiven für die Regional- und Shinkin-Banken aufgezeigt. Im Vordergrund stehen Fusionen, die dazu beitragen sollen, Skaleneffekte beim Finanzgeschäft der Regionalbanken zu realisieren. Zudem wird das Relationship-Banking als Stärke der Regionalbanken herausgestellt. Da die Regionalbanken die Unternehmen vor Ort besser kennen als die großen City-Banken, können sie besser auf die individuellen Bedürfnisse der Unternehmen eingehen und dafür höhere Zinsen und Gebühren erheben. In diesem Kontext steht das veränderte Geschäftsumfeld der Klein- und Mittelunternehmen im Vordergrund, die ihre Geschäftstätigkeit mehr auf das Ausland ausrichten. Da die Regionalbanken über keine gemeinsame Dachorganisation verfügen, geht die Tendenz in Richtung der Gründung gemeinsamer Asset Management-Firmen.
Gunther Schnabl

8. Ausblick

Zusammenfassung
Der Versuch, einer starken Aufwertung des japanischen Yen durch starke Zinssenkungen entgegenzuwirken, hat in Japan in der zweiten Hälfte der 1980er Jahre eine kreditfinanzierte Aktien- und Immobilienblase befeuert. Deren Platzen hat das Land in eine tiefe, bis heute anhaltende Krise gebracht. Umfangreiche keynesianische Stabilisierungspakete, Leitzinssenkungen gegen null und der umfangreiche Ankauf von Staatsanleihen und anderen Vermögenswerten durch die Bank von Japan konnten zwar die Konjunktur immer wieder kurzfristig stabilisieren. Die versprochene nachhaltige Erholung wurde jedoch nicht erreicht.
Gunther Schnabl
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