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27.05.2014 | Journalismus | Im Fokus | Onlineartikel

Mit diesen Trends überlebt die Zeitung

Autor:
Sibylle Haberstumpf

Die aktuellen Zeitungstrends zeigen: Mit kreativen Visualisierungen und starkem Lokalteil bleiben Zeitungen auch im Multimedia-Zeitalter zukunftsfähig.

Was gut aussieht, liest sich auch gut. Auf diesen gemeinsamen Nenner lassen sich die Trends bringen, die auf dem "European Newspaper Congress" in Wien auf der Agenda standen. Die innovativsten Konzepte europäischer Zeitungen wurden dort mit dem begehrten "Newspaper Award" belohnt. Die Trends signalisieren: Die Zeitung ist kein überholtes Geschäftsmodell – sofern sie sich der richtigen Mittel bedient. Vor allem durch ein anderes Storytelling mit hohem Visualisierungs-Grad, aber auch mit exklusiven Lokalthemen, können Printmedien demnach punkten.

Dass Zeitungen neue Akzente setzen müssen, schreibt auch Springer-Autor Thomas Becker. Wie er in seinem Beitrag "Medien, Journalismus und öffentliche Meinung" betont, "verlieren periodische Printangebote massiv an Reichweite und können hohe Auflagen nur durch ein erweitertes kostenfreies Angebot aufrechterhalten" (Seite 277).

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Die Rückgänge bei Auflagen und Anzeigenumsätzen sprechen hier eine deutliche Sprache. Wurden 1989 in der Bundesrepublik und in der DDR noch täglich 30,2 Millionen Exemplare verkauft, schrumpfte im Jahre 2013 die verkaufte Gesamtauflage auf nur noch 17,54 Millionen. Das ist ein Rückgang von 42 Prozent.

Alle verfügbaren Mittel nutzen

Um Leser und Abonnenten zu gewinnen, reicht es daher nicht mehr aus, nur inhaltlich zu überzeugen. Wie die Jury-Urteile des "Newspaper Award" zeigen, sollten moderne Zeitungsseiten vor allem visuell Akzente setzen. Denn durch eine visuelle Gliederung wird die Nachricht für den Leser weit besser transportiert. Beispielhaft ist das Erscheinungsbild der deutschen "Welt am Sonntag", die in Wien als beste europäische Wochenzeitung ausgezeichnet wurde. In den Augen der Jury sind hier die mehrseitigen Hintergrund-Strecken zum Titelthema beachtenswert, die mit zahlreichen Fotos, Illustrationen oder Infografiken bebildert sind. Auch das Layout der Titelseite sticht hervor. Großflächige, kreative Illustrationen wechseln sich mit Schwarz-Weiß-Fotos ab, so dass eine dokumentarische Wirkung erzielt wird.

Lokales wird wichtiger

Generell spielt in europäischen Zeitungen der Lokalteil eine immer größere Rolle. Auch Lokalzeitungen setzen verstärkt auf optische Highlights mit doppelseitigen Infografiken oder großformatigen Fotos. Das Lokale kann vor allem mit exklusiven, eigenen Geschichten aus dem direkten Umfeld der Leser punkten. Eingesessene Zeitungen haben so klare Vorteile vor anderen Nachrichten-Angeboten. "Leser trauen ihrer Zeitung viel Kompetenz in der Berichterstattung über ihre Heimat zu", betont auch Springer-Autor Manuel Thomä in dem Buchkapitel "Handlungsempfehlungen für die Medienpraxis" (Seite 248). "Vier von fünf regelmäßigen Lesern geben an, die Nachrichten aus dem Bereich Lokales „immer“ zu lesen", stellt Thomä fest.

Leser lesen heute anders

Insgesamt habe sich das Leseverhalten geändert. "Viele der Unter-Dreißigjährigen haben sich vollständig den digitalen Medien zugewendet. Das Publikum, wie wir es kennen, zerfällt", analysiert Thomä im Interview mit Springer für Professionals. Der Grund: Nachrichten erreichen uns heute im Sekundentakt über verschiedene Kanäle. "Waren Nachrichten früher ein rares Gut, für das man bereitwillig zahlte etwa durch Kauf einer Tageszeitung, sind sie durch das Internet zu einem Massenprodukt geworden, dessen Wert gegen Null tendiert", fasst Springer-Autor Thomas Becker diese Entwicklung zusammen (Seite 353). Am Vertrauen in die Zeitung ändert das aber nichts. So hielten Im Jahr 2013 85 Prozent der Bevölkerung Tageszeitungen für besonders zuverlässige Informationsquellen. Sie bescheinigten ihnen die höchste Glaubwürdigkeit von allen Nachrichten-Medien. Ein Qualitätsmerkmal, das Zeitungen anderen Medien gegenüber einen Vorsprung verschafft.

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26.05.2014 | Medien | Bildergalerie | Galerie

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