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15.05.2013 | Journalismus | Im Fokus | Onlineartikel

Paid Content: Was nichts kostet, ist nichts

2 Min. Lesedauer

Geht in den Verlagen die Existenzangst um, gehen online die Schranken runter. Genauer: Die Bezahlschranken. Paywalls heißen die vielversprechenden Grenzwächter zwischen journalistischem Inhalt und zahlungswilligem Leser.

Die New York Times hat den Beweis offenbar erbracht: Es kommt auf die richtige Mischung aus bezahlpflichtigen und über Social-Media-Apps frei zugänglichen Premium-Inhalten an. Seit Einführung der weichen Bezahlschranke "Metered-Paywall“ (März 2011) verdient das Blatt mehr am Leser als durch Werbeeinnahmen. Auch in deutschen Verlagen wird das Modell als Patentrezept zur journalistischen Qualitätssicherung gefeiert. Paid-Content ist trendy. Aber bleiben die Leser wirklich bei der Stange, wenn sie zur Kasse gebeten werden? Kostenfreie Informationsangebote gibt es im Netz zuhauf.

Jeder Dritte hat schon einmal Geld für redaktionelle Inhalte ausgegeben, so das Ergebnis der aktuellen Befragung von 1.000 Experten der Internetbranche im Auftrag von "Internet World Messe". Abonnements digitaler Zeitungsinhalte lehnen nur ein knappes Viertel ab. Qualitätsjournalismus muss auch Online seinen Preis haben, lautet das Hauptargument der Paywall-Befürworter (30 Prozent).

Journalistisches Expertentum im Web verkaufen

"Mit Content lässt sich Geld verdienen, wenn er richtig aufbereitet ist und konkrete Bedürfnisse erfüllt“, schreibt dazu Medienberater Ansgar Mayer in seinem Buchkapitel "Digital first. Und dann...?“ Wenn Journalisten sich selbst als vertriebsfähige Marken aufbauten, wenn Verlage redaktionelles Expertentum gegen Bares handelten und passgenaue Inhalte lieferten - dann habe der Journalismus seine digitalen Chancen genutzt.

"Wer einen Standpunkt hat, dem gibt man Geld“, stimmt auch Karsten Wenzlaff in seinem Buchkapitel "Bezahlbarer Journalismus in der digitalen Moderne“ zu. Die Bereitschaft, anspruchsvolle, und meinungsstarke Inhalte zu honorieren sei vorhanden. Vor harten Paywalls warnt der Autor allerdings. "Leser wollen eine Auswahl treffen, wofür sie bezahlen, und sie wollen sicherstellen, dass das Geld bei dem Urheber ankommt.“

Online-Finanzierungsmodelle für Qualitätsjournalismus

  • Metered-Paywall: Die Gebührenschranke fällt erst nach regelmäßiger Nutzung.
  • Social-Payment: Freiwillige Überweisungen im Micorpayment-Bereich, etwa für Blogbeiträge freier Journalisten oder Podcaster. Die "kleinen“ Bezahl-Buttons haben Zeitschriften wie "TAZ" und "Der Freitag" eingebaut.
  • Crowdfunding: Gemeinsames finanzieren über Crowdfunding-Plattformen von noch nicht umgesetzten Recherchevorhaben. In Deutschland etwa bei Krautreporter.de verwirklicht.

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